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„Aus einem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholen“

15. Wallfahrt der Minderheiten auf dem St. Annaberg

„Einem Hausherrn gleichen, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt“ – das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 13,52) bildete das Motto der diesjährigen Wallfahrt der Minderheiten, die traditionell am ersten Sonntag im Juni begangen worden ist.

Erneut stand Erzbischof Prof. Dr.  Alfons Nossol als Hauptzelebrant am Altar in der Lourdes-Grotte in Konzelebration mit anderen schlesischen Heimatpriestern. Doch es war seine letzte Wallfahrt, an der er als Ordinarius des Bistums Oppeln teilgenommen hat, da er im August, nach einer zweijährigen Verlängerung seiner Bischofskadenz,  in Ruhestand gehen wird. So war es verständlich, dass nach dem Gottesdienst die anwesenden Vertreter der deutschen Volksgruppe, mit seinem neuen Präsidenten, Bernhard Gaida, Erzbischof Nossol für seine Tätigkeit als Seelsorger und Fürsprecher der Deutschen in Schlesien gedankt haben. Auch der anwesende Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, Dr. Helmut Schöps, dankte Erzbischof Nossol für sein Engagement. Es war erfreulich, dass die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik anwesend war, die sehr oft nur durch Abwesenheit glänzte. Der Hauptzelebrant ging in seiner hervorragenden Predigt auf die vor 20 Jahren begonnene Demokratisierung ein. Er nannte die polnische Solidarnosc-Bewegung, die Lichter -Prozessionen in der ehemaligen DDR und die Fehleinschätzung Gorbatschows über die Reformbarkeit des Kommunismus als Wegbereiter der Freiheit, die die Anerkennung der deutschen Volksgruppe in Schlesien zur Folge hatten. Er erinnerte auch den ersten deutschsprachigen Gottesdienst nach 1945 vor 20 Jahren auf dem St. Annaberg, ebenso an den sog. Versöhnungsgottesdienst mit Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki in Kreisau. In seiner Predigt appellierte Erzbischof Nossol an die Priester, die deutschsprachige Seelsorge besser auszubauen, gleichwohl bat er die Vertreter der deutschen Volksgruppe um Geduld bei der Umsetzung des Wunsches nach der Einführung der deutschsprachigen Liturgie, die einigen und nicht spalten sollten.

Es ist dem Prälaten Wolfgang Globisch zu danken, dass diese Minderheitenwallfahrt, an der auch andere nationale und ethnische Minderheiten, auch wenn unter einer sehr geringen Beteiligung, teilnehmen, bereits seit 15 Jahren stattfindet.

Die Vertretung der Landsmannschaft Schlesien hat der Bundesgeschäftsführer, Damian Spielvogel, wahrgenommen, der auch persönlich von Prälat Globisch begrüßt wurde. Es waren auch viele andere „ausländische“ Pilgergruppen anwesend, darunter, neben einer zahlreichen Gruppe aus den Reihen der Landsmannschaft der Oberschlesier, Nachkommen der schlesischen Auswanderer aus den USA.

 

D.Sp.