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Oberschlesiens Wahrzeichen in Posen Eine kurze Geschichte des „Oberschlesischen Turms“
Wenn man den Hauptbahnhof in Posen verlässt, dann wird sofort der neue Messepavillon Nr. 11 sichtbar. „Iglica“, heißt im Polnischen der markante Pavillon am Messegelände Posen. „Iglica“ bedeutet im Polnischen einfach ein Spitzturm. Doch kaum jemand weiß sich noch zu erinnern, dass dort seit 1911 der „Oberschlesische Turm“ stand, der auch nach 1918 im Polnischen als „Wieza Górnoslaska“ – also „Oberschlesischer Turm“ – bezeichnet wurde. Doch wie kommt ein Bau namens „Oberschlesischer Turm“ ausgerechnet nach Posen? – eine berechtigte Frage! Posen war immer eine bedeutende Messestadt, früher als Ausstellungsstadt bezeichnet, gewesen. Als solche Ausstellungsstadt richtete Posen im Jahr 1911 die „Ostdeutsche Ausstellung für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft“ aus. Hier wollte eben Oberschlesien auf eine würdige und eindruckvolle Art und Weise vertreten sein, um so den einstigen industriellen Aufschwung zu präsentieren. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten und Bedenken beschloss man 1910 die Repräsentanz Oberschlesiens bei der für 1911 geplanten Ausstellung. Schon Mitte 1910 konnte ein Turmprojekt als Ausstellungsraum gezeigt werden. Es wäre natürlich unmöglich gewesen, diesen auf eine halbe Million Reichsmark veranschlagten Bau lediglich für eine kurze Ausstellungsdauer zu errichten. Der Umstand, dass die damals aufblühende Stadt Posen in nächster Zeit einen neuen Wasserturm und eine neue Markthalle benötigte, legte den Gedanken nahe, die oberschlesische Ausstellung in einem gesonderten Raum zu veranstalten und diesen so zu gestalten, dass er später zu dem genannten Zweck nutzbar gemacht werden konnte. Die Lösung des Problems ist dem damaligen Direktor der Breslauer Königlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe, dem bekannten Professor Poelzig, in glänzender Weise gelungen. Doch mit der Anfertigung des Projektes waren die Schwierigkeiten noch keineswegs beseitigt. Dies trat erst ein, als eine große Zahl von oberschlesischen Interessenten durch Zeichnung namhafter Garantiesummen es ermöglichte, der Stadt Posen den Bau zu einem günstigen Preis anzubieten. Die Initiative für die Lösung der Frage ging aus von fünf Werken: - Oberschlesische Eisenbahn- Bedarfs-Aktien-Gesellschaft, Friedenshütte – Gleiwitz, - Oberschlesische Einsen-Industrie-Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, Gleiwitz, - Donnersmarckhütte Oberschlesische Eisen- und Kohlenwerke Aktiengesellschaft Zabrze (später Hindenburg OS), - Bismarckhütte in Bismarckhütte OS, - Georg von Giesche´s Erben, Zalenze. In kürzester Zeit schlossen sich diesem Vorhaben weitere kleine und große Unternehmen, darunter auch Banken, nicht nur aus ganz Schlesien, sondern Berlin an. Die nötigen Mittel konnten waren somit vorhanden und man konnte mit der Stadt Posen eine Verständigung erreichen. Die Ausführung des Baus wurde der Donnersmarckhütte-Aktien-Gesellschaft in Zabrze (Hindenburg OS) übertragen. Obwohl erst am 15.09.1910 der erste Spatenstich erfolgt war, konnte bereits am 10.02.1911 das Richtfest gefeiert werden. Eine glänzende Leistung der oberschlesischen Ingenieurkunst, der oberschlesischen Industrie im Allgemeinen und der Donnersmarckhütte im Besonderen. Für die Anordnung der Plätze bot die Form des Baues mancherlei Schwierigkeiten. Von vorneherein war es gegeben, dass im Erdgeschoss die Erzeugnisse der Schwerindustrie, auf einer neun Meter höher liegenden Empore diejenigen der anderen Industrien Oberschlesiens präsentiert werden. Um ein möglichst harmonisches Bild der Gesamtausstellung zu erzielen, hatte Professor Poelzig sämtlichen Ausstellern seinen Rat für die Ausstellung ihrer Gegenstände zur Verfügung gestellt. Ebenso hat er das Arrangement des in der Kuppel befindlichen Restaurants geleitet. Besonders dankenswert war es, dass die größeren oberschlesischen Werke Ölgemälde oberschlesischer Arbeitsstätten und Landschaften durch namhafte Künstler der Breslauer Kunstakademie anfertigen ließen und diese zur Ausschmückung der Wände des Restaurants bestimmten. Schon von der Bahn aus begrüßte einst der „Oberschlesische Turm“ die Gäste Posens, der in kaum zehn Minuten vom Hauptbahnhof entfernt gelegen war. Auf einer Grundfläche, die ein Sechzehneck von 58 m Durchmesser bildete, erhob sich der Turm zu einer Höhe von 52 m über dem Boden. Der untere Raum besaß eine Grundfläche von 2.642 qm, wovon 38,5 qm auf Treppen und einen Aufzugschacht entfallen waren. Die Empore, die sich auf einer Höhe von 9 m befand, hatte eine Grundfläche von 1.280 qm. In einer Höhe von 23 m befand sich ein Innenumgang durch den Turm, der durch eine Brücke mit der Wendeltreppe verbunden war, die um den Aufzugschacht zum Turm-Restaurant führte. Dieses Restaurant, in 34 m Höhe gelegen, hatte einen 30 m äußeren Durchmesser und gewährte 600 Personen einen angenehmen Aufenthalt. Der elektrische Aufzug befand sich in einem Schacht von 3 m Durchmesser und fasste zehn Personen, die direkt vom Boden ins Restaurant befördert werden konnten. Für den Bau wurden ca. 1.500 Tonnen Eisen von den oberschlesischen Werken geliefert. Für Oberschlesiens Industrie war der Turm nicht nur ein vergänglicher Augenblickerfolg, sondern ein dauerhaftes – über mehrere Jahrzehnte hinweg – Wahrzeichen der einstigen eigenen Leistungsfähigkeit, da nach der Ausstellung das Restaurant durch ein Wasserbehälter von 4.000 cbm Inhalt ersetzt wurde, um praktischen Aufgaben zu dienen: Wasserturm und Markthalle für Posen zu sein. Doch auch dieses Wahrzeichen Oberschlesiens in Posen gehört schon der Vergangenheit an, es sollte aber nicht vergessen sein.
Damian Spielvogel
Der neue moderne Spitzturm (die sog. „iglica“) am Messegelände Posen
Der „Oberschlesische Turm“ auf einer alten Postkarte
Der „Oberschlesische Turm“ auf einer zeitgenossischen Bildaufnahme
Innenansicht „Oberschlesische Turm“
Wandbild „Carmerschacht am Gieschewald“ im „Oberschlesischen Turm“ von Hans Rossmann
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