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Abstimmungsadler

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Abstimmungskarte

Abstimmungsplakat
Oberschlesier 1921
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20. März 1921
Die
Volksabstimmung in Oberschlesien
Schon während
des Krieges setzte unter den in Oberschlesien lebenden polnischen
Arbeitern eine lebhafte Propaganda für die Trennung Oberschlesiens vom
Deutschen Reich und für eine Vereinigung mit dem wieder entstehenden
Polen ein. Erste Keime eines polnischen Nationalismus in Oberschlesien
entstanden um die Jahrhundertwende, als man etwa 70 000 Polen aus
Galizien und Kongresspolen als billige Arbeitskräfte in das
oberschlesische Industriegebiet holte. In fast allen Landkreisen und
größeren Städten entstanden eine Reihe polnischer Vereine, die zwar
angaben, apolitische Ziele zu verfolgen, jedoch für eine bisher in
Oberschlesien unbekannte polnische Idee warben. Die sich
herausbildende Intelligenzschicht der zugewanderten Polen, bestehend
aus Ärzten, Rechtsanwälten, Kaufleuten und katholischen Geistlichen,
hatten sich zum Ziel gesetzt nicht nur polnisch-nationales
Gedankengut zu verbreiten, sondern auch Oberschlesien von Deutschland
zu lösen. Diese Agitation verstärkte sich nach dem Ausgang des Ersten
Weltkrieges, als 1919 polnische Politiker Ansprüche auf deutsches
Staatsgebiet stellten, gestützt auf die berühmten 14 Punkte des
US-Präsidenten Wilson.
Das besiegte Deutschland hatte sich durch einen selbstvernichtenden
Parteienstreit handlungsunfähig gemacht und schenkte Oberschlesiens
kaum Beachtung.
Am 07. Mai 1919 übergab der
französische Ministerpräsident Clémencau der deutschen Delegation in
Versailles die Friedensbedingungen: „Polen erhält ganz Oberschlesien
mit einigen Gebieten Mittelschlesiens, die Provinz Posen und Teile von
Westpreußen mit Danzig sowie von der Provinz Ostpreußen den Kreis
Soldau“. Das Hultschiner Ländchen sollte der Tschechoslowakei
zugesprochen werden.
In Abwehr der immer lauter werdenden polnischen Annexionsansprüche
schloss sich auf Initiative der Industrie- und Handelskammer 1919 die
deutsche Bevölkerung in der „Freien Vereinigung zum Schutze
Oberschlesiens“ und später im „Verband Heimattreuer Oberschlesier“
zusammen. Ein Sturm der Empörung und Entrüstung war die mutige Antwort
der Oberschlesier auf die polnischen Ansprüche. Allerorts fanden
Protestkundgebungen statt: An der Kundgebung in Oppeln beteiligten
sich über 20 000 Menschen, die vornehmlich von den Arbeitnehmern
geprägte Kundgebung in Kattowitz beeindruckte selbst die anwesenden
amerikanischen und englischen Militärs und Journalisten. Die
unerwartete starke Abwehr der alteingesessenen deutschen Bevölkerung
gegen die beabsichtigte Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der
Völker veranlasste die Siegermächte zur Durchführung einer
Volksabstimmung in Oberschlesien.
Der scharfen Reaktion der Deutschen auf die Wahrung des
Selbstbestimmungsrechts blieb die polnische Bewegung nichts schuldig.
Polnische bewaffneten Gruppen, unter Führung des von der polnischen
Minderheit gewählten ehemaligen Mitglieds des Deutschen Reichstages
Wojciech (Albert) Korfanty begannen die deutsche Bevölkerung durch
Terror und leere Versprechungen, die sehr oft auch von den Kanzel
verkündet wurden, für die polnische Sache zu gewinnen. Um die
beabsichtigte Abstimmung durch vollendete Tatsachen unmöglich zu
machen, wurde in der Nacht vom 16./17. August 1919 der „erste
polnische Aufstand“ – auch „Überfall“ genannt – ausgerufen. Dieser
wurde bis zum 25. August 1919 vor allem durch den deutschen
Grenzschutz und von der Reichswehr niedergeschlagen. Am 11. Februar
1920 wurde die Verwaltungsmacht in Oberschlesien, das am 08. November
1919 zu einer selbständigen Provinz erklärt wurde, der
„Interalliierten Kommission für Regierung und Abstimmung“ übertragen.
Die Reichswehr musste das Abstimmungsgebiet räumen, die Polizei wurde
in Abstimmungspolizei („Apo“) umorganisiert, das Abstimmungsgebiet vom
übrigen Reichsgebiet abgeriegelt, wobei es gegenüber Polen offen
blieb.
. Mit stiller Duldung der
französischen Besatzungsmacht, die Engländer und Italiener verhielten
sich neutral, übten polnische Insurgenten Gewalttaten aus. Vor den
Augen der alliierten Besatzungsmacht brach am 20. August 1920 der
zweite polnische Aufstand aus. Ziel dieser bewaffneten Einmischung war
die deutschen Organisationen zu zerschlagen, die Abstimmungspolizei zu
entwaffnen und polnische Bürgerwehren einzusetzen und
Nationalitätenhass zu schüren und die deutsche Bevölkerung
einzuschüchtern. Es war auch ein Schlag gegen die Autorität der
Besatzungsmacht, die für eine „Ära der Gerechtigkeit und Freiheit“
stand. Der Aufstand scheiterte jedoch am Widerstand der inzwischen
gebildeten deutschen Selbstschutzverbände. Der hierdurch massiv
erzeugte Druck machte sich besonders in der ländlichen Gegend
bemerkbar. Zu allem Übel wurde die deutsche Sicherheitspolizei, die
während dieser Auseinandersetzung einen heldenhaften Widerstand
leistete, am 24. August 1920 aufgelöst und die entwaffneten
Angehörigen in Reichsinnere abgeschoben. Am 12. November 1920 erging
eine Amnestie für alle polnischen Aufstandsbeteiligten, ohne dass die
begangenen Gewalttaten geahndet wurden.
Am 23. Februar 1921 legte man den
Termin der Volksabstimmung auf den 20. März 1921 fest. Die Abstimmung
war ein Erfolg für die deutsche Seite: 60 Prozent stimmten für
Deutschland und 40 Prozent für Polen. Die Behauptung vom polnischen
Charakter Oberschlesien wurde widerlegt.
Nach dem für Polen ungünstigen
Abstimmungsergebnis forderte der Agitator Korfanty seine polnische
Gefolgschaft auf, Oberschlesien mit Waffengewalt zu besetzen. In der
Nacht vom 2. zum 3. Mai 1921, dem polnischen Nationalfeiertag, wurde
der dritte, sehr gut vorbereitete, Aufstand ausgerufen. Planmäßiger
Terror, Morde, Brandstiftungen, Bombenattentate, Erpressungen und
brutale Misshandlungen kennzeichneten diesen Überfall. Am 21. Mai 1921
erstürmte der deutsche Selbstschutz den Annaberg. Die am 26. Mai 1921
eingetroffenen englischen Truppen erzwangen einen Waffenstillstand.
Mit dem Genfer Schiedsspruch und dem Beschluss der Pariser
Botschafterkonferenz vom 20. Oktober 1921 wurde die Teilung
Oberschlesien festgesetzt und am 15. Mai 1922 durch das Genfer
Abkommen für Oberschlesien beschlossen. Es war eine arge Enttäuschung
für das ganze deutsche Volk, besonders aber für die Oberschlesier. Am
15. Juni 1922 wurde die neue Grenze mitten durch das oberschlesische
Land gezogen. Die Entscheidung und die Grenzziehung widersprachen
jeglichem Rechtsempfinden, jeder realen Auslegung des Rechtes auf
Selbstbestimmung der Völker, es war eine Kapitulation der
internationalen Wertegemeinschaft vor dem Nationalismus.
Oberschlesien und der deutsche
Osten erhielt seine „blutende Grenze“. Oberschlesien wurde zum „Land
unterm Kreuz“.
Am 30. Mai 1922 legte der Deutsche
Reichstag in einer Sondersitzung durch den Reichsminister Schiffer
„Rechtsverwahrung gegen die Entscheidung über Oberschlesien“ ein. Der
oberschlesische Abgeordnete, Thomas Szczeponik, stellte in aller
Deutlichkeit fest: „Der Völkerbundsrat hat den Willen der deutschen
Mehrheit missachtet und den lebenden Organismus Oberschlesiens
zerrissen. Über 400 000 deutsch fühlende Bewohner werden durch die
willkürlich gezogene Grenze zu polnischen Staatsbürgern gemacht. Wir
werden unsere staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen, aber unser
deutsches Volkstum werden wir nicht aufgeben. Unsere Zugehörigkeit
kann uns kein Machtspruch aus dem Herzen reißen.“
Damian Spielvogel
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