BRUNO
KOSAK
Fraktionsvorsitzender der Deutschen Liste im
Sejmik von Oppeln
Politische
Hauptkundgebung
Sonntag, 03.07.2005
11.30 Uhr
Frankenhalle (Nürnberg Messe)
Es gilt das gesprochene Wort
(Sperrfrist: Sonntag, 03.07.2005, 11.30 Uhr)
Liebe Landsleute!
Zum diesjährigen Deutschlandtreffen der Schlesier, überbringe ich Ihnen das Glockengeläut von St. Annaberg und den Wind von den Tälern, weiten Höhen und schönen, grünen Wäldern unserer Heimat Schlesien mit.
Ich überbringe Ihnen auch die herzlichsten Grüße, der in der Heimat verbliebenen Schlesier mit, die gerne hier nach Nürnberg mit uns zusammen gekommen wären, was leider aus verschiedenen uns allen bekannten Gründen heute zu Tage nicht mehr möglich ist.
Schlesien grüßt Sie, sehr geehrte Damen und Herren!
Nach vielen Jahren ist es endlich so weit! Unsere gemeinsame Heimat Schlesien ist in die offene Arme Europas zurückgekehrt. Vor einem Jahr ist Polen mit neun anderen Staaten in die Europäische Union aufgenommen worden. Heute stellen wir uns die Frage, inwieweit sich die Ängste und Hoffnungen der EU - Mitgliedschaft bestätigt haben. Nach einem Jahr können wir viel mehr als erhofft, positive Beispiele bestätigen, vor allem im Bereich der Agrarpolitik.
Einige Probleme sind leider nicht gelöst worden, besonders die, die mit uns, der deutschen Volksgruppe, verbunden sind.
Wir Deutsche in Schlesien
sind weiterhin unseren Problemen überlassen. Wie lange noch? So lange,
sehr geehrte Damen und Herren, bis sich der Bundeskanzler und seine Regierung
der Obhutspflicht nicht bewusst sein werden, was die Gesamtheit für das
deutsche Volk, also auch für die Deutschen, die jenseits der staatlichen
Grenzen leben, bedeutet.
Am 30. April haben die Regierungen Deutschlands und Polens in Berlin das "Deutsch
- Polnische Jahr" eingeläutet.
60. Jahre nach dem Kriegsende wollen oder sollen sich Polen und Deutsche endlich näher kommen. Wie oft vergisst man, dass eine Nachbarschafts- und Verständigungspolitik von unten aufgebaut werden muss. Man sollte sich also nicht wundern, wenn die Lautstärke des doch so wichtigen Ereignisses sehr abnimmt, je größer die Entfernung von den Hauptstädten ist. Sprichwörtlich sagt man aber "Jeder Anfang ist schwer", und da das "Deutsch - Polnische Jahr" erst im Anlauf ist, sind wir fest davon überzeugt, dass sich noch vieles zum Positiven entwickeln wird.
Wir hoffen zum Beispiel, dass wir, 60 Jahre nach Kriegsende, die Möglichkeit haben werden, unsere im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten als "Gefallene" bezeichnen können, etwa so, wie es vor einigen Tagen auf dem polnischen Soldatenfriedhof in Lemberg in der Ukraine geschah.
2006 werden weitere fünf Jahre von den insgesamt 15 Jahren nach der Unterzeichnung des Deutsch - Polnischen Vertrages über "Gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit" vergehen. Wir erwarten eine grundsätzliche Analyse des Vertrages, da nach unseren Feststellungen, die Verpflichtungen der Vertragsparteien in vielen Bereichen ein Wunschkonzert geblieben ist. Wir möchten den Verantwortlichen besonders ans Herz legen, um zu erörtern, wie man die geschichtlichen deutschen Orte, Kulturgüter, die von historischen Ereignissen, sowie kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen und Tradition zeugen - laut Vertrag - unter besonderer Obhut stehen. Wir möchten zum Beispiel erfahren, ob Fritz Haber, der schlesische Nobelpreisträger ein Kriegsverbrecher war oder nicht?
Das diesjährige Deutschlandtreffen der Schlesier findet in einem für uns Deutsche in Schlesien besonderem Jahr statt.
Das im Dezember 2004 verabschiedete Minderheitengesetz ist im Frühjahr dieses Jahres in Kraft getreten, was nach 15 Jahren Wartezeit für uns besonders erfreulich ist. Es bleibt zu erhoffen, dass die Fülle von bürokratischen Prozeduren, deren Erfüllung das Gesetz vorschreibt möglichst bald überwunden wird. Wenig optimistisch klingen leider Aussagen von Vertretern einiger Parteien, die im polnischen Sejm nach den diesjährigen Wahlen das Sagen haben werden, dass das Minderheitengesetz zu großzügig ist und Minderheiten unnötig favorisiert.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!
In diesem Jahr ist der große Papst Johannes Paul II. in das Himmelsreich Gottes heimgerufen worden, ein Papst der unserem Erzbischof Alfons Nossol bei der Einführung der deutschen Gottesdienste immer zur Seite stand. Die Wahl des deutschen Kardinals Josef Ratzinger auf den Petri - Stuhl war für uns Schlesier besonders erfreulich. Papst Benedikt XVI. besuchte noch als Kardinal mehrmals unsere schlesische Heimat und betete u.a. bei einer Männerwahlfahrt auf dem St. Annaberg gemeinsam mit uns.
Liebe Landsleute!
Das Jahr 2005 wird uns allen sowohl in Polen als auch in Deutschland noch weitere politische Ereignisse bringen. Damit meine ich hauptsächlich die Wahlen. Wir hoffen und wünschen uns allen ein erfreuliches Wahlergebnis. Ich bin überzeugt, dass die hier Anwesenden dazu beitragen werden!
Wir hoffen auch, dass die 100.000 unserer Landsleute, die hier in Deutschland ihr Geld verdienen müssen, den Pflichten gegenüber der Heimat Schlesien nachkommen werden und am 25. September in Schlesien die deutsche Volksgruppe mit ihrer Wählerstimme unterstützen werden!
Schlesien - Heimat in Europa - für dich schlagen tausende Herzen der hier Anwesenden, für dich schlagen tausende Herzen derer, die fern von uns, jedoch geistig mit uns verbunden sind!
Schlesien GLÜCK AUF!