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Grußwort
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Grußwort von Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, zum Deutschlandtreffen der Schlesier 2007 Schlesien war stets eine europäische Grenzregion unter dem Einfluss vieler Kulturen. Über Jahrhunderte hinweg lebten deutsche Siedler, polnische Bauern und galizische Händler weitgehend friedlich miteinander und haben diese Landschaft zu bedeutender Blüte geführt. Dass nach dem Zweiten Weltkrieg die gesamte deutsche Bevölkerung vertrieben wurde, gehört zu den Tragödien des 20. Jahrhunderts, die allerdings nicht wie ein unabwendbares Naturereignis über die Menschen gekommen ist. Diese Tragödie hat klar benennbare Ursachen, die ohne den nationalsozialistischen Terror nicht zu verstehen sind. Der deutsche Angriffskrieg war ein Krieg, der letztlich auf die Deutschen zurückschlug. Millionen verloren ihren Besitz, ihre Heimat und mussten sich ein neues Leben aufbauen. Viele Schlesier haben dies alles leidvoll erfahren müssen. Das Deutschlandtreffen der Schlesier ist traditionell Anlass, an die Vergangenheit zu erinnern, aber es ist auch Gelegenheit, nach vorne zu schauen. Wir müssen uns darum bemühen, die Geschichte aufzuarbeiten und aus dem friedlichen Nebeneinander immer stärker zu einem freundschaftlichen Miteinander von Polen und Deutschen zu gelangen - in Kenntnis dessen, was geschehen ist. Die heimatvertriebenen Schlesier haben sich trotz des vielfachen persönlichen Leids schon bald nach dem Ende des Weltkrieges um Aussöhnung mit den Nachbarn in Polen bemüht. Das Pflänzchen der Aussöhnung ist zart und zerbrechlich - aber es wächst. Und es führt auch in Polen bei vielen Menschen durchaus zu neuer Nachdenklichkeit darüber, ob nicht Menschen, die aus Schlesien vertrieben wurden, weil sie Deutsche waren, auch unter moralischen Gesichtspunkten Unrecht geschah. Und ob nicht Menschen individuell Unrecht geschah, weil sie kollektiv für die Schuld anderer büßen mussten. Die Präsidien der beiden Parlamente in Deutschland und Polen haben vereinbart, sich den konkreten Erfahrungen in der wechselhaften Geschichte unserer beiden Länder gemeinsam zu widmen und damit einen Beitrag zum Verständnis und zur Versöhnung zu leisten. Die Vertriebenen bewahren das reiche kulturelle Erbe Schlesiens. Und sie tragen dazu bei, dass die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft gelingt, dass es gelingt, eine Brücke zwischen den Völkern zu bauen. Daran weiter mitzuarbeiten, bitte ich Sie alle herzlich.
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