Laudatio auf Weihbischof
Gerhard Pieschl
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für Flüchtlings- und Vertriebenenseelsorge
Peter Großpietsch, stellv. Bundesvorsitzender
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien
Die Heimatvertriebenen sind auf eine neue Art
„heimatlos“ geworden: Politisch haben sie kaum
noch eine Lobby; in keiner demokratischen Partei
werden die Interessen der Heimatvertriebenen
vertreten. Das schmerzt, vor allem, wenn man die
Aufbauarbeit der Heimatvertriebenen bedenkt.
Es scheint, daß vielen offensichtlich nicht klar ist,
was sie den Heimatvertriebenen - und sich damit
auch - zumuten: Nach dem Verlust der Heimat
folgen nun das Verschweigen und der Rechtsver-
lust. Dabei geht es den Heimatvertriebenen mit
der Forderung nach einem Recht auf die Heimat
nicht darum, krampfhaft eine Wunde offenzuhalten,
es geht ihnen vielmehr darum, Vertreibung als
politisches Mittel zu ächten, damit künftigen
Generationen das Schicksal der Vertreibung
erspart bleibt. Es ist merkwürdig, daß deutsche
Politiker für das Recht auf die Heimat im Kosovo
politisch und sogar militärisch eintreten, für
die Rechte der deutschen Heimatvertriebenen
aber nicht.
Autor: Weihbischof Gerhard Pieschl,
aus: Grußwort „50 Jahre Grafschafter Bote“
Verehrter Weihbischof Pieschl, liebe
Landsleute, verehrte Gäste!
Es ist für mich hier und heute,
61 bzw. 62 Jahre nach der Vertreibung, anlässlich des Stammesfestes
der Schlesier, eine große Freude und Ehre, die Laudatio auf den
Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen-
und Aussiedlerseelsorge zu halten.
In Ihrem herausragenden Amt,
verehrter Weihbischof, sind Sie kraft unseres gemeinsamen
Schicksals, Ihres Mutes vor Königsthronen, Ihrer patriotischen
Einstellung zu Volk und Vaterland sowie aufgrund Ihrer Liebe und
Ihres Bekenntnisses zur Abstammung und zu den Wurzeln prädestiniert,
heute die höchste Auszeichnung, die der Stamm der Schlesier zu
vergeben hat, in Empfang zu nehmen.
Deshalb überreiche ich Ihnen
zunächst eine schlesische Fahne als Dank für Ihr Vorbild an
Heimattreue.
Mit einer solchen schlesischen
Fahne eroberte die einzige schlesische Kompanie des Bayerischen
Freicorps Oberland am 21. Mai 1921 den Annaberg in Oberschlesien und
vertrieb die eingefallenen polnischen Insurgenten vom heiligen Berg
Oberschlesiens.
Stichwort Annaberg: Heute
erinnert niemand mehr in Deutschland an diese patriotische Tat,
nein, schlimmer noch, man schämt sich ihrer.
In Kenntnis der letzten
Verlautbarungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum
„Zentrum gegen Vertreibungen“ und zur „Preußischen Treuhand“ können
wir nur ahnen, welch schweres Amt auch innerkirchlich auf Ihren
Schultern lastet.
Um so mehr schätzen und
anerkennen wir Ihr Eintreten für verfassungsrechtlich abgesicherte
Grundfreiheiten und demokratische Selbstverständlichkeiten der
vertriebenen Landsleute. Gäbe es nicht Sie und unsere Visitatoren,
manch einer von uns wäre längst an unserer Kirche verzweifelt.
Mit Entschiedenheit und
Augenmaß vertreten Sie - ob gelegen oder ungelegen - die Interessen
der deutschen Heimatvertriebenen in Wort und Schrift. Geradezu
gespannt und mit Freude und großer Genugtuung blicken wir jeweils in
die „Frankfurter Allgemeine“, wenn es Ihnen wieder einmal gelungen
ist, Zeitgeist und politische Korrektheit gerade zu rücken und der
historischen Wahrheit die Ehre zu geben.
Simon Wiesenthal wurde kurz vor
seinem Tod gefragt, was ihn getrieben habe.
Antwort: Nicht Rache und
Vergeltung!
Nein, ich wollte Gerechtigkeit
und historische Wahrheit für mein Volk.
Sehr verehrter Herr
Weihbischof, dies sind auch Ihre Motive, eigentlich
selbstverständliche, auch dafür haben wir zu danken.
Nie lassen Sie nach, wenn es
gilt, „dicke Bretter zu bohren“, auftretende Schwierigkeiten
beantworten Sie mit Visionen und dem zeitlos gültigen Hinweis, daß
nichts stillsteht, sondern erst der Prozess ständiger Wandlung, für
den es einzutreten gelte, positive Fortschritte bei der Durchsetzung
der Rechte der deutschen Heimatvertriebenen geben könne.
Für diese Worte,
standpunktgetreu und überzeugend, und diesen Trost sind wir Ihnen,
verehrter Weihbischof, unendlich dankbar.
Gemeinsam ist Ihnen und mir die
große Verehrung gegenüber Prälat Prof. Dr. Franz Scholz und seinem
wissenschaftlichen und literarischen Nachlass.
Dankbar bin ich Ihnen, daß Sie
mir stets Mut gemacht haben, die Werke von Prälat Scholz neu
aufzulegen, was in diesen Tagen mit dem
-
Görlitzer Tagebuch und
-
Kollektivschuld und Vertreibung
geschehen ist.
Insofern hat Prälat Scholz,
und insofern haben auch wir, es sei mir gestattet, an Ihre „Worte
des Gedenkens“ anlässlich der Beisetzung dieses großen Schlesiers zu
erinnern, in Ihnen einen „Wächter“ gefunden, der mit Geduld,
Beharrlichkeit und Zuversicht die Interessen der deutschen
Heimatvertriebenen wahrnimmt und für ihre Identität und das durch
das gesamte deutsche Volk zu pflegende Kulturerbe eintritt.
Verehrter Weihbischof Pieschl,
Sie sind durch Ihr Beispiel, Ihr Bekenntnis und Ihr Engagement zum
besonderen Anwalt der ostdeutschen Landsleute geworden; Sie haben
sich wahrlich um Schlesien und den historischen deutschen Osten
verdient gemacht.
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