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Reden zum Deutschlandtreffen 2007

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Laudatio auf Weihbischof Gerhard Pieschl

Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlings- und Vertriebenenseelsorge

 

Peter Großpietsch, stellv. Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien

 

Die Heimatvertriebenen  sind auf eine neue Art

„heimatlos“ geworden: Politisch haben sie kaum

noch eine Lobby; in keiner demokratischen Partei

werden die Interessen der Heimatvertriebenen

vertreten. Das schmerzt, vor allem, wenn man die

Aufbauarbeit der Heimatvertriebenen bedenkt.

Es scheint, daß vielen offensichtlich nicht klar ist,

was sie den Heimatvertriebenen - und sich damit

auch - zumuten: Nach dem Verlust der Heimat

folgen nun das Verschweigen und der Rechtsver-

lust. Dabei geht es den Heimatvertriebenen mit

der Forderung nach einem Recht auf die Heimat

nicht darum, krampfhaft eine Wunde offenzuhalten,

es geht ihnen vielmehr darum, Vertreibung als

politisches Mittel zu ächten, damit künftigen

Generationen das Schicksal der Vertreibung

erspart bleibt. Es ist merkwürdig, daß deutsche

Politiker für das Recht auf die Heimat im Kosovo

politisch und sogar militärisch eintreten, für

die Rechte der deutschen Heimatvertriebenen

aber nicht.

Autor: Weihbischof Gerhard Pieschl,

aus: Grußwort „50 Jahre Grafschafter Bote“

 

Verehrter Weihbischof Pieschl, liebe Landsleute, verehrte Gäste!

Es ist für mich hier und heute, 61 bzw. 62 Jahre nach der Vertreibung, anlässlich des Stammesfestes der Schlesier, eine große Freude und Ehre, die Laudatio auf den Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge zu halten.

In Ihrem herausragenden Amt, verehrter Weihbischof, sind Sie kraft unseres gemeinsamen Schicksals, Ihres Mutes vor Königsthronen, Ihrer patriotischen Einstellung zu Volk und Vaterland sowie aufgrund Ihrer Liebe und Ihres Bekenntnisses zur Abstammung und zu den Wurzeln prädestiniert, heute die höchste Auszeichnung, die der Stamm der Schlesier zu vergeben hat, in Empfang zu nehmen.

Deshalb überreiche ich Ihnen zunächst eine schlesische Fahne als Dank für Ihr Vorbild an Heimattreue.

Mit einer solchen schlesischen Fahne eroberte die einzige schlesische Kompanie des Bayerischen Freicorps Oberland am 21. Mai 1921 den Annaberg in Oberschlesien und vertrieb die eingefallenen polnischen Insurgenten vom heiligen Berg Oberschlesiens.

Stichwort Annaberg: Heute erinnert niemand mehr in Deutschland an diese patriotische Tat, nein, schlimmer noch, man schämt sich ihrer. 

In Kenntnis der letzten Verlautbarungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum „Zentrum gegen Vertreibungen“ und zur „Preußischen Treuhand“ können wir nur ahnen, welch schweres Amt auch innerkirchlich auf Ihren Schultern lastet.

Um so mehr schätzen und anerkennen wir Ihr Eintreten für verfassungsrechtlich abgesicherte Grundfreiheiten und demokratische Selbstverständlichkeiten der vertriebenen Landsleute. Gäbe es nicht Sie und unsere Visitatoren, manch einer von uns wäre längst an unserer Kirche verzweifelt.

Mit Entschiedenheit und Augenmaß vertreten Sie - ob gelegen oder ungelegen - die Interessen der deutschen Heimatvertriebenen in Wort und Schrift. Geradezu gespannt und mit Freude und großer Genugtuung blicken wir jeweils in die „Frankfurter Allgemeine“, wenn es Ihnen wieder einmal gelungen ist, Zeitgeist und politische Korrektheit gerade zu rücken und der historischen Wahrheit die Ehre zu geben.

Simon Wiesenthal wurde kurz vor seinem Tod gefragt, was ihn getrieben habe.

Antwort: Nicht Rache und Vergeltung!

Nein, ich wollte Gerechtigkeit und historische Wahrheit für mein Volk.

Sehr verehrter Herr Weihbischof, dies sind auch Ihre Motive, eigentlich selbstverständliche, auch dafür haben wir zu danken.

Nie lassen Sie nach, wenn es gilt, „dicke Bretter zu bohren“, auftretende Schwierigkeiten beantworten Sie mit Visionen und dem zeitlos gültigen Hinweis, daß nichts stillsteht, sondern erst der Prozess ständiger Wandlung, für den es einzutreten gelte, positive Fortschritte bei der Durchsetzung der Rechte der deutschen Heimatvertriebenen geben könne.

Für diese Worte, standpunktgetreu und überzeugend, und diesen Trost sind wir Ihnen, verehrter Weihbischof, unendlich dankbar.

Gemeinsam ist Ihnen und mir die große Verehrung gegenüber Prälat Prof. Dr. Franz Scholz und seinem wissenschaftlichen und literarischen Nachlass.

Dankbar bin ich Ihnen, daß Sie mir stets Mut gemacht haben, die Werke von Prälat Scholz neu aufzulegen, was in diesen Tagen mit dem

- Görlitzer Tagebuch und

- Kollektivschuld und Vertreibung

geschehen ist.

Insofern hat Prälat Scholz,  und insofern haben auch wir, es sei mir gestattet, an Ihre „Worte des Gedenkens“ anlässlich der Beisetzung dieses großen Schlesiers zu erinnern, in Ihnen einen „Wächter“ gefunden, der mit Geduld, Beharrlichkeit und Zuversicht die Interessen der deutschen Heimatvertriebenen wahrnimmt und für ihre Identität und das durch das gesamte deutsche Volk zu pflegende Kulturerbe eintritt.

Verehrter Weihbischof Pieschl, Sie sind durch Ihr Beispiel, Ihr Bekenntnis und Ihr Engagement zum besonderen Anwalt der ostdeutschen Landsleute geworden; Sie haben sich wahrlich um Schlesien und den historischen deutschen Osten verdient gemacht.                          


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