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Grußwort/Rede des Bürgermeisters Strauch (Hannover)

  

Anrede

Meine sehr verehrten Damen und Herren.

Ich darf Sie zunächst im Namen des Oberbürgermeisters und der 514 302 Einwohnerinnen und Einwohner in der Landeshauptstadt Niedersachsen herzlich willkommen heißen.

Das erste Schlesiertreffen in Hannover hat am 24.06.1952 stattgefunden und ich will zugeben, dass ich als gebürtiger Hannoveraner erst in vielen persönlichen Gesprächen, die ich den letzten zehn Jahren als Bürgermeister dieser Stadt hatte, intensiver mit dem Phänomen:

„Seine Heimat verloren zu haben“ –

„Vertrieben zu sein“ auseinander setzte.

Wie vielleicht in den Städten und Gemeinden, aus denen Sie gerade kommen, gratulieren der Oberbürgermeister bzw. der Bürgermeister hoch betagten Menschen zu ihren Geburtstagen. Das beginnt in Hannover , weil wir inzwischen viele ältere Menschen haben, mit dem 95. Lebensjahr. (Im übrigen der älteste Einwohner der Stadt ist  107 Jahre alt). Und wenn man sich einmal mehr als fünf Minuten Zeit nimmt, also auch ein wenig auf die Lebensgeschichte der Menschen eingeht, kann man sehr viel über den Betreffenden und seine Familie erfahren.

Die Generation, die dies betrifft, berichtet dann im wesentlichen, so sie aus Hannover stammen, über die Bombennächte in der Stadt, die Männer über ihren Einsatz als Soldaten und die dritte Gruppe sind die Menschen, die aufgrund von Flucht und Vertreibung „Hannoveraner“ geworden sind.

Meine Erfahrungen aus diesen Gesprächen sind im wesentlichen:

  1. Die Erlebnisse, die Flucht und Vertreibung aber auch persönliche Erinnerungen an das ursprüngliche Zuhause, haben tiefste – bei weitem nicht wirklich verarbeitete Spuren hinterlassen. Auf meine Nachfragen, ob sie denn einmal ihre alte Heimat besucht hätten, habe ich häufig die Antwort bekommen, dass man sich dies nicht antun möchte. Andere waren zu Besuch in Schlesien und sehr unterschiedliche Erlebnisse, von Enttäuschungen bis hin zu tiefer Traurigkeit.
  2. Es gibt einen besonderen Zusammenhalt in den Familien und es gibt eine Weitergabe von Geschichte, Geschichten und Kultur.
  3. Es war für die meisten überhaupt nicht einfach, unabhängig von der ungeklärten Situation, mit den Einheimischen, die ja selbst vom Krieg betroffen waren, zurecht zu kommen. Mein Vater erzählte mir früher, was es bedeutete, wenn er „Quartier machen musste“ und bei unseren Landwirten in der Umgebung von Hannover nach Unterkunft fragte.
  4. Es aber heute gar keine Frage gibt, gut 1/3 aller Menschen, die Hannover wieder mit aufgebaut haben, waren oder sind Menschen, die im Osten ihre Heimat verloren hatten.

Sind aber – und darüber sind wir natürlich froh, sich inzwischen nicht nur zu Hannover bekennen, sondern echte Hannoveraner geworden sind, ohne ihre ursprüngliche Heimat zu verleugnen.

Das geht meine Damen und Herren im übrigen allen Hamburgern, allen Berlinern, Leipzigern oder sogar den wenigen Bayern so, die nach Hannover gekommen sind und lange hier leben.

 

Wir wünschen Ihnen in unserer Stadt, dass Sie vielleicht – neben dem Programm, das bereits recht umfangreich ist – doch die eine oder der andere Gelegenheit haben, nicht nur das Messegelände, auf dem sonst die größte Industriemesse und Computermesse der Welt stattfinden und die EXPO 2000 stattfand, sehen, sondern auch ein paar Eindrücke von der Stadt mit nach Hause nehmen. Auf alle Fälle, dass Hannover Ihnen in guter Erinnerung bleibt.