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Grußwort

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Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff

anlässlich

des Deutschlandtreffens der Schlesier

am 30. Juni und 1. Juli 2007 in Hannover

Liebe Schlesierinnen und Schlesier,

liebe Landsleute,

zum diesjährigen Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover übermittle ich Ihnen allen meine herzlichen Grüße.

Für uns in Niedersachsen, dem Patenland der Landsmannschaft Schlesien, ist es eine besondere Freude, Sie nach langer Zeit wieder in Hannover begrüßen zu können. Die Geschichte Niedersachsens ist in ganz besonderer Weise mit der Geschichte der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, insbesondere der Schlesier, verbunden. Dies hat uns auch unser 60-jähriges Landesjubiläum, das wir im letzten Jahr gefeiert haben, erneut vor Augen geführt.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen die Überlebenden vor heute kaum vorstellbaren Schreckensszenarien. Abermillionen Tote waren zu beklagen und es gab ungezählte Verwundete und Kriegsversehrte. Menschen kamen aus der Evakuierung vom Land in ihre zerstörten Städte zurück, wo sie Trümmer, Obdachlosigkeit und Hunger erwarteten. Millionen von Menschen waren auf der Flucht oder vertrieben worden. Sie waren auf der Suche nach einer neuen Heimat. Es gab die Ungewissheit über den Verbleib der Angehörigen, und die lange Suche nach der Familie blieb oft genug ohne Erfolg. Es fehlte an allem, was uns heute so selbstverständlich ist: Wohnung, Kleidung, Nahrung, Arbeit.

Trotz dieser widrigen Umstände haben alle, die einheimische Bevölkerung wie auch die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen und den anderen deutschen Ostgebieten, mit dem Wiederaufbau begonnen. In einem ersten Schritt musste man enger zusammenrücken - und das ist wörtlich gemeint. Warum dies so war, machen zwei Zahlen deutlich. In Niedersachsen stieg die Bevölkerungszahl von 4,5 Millionen Menschen vor Kriegsausbruch auf 6,8  Millionen im Jahre 1950. In einigen Landkreisen erreichte der Anteil der Flüchtlinge und Vertriebenen über ein Drittel der Gesamtbevölkerung. In Anbetracht der ausgebombten Städte wird deutlich, was „zusammenrücken“ damals bedeutete.

In Niedersachsen fanden die meisten vertriebenen Schlesier eine neue Heimat. 1950 übernahm das Land Niedersachsen als Zeichen der Verbundenheit mit Schlesien und den Schlesiern die Patenschaft für die Landsmannschaft Schlesien. Diese Patenschaft ist Ausdruck der Wertschätzung, die den Heimatvertriebenen und insbesondere den Schlesiern entgegengebracht wird. 1993 hat Niedersachsen die Partnerschaft zur Wojewodschaft Niederschlesien übernommen. Ein weiteres Zeichen der Verbundenheit Niedersachsens mit den Schlesiern und Schlesien ist der Kulturpreis Schlesien, der jährlich im Wechsel in Niedersachsen und Schlesien verliehen wird und der sich zu einem deutsch-polnischen Begegnungspreis entwickelt hat.

Die Heimatvertriebenen haben sich bereits 1950 in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen zum Verzicht auf Rache und Vergeltung und damit zur Versöhnung bekannt. In der Charta heißt es unter anderem: „Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können."

Heute, mit der Erweiterung der Europäischen Union um die mittelosteuropäischen Staaten, sind wir der damaligen Vision von einem geeinten Europa sehr nahe gekommen. Das Zusammenwachsen Europas bietet die Möglichkeit, alte Grenzen und Gegensätze hinter uns zu lassen. Besuche in der alten Heimat sind für viele von Ihnen schon lange zur Selbstverständlichkeit geworden. Viele Heimatvertriebene haben Patenschaften mit ihren Heimatorten initiiert. Diese Patenschaften erreichen auch die Generation der Kinder und Enkelkinder. Es werden Schüleraustausche oder andere regelmäßige Besuche durchgeführt und so der Boden für eine friedliche, auf Aussöhnung bedachte Zukunft bereitet. Niedersachsen ist führend bei den Schulpatenschaften mit unseren osteuropäischen Nachbarn. Diese Patenschaften sind ein wichtiges Bindeglied zwischen europäischen Nachbarn.

In dieser Tradition fühlen wir uns Schlesien und den Schlesiern verpflichtet und verbunden. Wir wollen gemeinsam mit den heute in Schlesien lebenden Menschen die vielschichtige und bedeutende Geschichte und Kultur Schlesiens im Herzen Europas für die nachfolgenden Generationen bewahren.

Im Sinne Ihres diesjährigen Mottos „Schlesien verpflichtet“ wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Verlauf Ihres Deutschlandtreffens.

Hannover, im Juni 2007

 

 

 

Christian Wulff

Niedersächsischer Ministerpräsident