|
Informationen Deutschlandtreffen 2009
|
|
|
CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag – Platz der Republik 1 – 11011 Berlin Grußwort zum Deutschlandtreffen der Schlesier „Schlesien – Heimat und Zukunft“ in Hannover am 27. Juni 2009
Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Anrede, zu diesjährigem Deutschlandtreffen der Schlesier überbringe ich ihnen die herzlichsten Grüße des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sowie des Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Dr. Peter Ramsauer. Das Motto Heimat und Zukunft verbindet sich am Beispiel eines Oberschlesiers, dessen Geburtstag sich 2009 zum 100. Mal jährt, auf ganz besondere Weise und an den ich daher besonders erinnern möchte. Denn Bernhard Grzimek wurde 1909 in Neisse geboren und legte später als Zoologe und Verhaltensforscher die Grundlagen für den modernen Tierschutz. Die respektvolle Sicht auf die Natur und die Tiere, die uns heute selbstverständlich erscheint, geht in vielerlei Hinsicht auf Grzimek zurück, der sein Leben für den Erhalt der Lebensräume widmete. Meine Damen und Herren, liebe Landsleute, dafür, dass Sie sich seit nunmehr 60 Jahren der Erinnerung an Schlesien, der Heimat eben von Bernhard Grzimek und der Völkerverständigung widmen, möchte ich Ihnen ausdrücklich danken. Sie alle haben sich über Jahrzehnte hinweg für das Wohl der Heimatvertriebenen, der Spätaussiedler und der deutschen Minderheiten in den Heimatgebieten eingesetzt. Sie haben die Erinnerung an ihr Schicksal aufrecht erhalten. Sie haben gezeigt, dass Erinnerung lebenswichtig ist, denn sie kann der Generation von heute helfen, Eindrücke zu ordnen und zu verstehen. Denn nicht die Erinnerung, sondern das Vergessen ist und bleibt die große Gefahr. Und deshalb möchte ich ihnen ganz persönlich danken. Danken für ihren Einsatz in der Vertriebenen- und Flüchtlingsarbeit. Danken dafür, dass sie mit ihrer Geschichte uns verstehen lernen. Sie erbringen einen Dienst an unserem Vaterland, an der Deutschen Geschichte und der Bewahrung und Fortentwicklung unserer Kultur. Mit dem epochalen Ereignis der „Osterweiterung der Europäischen Union“ gehört Ihre alte Heimat Schlesien seit nunmehr fünf Jahren zur Europäischen Union. Hier ist etwas wieder zusammengewachsen, was seit Jahrhunderten, historisch, kulturell und auch religiös zusammengehört. Mit dem Beitritt unserer Nachbarstaaten sind aber nicht alle Fragen geklärt. Dies hat die Union immer wieder deutlich gemacht. Für die Union gilt das im Dezember beschlossene Grundsatzprogramm: „Auch in einem vereinten Europa mit zunehmend offenen Grenzen erfüllen Heimatvertriebene und Volksgruppen eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Nationen. Auch die Deutschen, die in ihrer Heimat außerhalb der Bundesrepublik Deutschland geblieben sind, können diese wichtige Funktion zwischen Deutschland und seinen Nachbarn beim weiteren Zusammenwachsen Europas wahrnehmen. Vertreibungen jeder Art müssen international geächtet und verletzte Rechte anerkannt werden.“ Für uns, die Union, wird es in dieser Großen Koalition zunehmend schwerer, etwas für sie, die Heimatvertriebenen, zu erreichen. Zu groß ist das Desinteresse auf der anderen Seite, ein Umstand, der für die Zukunft hoffentlich gelöst werden kann. Aber unsere bisher erzielten Erfolge machen mich aber hoffnungsfroh. So verweise ich auf die vom Deutschen Bundestag im Dezember 2008 mit großer Mehrheit beschlossene „Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung". Damit wird ein wichtiges bundesweites Signal gesetzt: Es soll ein Ort der Präsentation und der Darstellung der Vertreibungsgeschichte im Europa des 20. Jahrhunderts sein und die Erinnerung an das damit verbundene tiefe menschliche Leid wachhalten. Die Dokumentationsstätte wird als ein Ort des lebendigen Gedächtnisses wirken. Die Stiftung hat ihre Arbeit aufgenommen. Der Stiftungsrat ist konstituiert, in der nächsten Woche wird der Stiftungsdirektor gewählt, so dass auch der Personalkörper funktionsfähig ist. Die Mittel für die Sanierung des Deutschlandhauses sind bereitgestellt und die Arbeiten laufen. Natürlich wird, da es sich um ein sanierungsbedürftiges Gebäude aus den 60er Jahren handelt, dieses einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber die versprochene Maßnahme ist ins Werk gesetzt! Die Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges war die weltweit größte demografische Umwälzung des 20. Jahrhunderts und eine der größten Katastrophen der Geschichte. Deshalb ist es unser politischer Auftrag, an das Leiden der Deutschen zu erinnern. Die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist deshalb eines der wichtigsten Projekte unserer nationalen Identität in Europa. Wir müssen insbesondere den jungen Menschen, die in Frieden und Freiheit aufgewachsen sind, die Erfahrungen der Vergangenheit vermitteln. Wir müssen Ihnen klar machen, dass Frieden, Freiheit und Rechtsstaat nicht selbstverständlich sind und ständigen Gefährdungen ausgesetzt sind. Sie müssen immer wieder erkämpft und erobert werden. Dazu müssen sie aus den Fehlen der Vergangenheit lernen. Damit sie dazu in der Lage sind, müssen wir Ihnen die Geschichte mit ihren Fehlentwicklungen nahebringen. Nur so kann man die Ursachen erkennen und Konsequenzen daraus ziehen. Wir müssen die Menschen zu einander bringen. Ich habe als Vision vor Augen, dass uns im Verhältnis zu Polen das gelingen muss, was gegenüber Frankreich erreicht wurde. Wenn ich meinen Kindern erkläre, dass ihr Großvater noch gegen Frankreich Krieg geführt hat, dann verstehen sie dieses nicht. Es muss uns gelingen, die Menschen so zu einander zu bringen, dass sie Freundschaft schließen und damit Auseinandersetzungen wie in der Vergangenheit unmöglich werden. Es wäre schön, wenn wir diesen Zustand in zehn bis 15 Jahren mit Polen erreichen würden. Zugleich wird es die Aufgaben haben, die junge Generation an das Thema heranzuführen, Begegnungsstätte zwischen den Generationen zu sein und die aktuelle Dimension des Themas zu verdeutlichen. Seien sie daher versichert, dass CDU und CSU auch weiterhin als Partner an ihrer Seite stehen und sich für die berechtigten Anliegen der Heimatvertriebenen, deutschen Spätaussiedler und deutschen Minderheiten einsetzen werden. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
|