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Reden zum Deutschlandtreffen 2009
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Laudatio für Dr. SchottMit dem Schlesierschild wird heute mit Dr. Christian-Erdmann Schott ein Mann geehrt, der sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit über die schlesische Kirchengeschichte einen Namen gemacht hat, der sich in hervorragender Weise für den Erhalt des schlesischen Erbes einsetzt und der in seiner Verbandsarbeit nicht rückwärts gerichtet, sondern zukunftsorientiert arbeitet. Sobald es politisch möglich war, haben die evangelischen Schlesier Kontakt zur schlesischen Oberlausitz diesseits der Neiße und in Kooperation mit dem Johanniterorden, dessen Mitglied Dr. Schott ist, in Gestalt der Schlesienhilfe zum Schlesien jenseits der Neiße den Brückenschlag gesucht. Dies entspricht der grundsätzlichen Situation, in der wir uns als aus Schlesien Vertriebene befinden. Es bringt nicht viel, wenn wir dieses oder jenes politisch, ideologisch oder sonst wie in der Darstellung von Vertreibung und Heimatverlust korrigieren, so nötig das sein mag. Die Heimat haben wir verloren. Wichtige Aufgabe ist es, dass wir die geistige und geistliche Kultur Schlesiens erforschen und beschreiben und aus einer Nische in die allgemeine deutsche Kultur einbringen. Worum es geht, zeigt letztlich eine Beobachtung, dass nämlich immer noch ein Viertel der Lieder im derzeitigen evangelischen Kirchengesangbuch schlesische Dichter haben. Ansonsten, meine Damen und Herren, ist es doch so mit uns heimatvertriebenen Schlesiern, dass die Erlebnisgeneration, die nicht nur die Schrecknisse des Krieges erfahren hat, sondern das lebendige deutsche Schlesien mit seiner Lebenswelt kannte, nicht mehr am Leben ist oder bald nicht mehr am Leben sein wird und dass ihre Kinder und Enkel sich in der Regel mit den Landschaften identifizieren, in denen sie jetzt wohnen. Aufgabe ist darum, dass diejenigen, die noch etwas von dem alten Schlesien kennen und es auch darzustellen vermögen, sich zu Wort melden. Damit ist die Lebensaufgabe beschrieben, die sich Dr. Schott neben seinem Pfarramt in Mainz-Gonsenheim gewählt hat. Und für diese Aufgabe ist er geradezu prädestiniert. Dr. Schott stammt aus einer alteingesessenen schlesischen Bürger- und Pastorenfamilie, ist in Liegnitz geboren und schließlich in Oppeln aufgewachsen, bis die Familie 1945 erst nach Thüringen und später nach Magdeburg kam. Hier geriet der Schüler Christian-Erdmann im Gymnasium in die Auseinandersetzung mit der sich etablierenden marxistischen Ideologie, musste als für die neue Gesellschaft gefährlich ein zweites Mal flüchten. In Westdeutschland absolvierte er Abitur, Studium, Promotion und fand in Mainz seine Pfarrstelle. Daneben hat er sich in der Johanniter-Unfallhilfe engagiert, deren Bundespfarrer er wurde; vor allem aber wurde die historische Forschung schlesischer Kirchengeschichte sein Arbeitsschwerpunkt. Es ist ein breites Spektrum von wissenschaftlichen Aufsätzen, das Dr. Schott vorgelegt hat, und das von Hedwig von Schlesien über die Folgen des 30jährigen Krieges, die Gegenreformation, das schlesische Liedgut bis in die Gegenwart reicht. Seine Arbeiten sind ein souveräner Blick auf das Ganze, der nichts Wesentliches auslässt – vom Kirchenkampf der nationalsozialistischen Zeit und dem späteren bitteren Abschied über die mühsame Eingliederung in Restdeutschland und schließlich den beschwerlichen Ausgleich mit Polen in einem vereinten Europa. Dr. Schott beschönigt nichts. Weder die unfreundliche Aufnahme in den vier Besatzungszonen noch die Zurückhaltung der Amtskirche, wenn es um die besondere Frömmigkeitstradition der Vertriebenen ging. Denn nicht nur Menschen wurden vertrieben, sondern auch deren Kirchen und deren Erlebniswelt, und mit der Ehrung von Dr. Schott kommt in Erinnerung, dass Schlesien nach der letzten Volkszählung 1939 fast zur Hälfte und im Reformationsjahrhundert sogar zu 90 % evangelisch gewesen ist – nahezu konsequent darum, dass Dr. Schott mit seinen Forschungen dem Vergessen entgegentreten möchte. Er ist nicht nur Mitglied wissenschaftlicher Kommissionen für schlesische Geschichte, seit 1990 ist er Vorsitzender des traditionsreichen Vereins für schlesische Kirchengeschichte und seit 1993 Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Schlesier – beides Verbände, die sich auch im 21. Jahrhundert noch von ihrer Mitgliederzahl sehen lassen können. Das ist – Sie werden mir, meine Damen und Herren, zustimmen – eine besondere Herausforderung, Schlesier, die überall in der Bundesrepublik verstreut sind, zusammenzuhalten: Dr. Schott tut das mit zäher Geduld, Gelassenheit und Umsicht; er ist deshalb für die manchmal recht eigenwilligen Schlesier zur Leitfigur geworden, die sich bereitwillig durch Vorträge und Teilnahme an Veranstaltungen, Briefen und Artikeln für das Fortwirken der schlesischen Frömmigkeit und des schlesischen Erbes engagiert und wirbt. Die Verleihung des Schlesier-Schildes ist für die evangelischen Schlesier ein positives Signal, dass ihre Arbeit in Schlesierkreisen wahrgenommen wird, und es ist eine hervorragende Anerkennung für das Lebenswerk von Dr. Schott, der mit historischer Forschung der Geschichte Schlesiens und seiner Frömmigkeit einen Platz in der Zukunft geben möchte. Dr. Hans-Ulrich Minke |