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Reden zum Deutschlandtreffen 2009
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Deutschlandtreffen der Schlesier 2009 Politische Hauptkundgebung am 28.6.09 Eröffnungsrede des Präsidenten der Schlesischen Landesvertretung Prof. Dr. Michael Pietsch
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde Schlesiens, liebe Schlesierinnen und Schlesier aus nah und fern, ich eröffne hiermit die Hauptkundgebung des Deutschlandtreffens der Schlesier im Jahr 2009. Es ist das 64. Jahr seit dem Beginn der Vertreibung aus der schlesischen Heimat und zugleich das 20. Jahr seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der uns auch die Öffnung Schlesiens gebracht hat. Gerade dieses Jubiläum zeigt uns, dass die Geschichte von keinem Diktator angehalten werden kann. Das durch die europäische Einigung offene Schlesien lädt uns ein. Und wir wollen diese Einladung annehmen. Und zugleich sollen die Landsleute in Deutschland und unsere Nachbarn und Freunde in Europa und in der Welt wissen: Die Schlesierinnen und Schlesier lieben ihre Heimat zutiefst. Und diese Heimatliebe kann Berge versetzen. Die Schlesierinnen und Schlesier sind friedliche und genügsame Menschen. Sie wollen nicht, dass andere das durchleiden müssen, was sie selbst erlebt haben. Zugleich wissen wir Schlesierinnen und Schlesier, dass wir Träger eines historischen Erbes sind, das wir nicht abschütteln können. Und gemeinsam mit unseren Freunden in der Heimat werden wir den Menschen in der Welt zeigen: Dieses uralte Schlesien lebt und wird eine gute Zukunft haben! Ich freue mich mit dem Bundesvorstand und der schlesischen Landesvertretung über die Tausenden in dieser Halle. Darunter sind etliche Vertreter des öffentlichen Lebens, die uns Schlesierinnen und Schlesiern, die der schlesischen Sache ihre Referenz erweisen: Ich begrüße mit großer Freude die Vertreter der Kirchen: · Ich freue mich über die Anwesenheit des Apostolischen Nuntius S.E. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset. Herzlich Willkommen bei uns und ein Vergelt’s Gott für das ergreifende Pontifikalamt vor unserer Kundgebung. · Ich begrüße Geistlichkeit und Laienvertreter der Visitatur für die Priester und Gläubigen aus dem Erzbistum Breslau und an ihrer Spitze S.E. den Herrn Visitator Prälat Franz Jung. Herzlichen Glückwunsch zur gestrigen Verleihung des Schlesierschildes. · Für die Angehörigen der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier heiße ich herzlich willkommen unseren ebenfalls neuen Schlesierschildträger Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott. Vertreter von Parlamenten und Landesregierung befinden sich unter uns. Aus formalen Gründen komme ich jetzt erst zur Begrüßung des Mannes, der eigentlich ganz nach vorne gehört. Es ist der Mann, dem die Landsmannschaft und dem die Schlesierinnen und Schlesier viel zu verdanken haben. Ich erinnere an die engen Beziehungen, die Landsmannschaft und niedersächsische Landesregierungen über Jahrzehnte hatten. Ich erinnere an die Kälte, die uns über mehrere Jahre hier begegnete. Und ich erinnere daran, dass er die Beziehungen zu den Schlesierinnen und Schlesiern nach Antritt seines Amtes zur Chefsache erklärt hat. Und genau deshalb ist er nach zwei Jahren wieder bei uns. Ich begrüße mit besonderer Herzlichkeit einen – unseren! – guten Freund, ich begrüße den Ministerpräsidenten unseres Patenlandes Niedersachsen Christian Wulff! Verehrter Herr Ministerpräsident, die Schlesierinnen und Schlesier lieben ihre Heimat – so wie die Niedersachsen. Wenn es um Wesentliches geht, können sie auch sehr konsequent, bisweilen sogar stur sein – auch wie die Niedersachsen. Wir können feiern, ungezwungen sein, singen und tanzen – nicht anders als die Niedersachsen. Unsere Volksstämme passen also gut zusammen. Und Sie – das hat der Beifall eben gezeigt – passen gut zu uns. Ich begrüße besonders herzlich den niedersächsischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, unseren schlesischen Landsmann Herrn Landtagsabgeordneten Rudolf Götz. Etliche Vertreter von Verbänden der deutschen und der anderen europäischer Heimatvertriebenen sind unter uns. An ihrer Spitze begrüße ich den Vizepräsidenten des Bundes der Vertriebenen, unseren niedersächsischen Landesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien Helmut Sauer. Ich freue mich, den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Oberschlesier, Herrn Klaus Placzczek, willkommen heißen zu können. Und wie alle zwei Jahre ist auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Herrn Wilhelm von Gottberg, unter uns: Herzlich willkommen. Ein Willkommen auch dem Generalsekretär der Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen, Herrn Dr. Massimiliano Lacota aus Triest. Ich will an dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön sagen der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen und ihrer Vorsitzenden Ulrike Kubierske, die seit gestern unsere Augen mit Tracht und Tanz erfreuen. Besonders freuen wir uns über die Anwesenheit unserer Landsleute aus Schlesien, die wieder in großer Zahl bei uns sind. Das Deutschlandtreffen der Schlesier ist eben ein Treffen aller Schlesier! Ein herzliches Willkommen dem Schlesierschildträger Blasius Hanczuch aus Benkowitz. Für den DFK in Oberschlesien begrüße ich den Bezirksvorsitzenden Martin Lippa aus Kattowitz und aus Niederschlesien den Vorsitzenden des DFK Waldenburg Martin Reichert. Ein Willkommen auch unserem Freund Dietmar Brehmer von der Deutschen Gemeinschaft Versöhnung und Zukunft in Kattowitz. Ich begrüße Reinhard Blaschke, den Präsidenten des Vereins Haus Schlesien. Haus Schlesien ist und soll neben den Museen in Görlitz und Ratingen das dritte Standbein für Präsentation und Weiterentwicklung schlesischer Kultur in der Bundesrepublik bleiben. Und ich freue mich über die Anwesenheit des Direktors des Schlesischen Museum zu Görlitz Herrn Dr. Markus Bauer. Ich begrüße die Presse: die bundesdeutsche, die ausländische und auch unsere schlesische. Und an dieser Stelle will in besonderer Weise die Chefredakteurin unserer „Schlesischen Nachrichten“, Frau Dr. Ast, begrüßen. Ich begrüße die Mitglieder des Bundesvorstandes unserer Landsmannschaft mit dem Bundesvorsitzenden Rudi Pawelka an der Spitze und die Mitglieder der Schlesischen Landesvertretung. Ich freue mich über die Teilnahme so vieler Vertreter der Landes-, Bezirks- und Kreisvorstände unserer Landsmannschaft. Zuletzt begrüße ich alle bisher nicht Genannten: Alt und Jung, Schlesier und Nichtschlesier, aus der Bundesrepublik, aus Schlesien und aus dem Ausland. Ihre Treue und Zuneigung zu Schlesien sind Garantie für die Zukunft unserer Heimat. Seien Sie uns alle herzlich willkommen! Das Deutschlandtreffen mit seinen vielfältigen Angeboten ist eigentlich eine Veranstaltung der Freude. Freude vor allem darüber, dass viele sich nach zwei Jahren erneut in Hannover begegnen können. Aber nicht alle sind wieder da. Manche werden wir gar nicht mehr treffen können, weil sie der Herr zu sich geholt hat. Ich darf Sie bitten, sich zum Gedenken an unsere Verstorbenen zu erheben: Wir erinnern uns an unsere guten Freunde, schlesische Landsleute, die sich – in welcher Organisation der Heimatvertriebenen auch immer – für unser Schlesien nach der Vertreibung eingesetzt haben. Der Fortgang eines jeden und einer jeden von ihnen in diesen Tagen, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist immer auch ein Stück Heimatverlust. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Und wir gedenken auch all derer, die in der Zeit, als die Apokalypse über Schlesien hereinzubrechen schien, von uns gehen mussten: · Der Alten, die keine Kraft mehr hatten, der Demütigung und dem Hunger zu widerstehen. · Der Kinder, die unseren Eltern und Großeltern durch Entkräftung und Krankheiten genommen wurden. · Der Neugeborenen, die neben den Fluchtstraßen im kalten Winter nur der Schnee bedeckte. · Der Frauen, die von einer wildgewordenen Soldateska gedemütigt und getötet wurden. · Der Soldaten, die für den Wahnsinn eines Verbrechers ihr Leben lassen mussten. Wir werden ihr Leiden und Sterben immer wieder in Erinnerung rufen. Wer würde es tun, wenn wir es nicht täten? Ich danke Ihnen! Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn die Landsmannschaft in den Strudel der Jahre hineingerissen worden wäre, hätte das den einen oder anderen gefreut. Es kam anders. Und so haben sich an diesem Wochenende wieder zehntausende Schlesierinnen und Schlesier auf den Weg gemacht, um der Welt zu zeigen: Wir sind da und mit uns muss man rechnen! Aber dieses „damit rechnen“ ist keines, das Anderen Angst einjagen soll. Im Gegenteil: Man muss damit rechnen, dass wir die Kultur und die Eigenart des schlesischen Menschen erhalten wollen. Dass wir uns an der Entwicklung unserer schlesischen Heimat beteiligen wollen. Und dass wir unseren polnischen Nachbarn auf der Grundlage der Wahrheit die Hand reichen wollen, damit Schlesien seine alte Größe und Bedeutung in Europa wiedererlangt. Wir wissen, verehrter Herr Ministerpräsident, dass wir Sie bei diesem ehrlichen Bemühen an unserer Seite haben. Deshalb sind wir dankbar, dass Sie heute bei uns sind. Ich darf Sie, bitten, das Wort zu ergreifen:
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