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Grußworte zum Deutschlandtreffen

2009 

 

Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff

anlässlich des Deutschlandtreffens der Schlesier

am 27. und 28. Juni 2009 in Hannover

Liebe Schlesierinnen und Schlesier,

liebe Landsleute,

zum diesjährigen Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover übermittle ich Ihnen allen meine herzlichen Grüße.

Schlesien - Heimat und Zukunft: Das ist das Motto, unter dem Ihr Deutschlandtreffen in diesem Jahr steht. 64 Jahre nach Kriegsende sehen Gegenwart und Zukunft für Ihre Heimat Schlesien sehr gut aus. Trotz mancher Irritationen gibt es ein lebendiges Miteinander zwischen Deutschen und Polen und vielfältige Kontakte zwischen Heimatvertriebenen und den heutigen Bewohnern Schlesiens. Die engen und reichhaltigen Beziehungen zu den dort lebenden Menschen werden von der Niedersächsischen Landesregierung ausdrücklich unterstützt. Im Frühjahr dieses Jahres hat in Hannover eine Veranstaltung mit Heimatvertriebenen und polnischen Gästen stattgefunden, die vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Integration organisiert wurde und unter der Frage stand: „Können Vertriebene Brücken bauen?“ Dies wurde von allen Diskutanten, darunter dem polnischen Generalkonsul, eindeutig bejaht. Ein beeindruckender Wandel zwischen Polen und den vertriebenen Schlesiern hat stattgefunden. Man denke an den uns allen unvergessenen Herbert Hupka, dessen Heimatstadt Ratibor ihn wegen seines großen Engagements für die Stadt zum Ehrenbürger ernannte.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands haben wir auch eine europäische Einigung erlangt, deren größter Gewinn darin liegt, in Frieden mit unseren Nachbarn zu leben. Nun ist Realität, was gestern noch wie ein Wunschtraum erschien. Durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union haben wir eine Freizügigkeit erreicht, die es Ihnen aber auch vielen anderen, ermöglicht, Ihre alte Heimat regelmäßig zu besuchen. Viele Menschen machen davon regen Gebrauch.

Niedersachsen ist aktiv beim ausgleichenden und aussöhnenden Brückenbau zwischen den Heimatvertriebenen und Polen. Die gemeinsame Verantwortung für Schlesien und seine Kultur wird durch die Verleihung des Kulturpreises Schlesien unterstrichen, der ein Bekenntnis zur Partnerschaft und kulturellen Verbindung unserer Länder geworden ist. Er ist sowohl für die niedersächsische als auch die schlesische Seite, und ebenso für die Heimatvertriebenen, eine Geste der Aussöhnung und des partnerschaftlichen Miteinanders. Der Preis wurde zunächst als Zeichen der Verbundenheit des Landes Niedersachsen mit den in Deutschland lebenden Schlesiern ins Leben gerufen. Inzwischen hat er sich zu einem Symbol von Verständigung und Aussöhnung entwickelt und wird jedes Jahr an einen deutschen und an einen polnischen Künstler verliehen, die entweder selbst aus Schlesien stammen oder deren Werk Bezüge zu Schlesien aufweist.

Niedersachsen hat den Blick auf die Zukunft gerichtet. Die Landesregierung unterstützt eine Vielzahl von Projekten, um junge Menschen zu erreichen. Denn nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten! In Niederschlesien werden beispielsweise niedersächsische Vertragslehrer zur Unterstützung des Deutschunterrichtes tätig. Bei uns in Niedersachsen finden Seminare statt, die die Schulpartnerschaften zwischen Niedersachsen und Niederschlesien fördern. Mittlerweile gibt es über 165 Schulpartnerschaften, die ein beeindruckender Ausdruck des Wunsches nach Versöhnung und gemeinsamer Zukunft sind.

Meiner Landesregierung ist es sehr wichtig, der heutigen jungen Generation die damaligen Ereignisse auch im Schulunterricht nahezubringen. Mit der DVD „Die große Flucht“ werden Schülerinnen und Schüler durch umfangreiches Filmmaterial und Aussagen von Zeitzeugen in die Themen Flucht und Vertreibung eingeführt.

Auch die Jugendbegegnungsstätte Kreisau in Schlesien arbeitet in diesem Sinne und wird von Niedersachsen dabei nach Kräften unterstützt. Dieses Projekt liegt mir persönlich sehr am Herzen. Als Gründungsmitglied der Freya von Moltke Stiftung für das neue Kreisau und Mitglied des Stiftungskuratoriums ist es mir eine Freude zu sehen, wie junge Menschen vor Ort die Geschichte ihrer Vorfahren kennenlernen und so mithelfen, den Herausforderungen Europas im 21. Jahrhundert zu begegnen.

Die schlesische Kultur zu pflegen und zu fördern ist meiner Niedersächsischen Landesregierung eine Herzensangelegenheit. Im nächsten Jahr feiern wir das 60-jährige Bestehen der Patenschaft des Landes für die Schlesier. Wir fühlen uns den Menschen in Schlesien wie den Schlesiern bei uns verbunden. Auch in Zukunft wird die Landesregierung alles tun, um die Beziehungen und Kontakte zu pflegen und auszubauen - für eine gute Zukunft in Freundschaft.

Hannover, im Juni 2009

 

 

Christian Wulff

Niedersächsischer Ministerpräsident