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Schlesien - das
ist geographisch das Stromgebiet der oberen und mittleren Oder mit
ihren vielen Nebenflüssen zwischen Sudeten und Polnischem Jura,
Beskiden und Spreewald - nimmt im östlichen kontinentalen Mitteleuropa
eine Mittellage ein. Es liegt etwa im Schnittpunkt der Süd-Nord-Verbindung
von der nördlichen Adria zur preußisch-baltischen Ostseeküste
und der West-Ost-Achse von der niederländischen Nordseeküste
zum Schwarzen Meer. Beiden Liniensystemen entsprechen, fußend
auf den natürlichen Gegebenheiten, alte geschichtliche und vorgeschichtliche
Handelsstraßen, Wanderwege von Menschen und Kultur, politische
Einflüsse. Am Breslauer Oderübergang kreuzten sich seit
der Frühzeit die vielbegangene Bernsteinstraße und die
später sogenannte Hohe Straße: an dieser strategisch wie
wirtschaftlich wichtigen Stelle entstand als politisches, dynastisches,
kirchliches und kulturelles Zentrum des schlesischen Oderlandes die
Stadt Breslau.
Auf Grund seiner geographischen Lage kommt Schlesien so im großen
europäischen Rahmen gewissermaßen eine Schlüsselstellung
und eine natürliche Mittlerfunktion zu. Man hat es daher mit
Recht als Brücken- und Begegnungslandschaft zu beschreiben und
charakterisieren versucht. Als solche hat es im Laufe seiner Geschichte
immer wieder Einwirkungen von allen Seiten der Windrose erfahren,
es hat aber auch nach allen Seiten ausgestrahlt. Im kleineren nationalen,
staatlichen Bereich dagegen befand es sich stets in exponierter Randlage
- ganz gleich, ob es zu Böhmen, Polen, Ungarn, Österreich
oder Preußen gehörte - und hatte mit Schwierigkeiten zu
kämpfen, sobald seine rundum ausgreifenden Verbindungen durch
geschlossene Grenzen, wirtschaftliche oder politische Spannungen behindert
wurden.
Das Land an der oberen und mittleren Oder hat seinen Namen von den
Silingen, einem Teilstamm der germanischen Wandalen. Sie kamen aus
dem skandinavischen Norden und siedelten von etwa 100 v. Chr. bis
400 n. Chr. um ihr Heiligtum auf dem Zobten, dem Silingberg, wie er
noch in Quellen des 13. Jahrhunderts heißt. An dieses Silingen
erinnern auch der Silingfluß, das ist die Lohe, die am Zobten
vorbeifließt, und der Silinggau, der später von den Slensanen,
den Silinggaubewohnern, eingenommen wurde.
In der Völkerwanderung zogen die Silingen zum größten
Teil mit den Wandalen - aus unbekannten Gründen - nach Westen
ab. Sie gingen 406/7 bei Mainz über den Rhein und gelangten über
Frankreich und Spanien nach Nordafrika, wo ihr Reich 533/37 zerstört
wurde.
In die in Schlesien durch den Abzug der Silingen freigewordenen Wohnsitze
sickerten im 6. und 7. Jahrhundert von Osten her Slawen, aus ihrer
Urheimat im Dnjepr-Pripjet-Gebiet kommend, in kleinen Gruppen ein.
Sie übernahmen mit dem Land auch die Landesbezeichnung: denn
das lateinische Wort Silesia der Geschichtsquellen, der deutsche Name
Schlesien, das polnische Slask und das tschechische SIezsko bedeuten
nichts anderes als "Silingenland". Die noch vorhandenen
Silingenreste wurden von den einwandernden Slawen - so Prokop - entweder
ausgerottet oder von ihnen aufgesogen, assimiliert.
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