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Im 9 Jahrhundert
siedelten in Schlesien - ohne dass wir Näheres wüssten -
mehrere lawische Kleinstämme: die Golensizen im Gebiet um Troppau,
die Opolanen um Oppeln (die spätere Stadt Oppeln ist nach ihnen
benannt), die Slensanen südlich von Breslau im alten Silingengau,
die Dedosizen um Glogau, die Trebowanen zwischen Liegnitz und Trebnitz
und die Boboranen im Bobergebiet. Sie gerieten im 10. Jahrhundert
zum überwiegenden Teil in böhmische Abhängigkeit: der
tschechische PremysIidenfürst Wratislaw I. (894-921) gründete
die Burg Breslau und gab ihr den Namen "Wratislawia", der
dann auf die später entstehende Stadt überging: das lateinische
"Wratislawia" wurde in deutschem Munde zu Breslau. Ganz
entsprechend verdankt wohl Bunzlau, in den ältesten Quellen "Boleslawia"
genannt, Wratislaws Nachfolger Boleslaw l. oder II. seinen Namen.
Über Böhmen erhielt Schlesien in der 2. Hälfte des
10. Jahrhunderts das Christentum. Wenig später, im Jahre 1000,
wurde unter Mitwirkung Kaiser Ottos III. das Bistum Breslau für
den schlesischen Raum gegründet, nachdem das Land kurz zuvor
(um 990) durch kriegerische Eroberung zeitweise an den Staat der polnischen
Piasten angeschlossen worden war. Es blieb jedoch weiterhin zwischen
Böhmen und Polen umstritten und wechselte mehrfach die Herrschaft.
In der ersten, vom Ende des 10. bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts
reichenden Periode bildete das Oderland einen Zankapfel zwischen Böhmen
und Polen. Es befand sich kraft militärischer Eroberung bald
in der Hand des einen, bald des anderen. Die Bevölkerung war
damals slawisch, aber weder tschechisch, noch polnisch. Dieser Abschnitt
endete mit dem Glatzer Pfingstfrieden 1137, der Schlesien zum größten
Teil bei Polen und nur die Grafschaft Glatz, Leobschütz, Jägerndorf
und Troppau mit Umgebung bei Böhmen beließ.
Die nun beginnende zweite Periode innerhalb des polnischen Staatsverbandes
von 1137 bis 1335 war zugleich die der größten politischen
Selbständigkeit und entscheidender innerer Veränderungen
des Oderlandes. Bereits 1138 wurde es beim Tode des Polenherzogs Boleslaw
III. durch Erbteilung zu einem plastischen Teilfürstentum erhoben,
dessen Zugehörigkeit zu Polen sich zunehmend lockerte. Wenige
Jahre nach Amtsantritt wurde der erste schlesische Herzog aus dem
Piastenhause, Wladislaw, von seinen Brüdern vertrieben (1146).
Er flüchtete mit seiner Familie zu seinem Schwager, Kaiser Konrad
III., ins Deutsche Reich. 1163 kehrten die Söhne Wladislaws nach
17-jährigem Exil in Deutschland mit Unterstützung Kaiser
Friedrich Barbarossas in ihre väterliche schlesische Herrschaft
zurück. Sie lehnten sich fortan nicht nur politisch an das Reich
an und heirateten deutsche Frauen, sondern nahmen auch ihnen ergebene
deutsche Ritter und Mönche, denen Kaufleute, Handwerker und Bauern
folgten, als Helfer mit in ihr Land. Mit Hilfe in großer Zahl
herbeigerufener deutscher Siedler wie einheimischer Slawen und der
Organisationsformen des deutschen Rechtes wurde das nur dünn
besiedelte, kaum erschlossene Oderland im Laufe des 13. Jahrhunderts
gerodet und kultiviert, fruchtbar und volkreich gemacht. Neben zahllosen
Kirchen und Klöstern entstanden bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts
mehr als 130 Städte und 1200 Dörfer deutschen Rechtes. Aus
eingesessenen Slawen und eingewanderten Deutschen, die gemeinsam unter
vorteilhaftem deutschen Dorfsiedel- oder deutschem Stadtrecht lebten,
entwickelte sich in friedlichem Miteinander allmählich der ostdeutsche
Neustamm der Schlesien. Das wirtschaftlich und kulturell durch unermüdliche
Arbeit und Leistung seiner Menschen aufblühende Schlesien trennte
sich - innerlich längst deutsch geworden - von Polen auch staatsrechtlich
im Vertrag von Trentschin 1335.
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