Allgemeines:
SCHLESIEN in der deutschen und europäischen Geschichte
 

 
Bundesvorstand:

 

Schlesiertreffen:

 

Verkaufsstübel:

 

- 3 -

Zu Beginn des 13 Jahrhunderts war es den energischen Herzogen Heinrich l. dem Gemahl der hl Hedwig, und ihrem Sohn Heinrich II für kurze Zeit gelungen, ein politisches schlesisches Kraftzentrum aufzubauen, das weite Teile Polens, der Lausitz und der angrenzenden Gebiete oderabwärts an sich zog. Mit dem jähen Tode Heinrichs II auf der Wahlstatt bei Liegnitz im Kampf gegen die Mongolen 1241 brach das machtvoll aufstrebende, "schlesische Reich" unter seinen unmündigen Söhnen zusammen und zerfiel durch fortwahrende Teilungen in eine Vielzahl kleiner und kleinster Teilfürstentümer Da es im ebenfalls zersplitterten Polen an einer bestimmenden Zentralgewalt fehlte, begann Böhmen in das an seiner Ostflanke entstehende machtpolitische Vakuum einzudringen. Seit dem Ende des 13 Jahrhunderts unterstellten sich die schlesischen Plasten schutzsuchend einer nach dem anderen der böhmischen Oberhoheit der Premysliden und nach ihrem Aussterben der Luxemburger und schieden so mit ihren weithin eingedeutschten Territorien aus dem Verbande Polens aus. Im Vertrage von Trentschin 1335, ratifiziert 1339, wurde diese Entwicklung vom polnischen König Kasimir III in aller Form anerkannt. Er erklärte für sich, seine Erben, Miterben und Nachfolger urkundlich unter Eid, Berührung der heiligen Evangelien und automatischem Verfall der Exkommunikation bei Zuwiderhandlung, dass er keinerlei Anspruche auf Schlesien habe, noch jemals in Zukunft erheben werde.

Schlesien war damit seit dem 13 Jahrhundert nicht nur ein in friedlichem und rechtlichem Prozess deutsch besiedeltes und kulturell deutsch geprägtes Land geworden, sondern gehörte auch seit der ersten Hälfte des 14 Jahrhunderts als böhmisches Nebenland staatsrechtlich zum Deutschen Reich. 1348 wurde es von Karl IV als deutscher König 1355 als römischer Kaiser, feierlich in die Krone Böhmens inkorporiert. Die Krone Böhmen aber war bis 1806 Bestandteil des Deutschen Reiches, der König von Böhmen deutscher Kurfürst.
In der dritten, der böhmischen Periode von 1335-1526, konnte Schlesien zunächst im 14 Jahrhundert unter der sicheren Regierung der Luxemburger seine Aufwärtsentwicklung, seine wachsende wirtschaftliche und kulturelle Blute ungestört fortsetzen. Ein spürbarer Rückschlag setzte erst im 15 Jahrhundert mit den Hussitenkriegen und den böhmischen Thronstreitigkeiten ein. 1420 wurde in Breslau als Ausdruck der Reichszugehörigkeit von Kaiser Sigismund ein Reichstag abgehalten, der das Oderland in der Rolle eines Hauptwiderstandszentrums gegen die reichs- und kirchenfeindlichen Hussiten bestätigte und bestärkte. Die folgenden beiden Jahrzehnte waren ganz von den Hussitenkämpfen erfüllt und sahen bald verheerende hussitische Einfälle in Schlesien, bald Schlesier kämpfend in Böhmen. Auch die anschließenden langen Regierungswirren in Prag ließen das ausgeblutete schlesische Land nicht zur Ruhe kommen. Ganz im Gegenteil: jetzt schaltete sich der Nachbar im Süden, Ungarn, ein. Seinem energischen König Matthias Corvinus gelang es, Mähren, Schlesien und die Lausitz zu erobern (1469), sie verwaltungsmäßig zu zentralisieren und bis zu seinem Tode (1490) als ungarische Nebenländer zu behaupten.
Das 16 Jahrhundert brachte den Beginn der vierten, der österreichischen Periode der schlesischen Geschichte 1526 erbten die Habsburger sowohl die ungarische wie die böhmische Königskrone und damit auch die Herrschaft über Schlesien. Seine politische kulturelle und wirtschaftliche Ausrichtung nach Süden in den Donauraum blieb also weiterhin erhalten, der eigentliche politische und kulturelle Bezugspunkt aber verlagerte sich nun von Prag und Budapest in die große Kaiserstadt Wien. Die österreichische Zeit Schlesiens dauerte rund 220 Jahre, von 1526 bis 1742/63, und war damit rund 20 Jahre länger als die nachfolgende Zugehörigkeit Schlesiens zu Preußen. Sie hat dem Lande entscheidende Züge aufgeprägt, in der Konfessionsfrage zum Beispiel.


Seite 4