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SCHLESIEN in der deutschen und europäischen Geschichte
 

 
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Luthers Reformation hat in Schlesien früh Fuß gefasst und sich rasch über das ganze Land ausgebreitet. Am Ausgang des 16 Jahrhunderts durften schätzungsweise neun Zehntel der Schlesier dem Luthertum, das sich allerdings anfänglich in seinen äußeren Formen nur unscharf von der alten Kirche abhob, zugeneigt haben. Da die Wittenberger Reformation im Osten vorwiegend von der deutschen Bevölkerung angenommen wurde, ist dies ein deutlicher Hinweis auf den damals deutschen Charakter der schlesischen Bevölkerung. Erst im 17 Jahrhundert gelang es der erneuerten katholischen Kirche in der Gegenreformation mit Unterstützung des habsburgischen Staates die Abfallbewegung aufzufangen und den kleineren Teil der Gläubigen sowie zahlreiche verlorengegangene Kirchen und Kloster zurückzugewinnen oder wiederzuerrichten. Dabei wurden nicht immer nur missionarische pastoral-seelsorgerische Überzeugungsmethoden angewendet, sondern hier und da auch mit Verlockungen, ja selbst mit mehr oder minder starkem Druck, der bis zu Flucht und Auswanderung führen konnte, gearbeitet. Hatten in der Anfangsphase der Reformation der katholische Klerus, die Ordensgeistlichkeit und der katholisch bleibende Bevölkerungsteil Benachteiligungen und Bedruckungen zu erleiden, so waren es später die Evangelischen, die infolge des reichsrechtlich festgelegten Grundsatzes "cuius regio, eius religio" (Der Landesherr bestimmt die Religion seiner Untertanen) in ihrer freien Religionsausübung behindert wurden. Als sich die Schweden dann ihrer schlesischen Religionsverwandten annahmen und ins habsburgisch-kaiserliche Schlesien mit ihren Truppen eindrangen, trugen sie damit den großen 30-jährigen europäischen Macht und Religionskonflikt in das Oderland. Er suchte es schwer heim und dezimierte die Bevölkerung grausam. Die Katholiken lernten die siegreichen Schweden, die Protestanten das Kriegsglück der Kaiserlichen fürchten. Das von beiden kriegsführenden Parteien unterschiedslos ausgeplünderte Land, das nach alter Gewohnheit den Krieg ernähren musste, litt in jedem Falle und immer.


Die vielfältigen Spannungen, Unsicherheiten, Widersprüche und beklagenswerten Leiden der Zeit gerieten aber nicht nur zum Unheil, sie bewirkten eine tiefe Verinnerlichung und Vergeistigung, die in der Hochblute der schlesischen Mystik und Barockdichtung ihren sichtbaren Ausdruck fand. Mit klangvollen Namen wie Martin Opitz, Andreas Gryphius, Hofmann von Hofmannswaldau, Friedrich von Logau, Daniel Caspar von Lohenstein, Jakob Böhme und Angelus Silesius übernahm Schlesien für Jahrzehnte die Führung in der deutschen Literatur und wirkte anregend und beispielgebend weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus. Da erst 1702 in Breslau eine Universität errichtet wurde, war die studierwillige schlesische akademische Jugend bis dahin gezwungen, die deutschen und europäischen hohen Schulen außerhalb des Landes zu besuchen, das Eigene wurde so immer wieder hinaus-, und das Fremde hineingetragen. Aufgeschlossenheit und Toleranz waren die natürliche Folge.

In Parallele zum Geistesleben nahmen bald nach dem 30-jährigen Krieg auch die Baukunst, Malerei und Skulptur im gegenreformatorischen Barock einen ungeahnten glanzvollen Aufschwung. Landauf landab entstanden bald prächtige Neubauten von ganzen Klosterkomplexen, von Kirchen und Kapellen, bald wurden bestehende Anlagen und Gotteshäuser in barocken Formen prächtig neu aus- und umgestaltet. Selbst die vergleichsweise bescheidenen evangelischen Friedens- und Gnadenkirchen zeigten ein anderswo ungewohntes barockes Gewand.

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