ps    Pressedienst Schlesien

Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 05/2005                                                                                                                                                             27. Januar 2005

Das war und ist Schlesien

Schlesien. Großer Atlas zur Heimat und Geschichte Schlesiens.

Archiv Verlag Braunschweig, 84 S. 2004 Bibliotheks-Ausgabe 99,80 Euro

1913 war der “Heimatatlas für die Provinz Schlesien“ zum ersten Mal erschienen und wurde 1925 neu auferlegt. Fedor Sommer ( 1864 – 1930 ), Schriftsteller und Schulrat, war der verantwortliche Herausgeber. Jetzt in der neuen Vorlage sind es 50 farbige Landkarten und Pläne der Städte Schlesiens. Dazu kommen 90 historische Aufnahmen. Die Landkarten zeigen Schlesien vor dem Ersten Weltkrieg, also einschließlich Ost- Oberschlesiens und des Hultschiner Ländchens, während in dem sehr lesenswerten „Zahlen zur Heimatkunde von Schlesien“ bereits die nach dem Ersten Weltkrieg an Polen und die Tschechoslowakei abgetretenen und verlorenen Gebiete nicht mehr einbezogen werden.

Im Geleitwort heißt es zum Schluss:  „Unter den 16 Wojewodschaften im heutigen Polen tragen die drei Wojewodschaften Schlesien im Namen: Niederschlesien, Oppelner Schlesien, Schlesien. Noch immer fließt die Oder durch das Land, ist die Schneekoppe im Riesengebirge mit 1604 m der höchste Berg, Breslau die Hauptstadt ganz Schlesiens, Oberschlesien das Industrierevier. Wir müssen Acht geben, dass Schlesien hierzulande keine terra incognita ( ein fernes, fremdes unbekanntes Land) wird“.

Man kann die Anzeige der Neuerscheinung dieses Heimat-Atlasses mit den Sätzen beginnen: Wer sich seiner Heimat Schlesien geistig vergewissern will, der greife zu diesem Band. Wer anderen, der Jugend, unseren Mitbürgern über Schlesien berichten und Kenntnisse vermitteln will, auch der greife zu diesem Atlas.

Noch war die Provinz Schlesien in drei Verwaltungen aufgeteilt: Niederschlesien mit Liegnitz als Regierungssitz, Mittelschlesien mit Breslau und Oberschlesien mit Oppeln. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Oberschlesien eine selbständige Provinz, und es gab und gibt bis heute im deutschen Bewusstsein Nieder- und Oberschlesien. Die alten Teilprovinzen Nieder- und Mittelschlesien sind gründlicher, das heißt vielfältiger dokumentiert als das seinerzeitige ganze und große Oberschlesien. Die in den Farben hervorragend reproduzierten physischen Landkarten von ganz Schlesien sind geradezu eine Augenweide und Zeugnis der Vielgestaltigkeit und gleichzeitig der Schönheit der Provinz Schlesien, heute sagen wir des Landes Schlesien.

Auf der letzten Seite geben die Zahlen und Statistiken von der Einwohnerzahl der Städtel und Städte über Bodennutzung und Verkehr bis zur Witterung in den 12 Monaten des Jahres 1927 zuverlässige Auskunft. Davor geschaltet ist der „Historische Teil“, beginnend mit einer Kurzgeschichte von Breslau. Unter den ausgewählten großen Schlesier werden

jenseits von Adolph von Menzel und Paul Ehrlich auch Otto Mueller, der Maler des Expressionismus (mit einem falschen Todesdatum), Edith Stein, die Ordensfrau jüdischer Herkunft (die Seligsprechung wird notiert, die Heiligsprechung vergessen), Helmuth James Graf von Moltke, der Mann des Kreisauer Kreises, und Günther Bialas, der Musikpädagoge und berühmte Komponist, genannt. Leider vermisst man, was zur Fortschreibung der Geschichte notwendig gewesen wäre, einen Zahlenbericht über die Abstimmung in Oberschlesien.

Unter den vielen Schwarz-Weiß Fotos, ein großes Angebot, stößt man auf den Zeitgeschmack der Erstausgabe, wenn für Görlitz das “Haus der Oberlausitzischen Gesellschaft für Wissenschaft“, für Liegnitz ein Geschäftshaus, für Ratibor eine Volksschule kennzeichnend sein sollen. Die Schönheit von vorzeigbaren Objekten war leider damals ganz vergessen worden.

Erfreulich, dass gelegentlich auch die ehedem österreichische Nachbarregion mit dem Altvatergebirge, mit Hohenelbe und der Spindlerbaude, sogar Gablonz miteinbezogen wurden.

Richtig ist die Feststellung in der Einleitung: „Die Zeit hat manche der Bilder, die zu den einzelnen Erinnerungen gehören, verblassen lassen und ihnen zum Teil die farbige Lebendigkeit genommen, die sie einst hatten. So soll mit dem ’Heimatatlas’ das alte Schlesien noch einmal lebendig werden“. Die rühmliche Absicht erfüllt die Sammlung von Landkarten, Bilder aus vergangener Zeit und historischen Reminiszenzen. Allerdings will dieses Buch nicht nur flüchtig durchgeblättert werden, der Heimatatlas Schlesien lädt vielmehr zum Studieren und Verweilen ein.

                                                                                                            Herbert Hupka

 

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.