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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 12/2005                                                                                                                                                              05. April 2005

Vertreibung nicht länger bagatellisieren

- Wahrheit ist Menschenrecht –

- Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien –

Die deutschen Heimatvertriebenen hatten sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, ein Nischendasein zu führen, verursacht durch ein anerzogenes kollektives Gewissen, das den Deutschen allein die Rolle als Täter zuwies, wo sich ein von oben verordneter geschichtspolitischer Konsens darauf konzentriert, jede Abweichung als entartet darzustellen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 18.3.2005 feststellte. In diesem Klima fiel es schwer, manche Dinge beim Namen zu nennen. Moderate Aussagen über die Vertreibung wurden so selbst bei Vertriebenen zur Normalität, was im Gegensatz zu den deutlichen, teilweise in brutaler Offenheit vorgetragenen Schilderungen anderer Opfergruppen steht. Anerkennung findet die Zurückhaltung der Vertriebenen nicht. Im Gegenteil! Man scheut nicht davor zurück, ihre Leiden, das an ihnen begangene Unrecht, stets nur in der Verpackung einer Aufrechnung darzustellen.  Kritik an dieser deutschen Krankheit kam im letzten Jahr aus dem Ausland. Der Tscheche Dolezal und der Ungar Esterházy sprachen in ihren bekannten Reden das aus, was viele Vertriebene empfinden, aber im offiziellen Deutschland nicht gewünscht ist.

Frei von deutschen Hemmungen zeigte sich kürzlich auch der amerikanische Völkerrechtler und Historiker Prof. Dr. Alfred de Zayas in seinem Vortrag anlässlich einer Feierstunde des BdV Nordrhein-Westfalen am 19.3.2005 in Düsseldorf. Im Beisein des Oppositionsführers im nordrhein-westfälischen Landtag, Dr. Jürgen Rüttgers, fand er für das an den deutschen Vertriebenen verübte Verbrechen offene und klare Worte, die auszusprechen ein Deutscher sich kaum traut. Besonderes Gewicht erhalten de Zayas Ausführungen dadurch, dass er auf eine 22-jährige Tätigkeit als Völkerrechtler im Zentrum für Menschenrechte der Vereinten Nationen, nämlich als ehemaliger Sekretär des UNO-Menschenrechtsausschusses und als ehemaliger Chef der Petitionsabteilung im Büro des Hochkommissars für Menschenrechte, zurückblicken kann.

Die Vertreibung der Deutschen war völkerrechtswidrig und ein Verbrechen gegen die Menschheit, weil alle Menschen betreffend, so de Zayas. Die im Rahmen des Verbrechens begangenen zahlreichen mörderischen Übergriffe sollten Vertreibungsexzesse genannt werden, die auch als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden können. Für die Vertreibung gibt es keine historische oder moralische Rechtfertigung, sie war insbesondere auch keine Strafe für Hitler, denn die polnischen und tschechischen territorialen Ansprüche und Vertreibungsprojekte existierten nachweislich schon seit dem Ersten Weltkrieg. Es war Landraub im großen Stil. Der Zweite Weltkrieg war keinesfalls die Ursache der Vertreibung – sondern nur der unmittelbare Anlass und basierte auf der Machtfülle der Sieger, was wir auch heute noch beobachten können, so de Zayas weiter.

Scharf wandte er sich gegen die menschenverachtende Aufteilung der Welt nach einer primitiven Schablone von Tätern und Opfern, weil sie nichts mit Geschichte, Wissenschaft oder politischen Realitäten zu tun hat. Diese Sichtweise bezeichnete er als Verlogenheit und Obszönität, denn Schuld und Unschuld sind individuell und nicht kollektiv.

In diesem Zusammenhang gesehen gibt es auch keine politisch korrekten oder politisch inkorrekten Opfer, weil alle Opfer dieselbe menschliche Würde haben, stellte de Zayas fest. Für ihn gibt es nur Menschen, die gelitten haben und Anspruch auf menschliches Mitgefühl, auf

Respekt und Wiedergutmachung haben. Nur Deutschland hat sich nach 1945 gewissenhaft und schmerzhaft der Aufgabe unterworfen, individuelle Schuld eigener Bürger zu verfolgen und im Rahmen des Möglichen Wiedergutmachung zu leisten.

Anhand von Zeitdokumenten von Alexander Solschenizyn, Lew Kopelew, des ehemaligen amerikanischen Botschafters George Kennan, des britischen Publizisten Viktor Gollanz und des Generals Eisenhower belegte er die außergewöhnliche Brutalität mit der die Sowjets, aber auch Polen und Tschechen, bei ihrem Einmarsch und bei der Vertreibung vorgegangen sind.

De Zayas bezeichnete es als besorgniserregend, wenn Journalisten, Historiker und Politiker in Tschechien und Polen die Vertreibung ständig bagatellisieren und relativieren. (Anmerkung des Verfassers: Ein Beispiel hierfür lieferten gerade die polnischen Professoren Jonca, Sitek und Wrzesinski von der Universität Breslau in einem Gutachten an die Staatsanwaltschaft in Hirschberg/Niederschlesien.) Weshalb auch deutsche Journalisten, Historiker und Politiker sich ebenso verhalten, ist nicht nachvollziehbar.

Zu beklagen ist, so der Referent, dass völkerrechtliche Normen mit ihrer Umsetzung nicht identisch sind und dass es Normen gibt, die ungestraft missachtet werden. So wurden weder die Massenmörder Pol Pot, Idi Amin, Bomber-Harris, Eduard Beneś oder Wladyslaw Gomulka jemals zur Verantwortung gezogen.

Atemberaubend ist nach de Zayas Worten auch die intellektuelle Unredlichkeit der Journalisten und Historiker in Deutschland und Amerika damals wie heute. Zum Verständnis der Vertreibung gehört es, nicht mit 1933 oder mit 1939 anzufangen, da der Zweite Weltkrieg bereits seit Versailles programmiert gewesen sei. Er verwies auch auf die Feststellungen des Völkerbundes und des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in den Haag, die wiederholt die Diskriminierung und Terrorisierung der deutschen Volksgruppen in Polen und der Tschechoslowakei zwischen den beiden Weltkriegen verurteilten.

Ständige Lippenbekenntnisse zu den Menschenrechten stimmen heute nicht mit dem politischen Handeln überein, so dass Polen und Tschechien ohne Konditionen in die EU aufgenommen wurden und ohne dass sie die Kopenhagener Kriterien von 1993 erfüllt haben.

Gerade auf die heutige Diskussion über das Potsdamer Protokoll bezogen stellte de Zayas fest, dass dieses Dokument von Geschichtsklitterern in Polen und Tschechien politisch missbraucht wird, vor allem, weil sie Art. XIII des Protokolls als eine alliierte Anordnung zur Vertreibung interpretieren.

Da heute das Thema Vertreibung kein Tabu mehr ist, sollten wir dafür sorgen, dass die Diskussion nicht von einem verkrampften Zeitgeist geleitet wird, sondern von einem echten Interesse an Wahrheit – denn Wahrheit ist auch ein Menschenrecht. Dabei darf kein Themenkomplex ausgeklammert werden.

De Zayas schloss mit der Aussage: Alle wollen Verständigung – aber keinen Versöhnungskitsch. Alle wollen Verständigung auf der Basis der Menschenrechte und der historischen Wahrheit.

Für wohl jeden Zuhörer bedeuteten die Worte des prominenten Völkerrechtlers und Historikers eine besondere Motivation für die weitere Arbeit. Gerade für die, deren Standfestigkeit durch ständige Angriffe angeschlagen ist, sind Bestätigungen dieser Art sicher eine wertvolle Hilfe zur Selbstbesinnung.

Dass es inzwischen eine Minderheit von Vertriebenen gibt, die sich von Grundsätzen unserer politischen Zielsetzungen entfernt hat, allen voran der Herausgeber der Zeitungen „Schlesien heute“ und „Oberschlesien“, ist zutiefst bedauerlich. Allerdings müssen wir seit der deutschen Einheit mit Wendehälsen leben.

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.