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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 13/2005                                                                                                                                                              15. April 2005

08. Mai 1945 und die Folgen .......

- Erklärung der Landsmannschaft Schlesien, Nieder- und Oberschlesien e.V.-

Vor 60 Jahren, am 08. Mai 1945, endete mit der Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Nach sechs von unsäglichem Leid, Not, Zerstörung und millionenfachem Tod erfüllten Kriegsjahren schwiegen an allen Fronten die Waffen. Gleichzeitig brach das nationalsozialistische Regime, die Ursache des Unheils, in sich zusammen. Dies war und ist sicherlich ein Grund zur Freude. Andererseits durchlebte Deutschland damals orientierungs- und regierungslos eine beängstigende Stunde Null, ohne dass Frieden und Freiheit für die Deutschen Wirklichkeit wurden.

Im eigentlichen Sinne befreit konnten sich nur jene fühlen, die als besondere Opfer des untergegangenen Regimes unmittelbar aus Gefängnissen und Lagern frei kamen. Alle anderen Deutschen sahen sich als Besiegte kollektiv den alliierten Besatzungsmächten „bedingungslos“ unterworfen und entmündigt.

Insgesamt noch am besten erging es dabei den Deutschen im Westen des Reiches. Sie hatten den verheerenden Bombenkrieg endgültig hinter sich und waren beim Einmarsch der westlichen Alliierten – ohne größere Kämpfe und Verluste – vergleichsweise glimpflich davongekommen. Das von Engländern, Franzosen und Amerikanern eingerichtete Besatzungsregiment gestaltete sich - ungeachtet mancher Einschränkungen und Eingriffe - im ganzen moderat und leitete schon nach kurzer Zeit in demokratische und rechtsstaatliche Bahnen über. Menschenrechte, Heimat und Besitz blieben durchweg unangetastet. Die 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründete freiheitlich-demokratische Bundesrepublik bot ihren Bürgern überdies schon bald wachsenden Wohlstand.

Ungleich härter traf es die Mitteldeutschen zwischen Elbe und Oder. Erbitterte Kämpfe und das schonungslose Vorgehen der Roten Armee verursachten hier nicht nur schwere Verwüstungen, sondern kosteten auch vielen Menschen Gesundheit und Leben. Hinzu kamen zügellose Plünderungen der Rotarmisten auf breiter Front, unaufhörliche Vergewaltigung von Frauen, massenhafte Deportationen in die Zwangsarbeit, Einkerkerung und Ermordung von politischen Gegnern. Die Leiden der Bevölkerung endeten keineswegs mit dem 08. Mai, sie nahmen fortan nur eine andere Gestalt an: die nationalsozialistische Diktatur wurde nahezu nahtlos durch eine stalinistische abgelöst, die dann geradewegs in die kommunistische DDR einmündete, die als Staat bis 1989 Bestand hatte.

Das schlimmste Schicksal jedoch hatten die Deutschen östlich von Oder und Neiße zu erleiden. Hier kam es beim ersten Betreten deutschen Bodens durch die zu Rache angestachelte Rote Armee Stalins neben sinnlosen Zerstörungen zu zahllosen furchtbaren Gewaltakten gegenüber der Zivilbevölkerung, über die in erschütternder Weise die vielbändige „Dokumentation der Vertreibung“ berichtet. Auch hier brachte der 08. Mai für die Menschen weder Freiheit noch Frieden, sondern lediglich eine andere, neue, sich vielfach noch ärger, als dies früher der Fall war, auswirkende Form der Bedrückung und gewaltsamen Unterdrückung.

Wer nicht vor der zurückweichenden Front hatte fliehen können und überlebte, wurde oft schon nach wenigen Wochen, ja zum Teil nur Tagen, von den auf die vorrückenden Sowjets folgenden Polen drangsaliert, entrechtet, seiner Habe beraubt und schließlich aus Haus, Hof und Heimat vertrieben. Millionen von Ostdeutschen widerfuhr dies nach dem Waffenstillstand am 08. Mai, Hunderttausende verloren dabei unter schrecklichen Umständen ihr Leben oder ihre Lebenskraft.

Wer bei allem Unglück Glück hatte, gelangte als Vertriebener fremd und mittellos in das Gebiet der späteren Bundesrepublik, wer Pech hatte, geriet in die Unfreiheit der kommunistischen Sowjetzone bzw. die der späteren DDR. Zum Verlust von Heimat und Besitz kam in diesem Falle dann noch das Leben in einem totalitären System hinzu.

Wieder anders erging es den in der ostdeutschen Heimat als sogenannte Autochthonen zurückgebliebenen Deutschen. Sie wurden vom kommunistischen polnischen Staat mit dem Ziel, sie ihrer Identität zu berauben, jahrzehntelang einer radikalen Polonisierung unterworfen, diskriminiert und unterdrückt. Erst mit der politischen Wende 1989 begann sich dieser Zustand positiv zu ändern.

Nicht vergessen werden dürfen schließlich die Millionen zumeist in die Sowjetunion zu Zwangsarbeit verschleppten deutschen Kriegsgefangenen und willkürlich aufgegriffenen Zivilisten, Männer wie Frauen, die unter härtesten Bedingungen ihr Leben fristen mussten und zu einem großen Teil nicht überlebten oder erst nach Jahren, oftmals krank und gebrochen, nach Deutschland zurückkehrten. Die aus dem Osten Stammenden sahen dabei die Heimat nicht wieder. Sie erwartete bei der Rückkehr das Vertriebenenschicksal ihrer heimatlos gewordenen Anverwandten und früheren Mitbürger.

Für alle diese Gefangenen und Verschleppten wie für die Masse der Ost- und Mitteldeutschen brachte das Kriegsende am 08. Mai 1945 also weder Freiheit noch Frieden, sondern nur von anderer Seite eine neue Form von Unfreiheit, Unrecht und Gewalt, die vielfach in ihr Leben in weit stärkerem Maße eingriffen und es dauerhafter bestimmten, als dies zuvor jemals der Fall gewesen war. Ja, für die meisten der vielen Millionen von Betroffenen, auch aus anderen Ländern Ost- und Südosteuropas, begann der eigentliche, schwerere Leidensweg, das schmerzlichere Martyrium, erst jetzt nach Kriegsende. Für alle, die diesen Weg ohne eigenes Verschulden gehen mussten, kann der 08. Mai daher kein Tag der Freude sein. Er bleibt ein bedrückendes Datum für den Wechsel von einer Tyrannei in eine andere. Angesichts der millionenfachen Opfer und schweren Leiden, die nach dem 08. Mai 1945 ihren Anfang nahmen, ist es angemessen, in der Rückerinnerung Trauer zu empfinden.

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.