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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 16/2005                                                                                                                                                              06. Mai 2005

Vertreibung nicht länger bagatellisier

Landsmannschaft Schlesien hält Kurs

- Bundesdelegiertentagung diskutierte aktuelle Anliegen -

Die Schlesier werden auch künftig in ihrer Aussage verlässlich bleiben und an ihren Grundsätzen festhalten. Wer die Aufgaben der Vertriebenen auf die Förderung des kollektiven Gedächtnisses, auf die Pflege des kulturellen Erbes und auf Besuche in der Heimat reduziert, blendet die wesentlichen Satzungsanliegen aus, so die Aussage des Bundesvorsitzenden Rudi Pawelka auf der Bundesdelegiertentagung - Schlesische Landesvertretung - am 30.04.2005 in Goslar, zu der auch der Bundesehrenvorsitzende, Dr. Herbert Hupka, mit großem Beifall begrüßt werden konnte.

Zu den wichtigen Aufgaben der Vertriebenen zählen vor allem die Lösung offener Fragen, die über Jahrzehnte angestrebt und von Politikern versprochen wurde. Hierzu gehören die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter, eine Regelung der Eigentumsfrage, die Rückgabe der Beutekunst durch Polen und die Durchsetzung eines europäischen Standards des Minderheitenrechts für die Deutschen. Die Landsmannschaft Schlesien hat nach Meinung des Bundesvorsitzenden in der Vergangenheit viel für die Verständigung geleistet, diese Arbeit wird trotz vieler Hindernisse in der Zukunft fortgesetzt. Dies dürfe aber keine Einbahnstrasse sein, auch von polnischer Seite müssten gleiche Initiativen ausgehen. Pawelka zitierte Aussagen eines polnischen Wissenschaftlers sowie eines amerikanischen Völkerrechtlers, die in der Feststellung gipfelten: Wir wollen Verstän-digung und keinen Versöhnungskitsch.

Der Mantel des Schweigens liegt zwar nicht mehr über dem Geschehen der Vertreibung, jedoch gibt es in den Medien immer noch die Verpackung der Aufrechnung mit Unrecht des NS-Regimes. Dies führt auch zu Geschichtsklitterungen und bedeutet letztlich eine Missachtung der Würde deutscher Opfer. Pawelka zitierte hierzu mahnende Worte an die Deutschen des Tschechen Dolezal und des Ungarn Esterházy.

Aus dem gebrochenen Verhältnis zur eigenen Nation resultieren auch Eingriffe bei der Förderung der Kultur aus den Vertreibungsgebieten bis hin zu staatlichem Dirigismus und die Weigerung deutscher Politiker, sich für die Lösung offener Fragen einzusetzen. Der Bundesvorsitzende verurteilte in diesem Zusammenhang scharf die Haltung des Bundes-kanzlers in der Eigentumsfrage, die polnischen Nationalismus bedient, aber das Schicksal von Landsleuten in der Heimat, von Aussiedlern und Vertriebenen missachtet. Die auf der Abstammung basierende Diskriminierung hat aber in Europa keinen Platz.

Es steht zu befürchten, dass der bevorstehende 60. Jahrestag des Kriegsendes wiederum sehr einseitig begangen wird. Die Landsmannschaft Schlesien hat deshalb ihrerseits eine Erklärung veröffentlicht, die auch daran erinnern soll, dass das Leiden für Millionen Deutsche, mit Millionen Todesopfern, mit Verschleppung, Zwangsarbeit, Vertreibung und Entrechtung erst nach dem 8. Mai 1945 begann, so Pawelka weiter.

Die Delegierten appellierten an die zwei anwesenden Vorstandsmitglieder des Vereins Haus Schlesien wieder zu einem beidseitig gewollten und notwendigen Einvernehmen mit der Landsmannschaft zu kommen, weil sowohl die Landsmannschaft als auch das Haus Schlesien sich Schlesien verpflichtet fühlen und beide Vereine ein Teil der „großen schlesischen Familie“ sind. An das Patenland der Schlesier, Niedersachsen, ging die dringende Bitte, ein Patenschaftsverhältnis aufzubauen, wie dies in vielen Bundesländern gegenüber anderen Landsmannschaften üblich ist. Hieran gilt es zu arbeiten.

Eine längere Diskussion entwickelte sich um die Eigentumsfrage, deren Lösung von der Versammlung einvernehmlich als dringliches Ziel angesehen wurde. Strittig wurde die Frage des Weges zur Verfolgung dieses Zieles diskutiert. Die Mehrheit der Delegierten sprach der Leitung der Landsmannschaft Schlesien hierzu das Vertrauen aus.

Die Bundesversammlung beschloss die Verkleinerung des geschäftsführenden Bundes-vorstandes von sieben auf fünf Mitglieder und stimmte auch einem Antrag zu, in dem der Bundesvorstand beauftragt wird, sich für die Gründung eines europäischen Dachver-bandes der Schlesier unter Einschluss der sozial-kulturellen Gesellschaften in Schlesien einzusetzen. Der Bundesvorstand wurde auch aufgefordert, notwendige Gespräche mit dem Haus Schlesien aufzunehmen.

Erstmalig sprach ein Schlesier jüdischer Abstammung zu den Delegierten der Lands-mannschaft. Mit seinem Vortrag über „Das jüdische Element in Schlesien – gestern und heute“ verstand es der Referent, Hans-Joachim Goldschmidt, vorzüglich, einen anschau-lichen Überblick über jüdisches Leben in Schlesien seit seinen Ursprüngen zu vermitteln. In seinem Dank hob der Präsident der Bundesdelegiertenversammlung, Prof. Dr. Michael Pietsch, den bedeutenden Anteil der Juden für die kulturelle und geistige Entwicklung Schlesiens hervor.

Das bevorstehende Deutschlandtreffen soll wiederum zu einem Erlebnis für alle Schlesier werden und Schlesien in der Öffentlichkeit bewusst machen. Der Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft Schlesien, Damian Spielvogel, erläuterte der Versammlung den bisherigen Planungsstand, wobei er noch einmal dazu aufrief, für das Treffen zu werben, damit auch dessen Finanzierung gesichert ist.

Die Bundesdelegiertenversammlung zeigte, wie lebendig die Diskussion innerhalb des Verbandes gegenwärtig verläuft. Vor allem die einzelnen Redebeiträge, denen allen durchweg ein hohes Niveau bescheinigt werden kann, ließen erkennen, dass die Landsmannschaft hohes geistiges Potential in ihren Reihen hat.

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.