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der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 19/2005 13. Mai 2005
-Verbrechen
an vielen Völkern Europas vielfach verschwiegen-
-Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der
Landsmannschaft Schlesien-
Im Vorfeld der Feierstunden zum 8. Mai 1945 kam Spannung auf in der
Frage, wie dieses Mal Politiker aus dem In- und Ausland, aber auch die Medien,
mit der Aufarbeitung der Vergangenheit umgehen werden. Wird es wieder eine
einseitige Betrachtung oder gibt es endlich eine ehrliche Auseinandersetzung
mit den geschichtlichen Abläufen?
Zumindest die Rede unseres Bundespräsidenten Horst Köhler zeigte einige
Ansätze, die wegführten von den in der Vergangenheit durchweg gepflegten
Einseitigkeiten. Hatte 1985 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker
mit gleichermaßen provokanten wie auch platten Aussprüchen deutsche Opfer vor
den Kopf gestoßen („erzwungene Wanderschaft“ und „Tag der Befreiung“), so wurde
das schwere Schicksal von vielen Millionen Deutschen während und nach dem Krieg
bei Köhler wenigstens angesprochen. Allerdings ein wenig zaghaft, soweit es die
Vertriebenen betraf. Unerwähnt blieb aber auch bei ihm die Annexion
Ostdeutschlands und das Schicksal der in den Vertreibungsgebieten verbliebenen
Deutschen. Während deutsche Untaten mit klaren Worten verurteilt wurden,
unterblieb dies für die an Deutschen begangenen Verbrechen. Hier bedauerte
Köhler lediglich „die Opfer der Gewalt, die auf Deutschland zurückschlug“.
Besser wäre ein Hinweis darauf gewesen, dass es hierfür keine Berechtigung und
Entschuldigung gibt. Köhlers Worte „Unsere ganze Geschichte bestimmt die
Identität unserer Nation“, hätte konsequenterweise auch auf die ostdeutschen
Kulturtraditionen bezogen werden müssen, denn gerade sie geraten nach der
Vertreibung mehr und mehr in Vergessenheit. Unverzeihlich ist in diesem Zusammenhang
der fehlende Hinweis darauf, was es für ein Kulturvolk bedeutet, wenn ein
wichtiger Teil des Landes, wie es Ostdeutschland war, verloren geht.
Positiv hervorzuheben sind allerdings Aussagen zur deutschen Nation, die
an frühere Reden anknüpfen. Es war klar, dass linke Kräfte hier sofort mit
ihrer Kritik ansetzen. Etwas weniger Nationalstolz und dafür mehr
Bescheidenheit und mehr Beschäftigung mit dem Thema „Befreiung vom
Nationalsozialismus“, so wurde entgegengehalten. Hier zeigt sich, wie nachhaltig
die politische Instrumentalisierung der nationalsozialistischen Untaten wirkt.
„Mit Hitler haben sich die Deutschen das Rückgrat gebrochen. Und sie gehen
immer noch krumm. Deutschland ist heute die pazifistischste, harmloseste,
europäischste, uneigennützigste Nation in Europa“, schrieb am 8.5.2005 die
“Welt am Sonntag“ treffend. „Nach Gernegroß kam Gerneklein, auch in der
Außenpolitik. Deutsche Interessen? Haben wir nicht,“ so hieß es weiter.
Auch wenn in den letzten Tagen viele Medien auch auf die deutschen Opfer
eingingen, ein echter Durchbruch war dies nicht. Noch immer wird zynisch von
Ursache und Wirkung gesprochen, die Geschichte verkürzt dargestellt, so als ob
es die Zeit vor 1933 nicht gegeben hätte. Noch immer wird auch die These von
der Befreiung überstrapaziert. Theodor Heuß, der von der fragwürdigsten
Paradoxie sprach, „weil wir erlöst und
vernichtet in einem gewesen sind“, scheint oftmals vergessen, so wie
Kanzler Schröder es bei den Feierlichkeiten im vergangenen Jahr anlässlich der
alliierten Landung in der Normandie erkennen ließ. Für ihn sei der 8. Mai 1945
kein Sieg über Deutschland, sondern für Deutschland gewesen, so seine
Feststellung. Er hat eine derartige Aussage jetzt zwar nicht mehr wiederholt,
allerdings war sein Auftreten in Moskau, bei seinem „lupenreinen Demokraten“,
dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, eher demütigend als es von einem
partnerschaftlichen Verhältnis zeugte. Auch wenn Schröder es als Auszeichnung
empfand, überhaupt eingeladen worden zu sein, so waren sein Besuch und sein
Verhalten für uns blamabel und enttäuschend. Während die baltischen Staaten es
nicht versäumten, auf das ihnen angetane Unrecht hinzuweisen, wobei sie von
US-Präsident George W. Bush kräftig unterstützt wurden, kam von Schröder kein
Wort über die von der Sowjetunion begangenen Völkerrechtsverbrechen an anderen
Völkern, die insbesondere auch das deutsche Volk betrafen. So konnte sich Putin
ganz in die Sonne als Befreier von elf europäischen Staaten stellen. Dabei wäre
es an der Zeit gewesen, als Zeichen der Versöhnung ein Bekenntnis zu dem
eigenen Unrecht abzugeben. Was man von der Türkei gegenüber den Armeniern
fordert und als Eintrittskarte nach Europa bezeichnet, muss auch gegenüber
Russland als Maßstab gelten.
Während die baltischen Staaten wenigstens noch ins Gespräch gebracht
wurden, erinnerte niemand an die vielen anderen Völker, die unter der
russischen Knute zu leiden hatten. Zu wünschen wäre es in diesem Zusammenhang
gewesen, wenigstens den sowjetischen Überfall auf Finnland zu erwähnen, der
Annexion und Vertreibung durch die Sowjetunion zur Folge hatte. Auch wenn
manche Zeitung über die finnische Tragödie berichtete, so vergaß selbst die
ansonsten gut berichtende Frankfurter Allgemeine Zeitung auf die Vertreibung
jedes achten Finnen hinzuweisen.
„Die eigenen Missetaten durch die deutschen Missetaten zu verdecken, ist
eine europäische Gewohnheit“, dieser Satz des ungarischen Schriftstellers Peter
Esterhazy ist 60 Jahre nach Kriegsende leider eindrucksvoll bestätigt worden,
mit tätiger Mithilfe deutscher Politiker. Solange dies so bleibt, wird ein
dauerhaftes unbefangenes Verhältnis zwischen den Völkern nicht möglich sein.
Die Leugnung eigener Schuld trifft noch heute die Opfer und macht selbst
Ansätze zu einer Wiedergutmachung zunichte. Millionen Tote nach dem 8.5.1945
hätten etwas anderes verdient. Keine Antwort kam dann auf die Frage, wie man
denn dieser Opfer in Würde gedenken wolle.
Die Erinnerung an den 8. Mai bleibt widersprüchlich und gebrochen.