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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 22/2005                                                                                                                                                              30. Mai 2005

Deutschlandtreffen: Standortbestimmung und Heimatfest

- Nürnberg fordert uns jetzt alle -

- Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien -

Wenn sich die Schlesier 60 Jahre nach Kriegsende in Nürnberg wiederum zu einem großen Heimatfest zusammenfinden, so bietet gerade ein so runder Gedenktag besten Anlass dafür, Bilanz zu ziehen, aber vor allem auch die ungelösten Fragen aus der Vertreibung anzumahnen.

 

Wir haben alle verfolgt, wie von Seiten der Politik mit dem 8. Mai 1945 umgegangen wurde, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. In den Jubel um die Niederringung des NS-Regimes, und damit Deutschlands, mischten sich zwar bei uns auch Stimmen, die an das Leid von Deutschen und das ihnen gegenüber während und nach dem Krieg angetane Unrecht erinnerten, jedoch erfolgte dies nur in der Verpackung der Aufrechnung mit NS-Unrecht.

Es trifft sich deshalb gut, dass unser Deutschlandtreffen kurz nach dem 60. Jahrestag des Kriegsendes stattfindet, bietet die Veranstaltung doch Gelegenheit, öffentlich Korrekturen anzubringen, auf Unterlassenes hinzuweisen, Verzerrungen offen zulegen und eigene Zielsetzungen zu formulieren. Was unsere Anliegen betrifft, so gilt es festzustellen, dass sich inzwischen eine Phalanx gebildet hat, die offen die Rechte der Vertriebenen bekämpft. Man fragt sich, wieso Politiker und Journalisten ein Ziel darin sehen können, Rechte von Opfern abzuschreiben, gibt es doch in anderen Ländern stets Solidarität mit den Teilen des eigenen Volkes, denen Unrecht zugefügt wurde.

Hier fragt man nicht zuerst danach, wie denn die Täter in anderen Staaten reagieren würden, wenn eigene Opfer Forderungen stellen. Bei uns dagegen versteht man sich darauf, Vertriebene für alle büßen zu lassen, um damit unbewältigte Schuldkomplexe aufzuarbeiten. Es ist aber auch die Angst vor Kritik aus dem In- und Ausland, die man befürchtet, falls Anliegen der Vertriebenen zur Sprache gebracht werden. Diese Angst führt auch dazu, dass alte Versprechen gegenüber den Vertriebenen jetzt gebrochen werden.

Als Vorreiter im Abgesang unserer Rechte verstand sich im vergangenen Jahr Bundeskanzler Schröder. Ein derartig unverfrorenes Agieren gegen einen Teil des eigenen Volkes steht für Einmaligkeit auf der Welt. Es kann nicht sein, dass die Vorteile anderer Staaten von deutschen Politikern über das Recht deutscher Staatsbürger gestellt werden. Wer schmerzhaft das Gesicht verzieht, wenn es um deutsche Opfer geht, weil er damit nichts zu tun haben will, ist kein Anwalt der Deutschen. Wir werden uns nicht scheuen, dies deutlich zu sagen.

Viel ist von unseren Gegnern, vor allem von der Bundesregierung getan worden, um die Pflege ostdeutscher Kulturtraditionen zu behindern. Hierüber ist häufig berichtet worden. Mit unserem Deutschlandtreffen wollen wir auch hiergegen ein Zeichen setzen, denn ohne die ostdeutsche Komponente ist Deutschland um vieles ärmer.

Wenn wir wiederum Schlesier aus allen Teilen der Welt bei uns zu Gast haben werden, dann zeigt dies,  dass die Schlesier eine große Familie sind, die zusammensteht. Dieses Zusammenstehen ist insbesondere für unsere Landsleute, die heute noch in der Heimat leben, von großer Bedeutung. Nach Jahrzehnten der rassischen Unterdrückung nach dem Krieg leiden diese Deutschen nunmehr unter einem polnischen Minderheitengesetz, das unvereinbar ist mit dem Rahmenabkommen des Europarates und das zugleich das schlechteste Minderheitengesetz in der Europäischen Union darstellt.

Für uns bedeutet es Pflichterfüllung, wenn wir als Anwälte Schlesiens und seiner Menschen auftreten. Mit unserem Deutschlandtreffen wollen wir uns aber auch als Stamm der Schlesier bemerkbar machen. Deutschland besteht nicht nur aus den west- und mitteldeutschen Stämmen, sondern auch aus den Schlesiern, den Ost- und Westpreußen, den Pommern und den Sudetendeutschen. Sie alle haben Deutschland mitgeprägt.

Die Kreisheimattreffen sind Begegnungen für Menschen aus einem ehemaligen unmittelbaren Lebenskreis. Auch hierfür bietet Nürnberg eine gute Gelegenheit. Darüber hinaus aber finden sich Landsleute aus allen Regionen Schlesiens zusammen. Die Vielfalt schlesischen Lebens ist so für jeden erfahrbar. Der große Heimatabend, die Kulturveranstaltung der Stiftung Schlesien, Ausstellungen, Stände und Vorträge vermitteln dabei viel schlesische Atmosphäre, die bei jedem Besucher noch lange nachklingt. Wenn immer wieder zu hören ist, das Deutschlandtreffen bringt neue Motivation für die Arbeit in der Landsmannschaft, so trägt gerade diese kulturelle Komponente erheblich dazu bei.

Es lohnt sich also, die Reise nach Nürnberg anzutreten, auch wenn damit Belastungen, auch finanzieller Art, verbunden sind. Wir sind stolz darauf, dass eine große Anzahl unserer Landsleute Mühen und Opfern über Jahrzehnte auf sich genommen haben, allein deshalb, um Schlesien die Treue zu halten. Ich bin ganz sicher, auch dieses Mal werden zehntausende Schlesier wieder für Schlesien demonstrieren. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien erwartet Sie alle vom 1. – 3. Juli in Nürnberg und dankt allen schon jetzt, die durch ihre Mithilfe und durch ihre Teilnahme zum Erfolg des Deutschlandtreffens beitragen.

 

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.