ps Pressedienst Schlesien
Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
Bundesgeschäftsführung:
Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter, Tel.: (02244) 9259-0, Fax: (02244)
9259-290
Nr. 22/2005 30. Mai 2005
-
Nürnberg fordert uns jetzt alle -
- Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der
Landsmannschaft Schlesien -
Wenn sich die
Schlesier 60 Jahre nach Kriegsende in Nürnberg wiederum zu einem großen
Heimatfest zusammenfinden, so bietet gerade ein so runder Gedenktag besten
Anlass dafür, Bilanz zu ziehen, aber vor allem auch die ungelösten Fragen aus
der Vertreibung anzumahnen.
Es trifft sich
deshalb gut, dass unser Deutschlandtreffen kurz nach dem 60. Jahrestag des
Kriegsendes stattfindet, bietet die Veranstaltung doch Gelegenheit, öffentlich
Korrekturen anzubringen, auf Unterlassenes hinzuweisen, Verzerrungen offen
zulegen und eigene Zielsetzungen zu formulieren. Was unsere Anliegen betrifft,
so gilt es festzustellen, dass sich inzwischen eine Phalanx gebildet hat, die
offen die Rechte der Vertriebenen bekämpft. Man fragt sich, wieso Politiker und
Journalisten ein Ziel darin sehen können, Rechte von Opfern abzuschreiben, gibt
es doch in anderen Ländern stets Solidarität mit den Teilen des eigenen Volkes,
denen Unrecht zugefügt wurde.
Hier fragt man
nicht zuerst danach, wie denn die Täter in anderen Staaten reagieren würden,
wenn eigene Opfer Forderungen stellen. Bei uns dagegen versteht man sich
darauf, Vertriebene für alle büßen zu lassen, um damit unbewältigte
Schuldkomplexe aufzuarbeiten. Es ist aber auch die Angst vor Kritik aus dem In-
und Ausland, die man befürchtet, falls Anliegen der Vertriebenen zur Sprache
gebracht werden. Diese Angst führt auch dazu, dass alte Versprechen gegenüber
den Vertriebenen jetzt gebrochen werden.
Als Vorreiter im
Abgesang unserer Rechte verstand sich im vergangenen Jahr Bundeskanzler
Schröder. Ein derartig unverfrorenes Agieren gegen einen Teil des eigenen
Volkes steht für Einmaligkeit auf der Welt. Es kann nicht sein, dass die
Vorteile anderer Staaten von deutschen Politikern über das Recht deutscher
Staatsbürger gestellt werden. Wer schmerzhaft das Gesicht verzieht, wenn es um
deutsche Opfer geht, weil er damit nichts zu tun haben will, ist kein Anwalt
der Deutschen. Wir werden uns nicht scheuen, dies deutlich zu sagen.
Viel ist von
unseren Gegnern, vor allem von der Bundesregierung getan worden, um die Pflege
ostdeutscher Kulturtraditionen zu behindern. Hierüber ist häufig berichtet
worden. Mit unserem Deutschlandtreffen wollen wir auch hiergegen ein Zeichen
setzen, denn ohne die ostdeutsche Komponente ist Deutschland um vieles ärmer.
Wenn wir wiederum
Schlesier aus allen Teilen der Welt bei uns zu Gast haben werden, dann zeigt
dies, dass die Schlesier eine große
Familie sind, die zusammensteht. Dieses Zusammenstehen ist insbesondere für
unsere Landsleute, die heute noch in der Heimat leben, von großer Bedeutung.
Nach Jahrzehnten der rassischen Unterdrückung nach dem Krieg leiden diese
Deutschen nunmehr unter einem polnischen Minderheitengesetz, das unvereinbar
ist mit dem Rahmenabkommen des Europarates und das zugleich das schlechteste
Minderheitengesetz in der Europäischen Union darstellt.
Für uns bedeutet es
Pflichterfüllung, wenn wir als Anwälte Schlesiens und seiner Menschen auftreten.
Mit unserem Deutschlandtreffen wollen wir uns aber auch als Stamm der Schlesier
bemerkbar machen. Deutschland besteht nicht nur aus den west- und
mitteldeutschen Stämmen, sondern auch aus den Schlesiern, den Ost- und
Westpreußen, den Pommern und den Sudetendeutschen. Sie alle haben Deutschland
mitgeprägt.
Die
Kreisheimattreffen sind Begegnungen für Menschen aus einem ehemaligen
unmittelbaren Lebenskreis. Auch hierfür bietet Nürnberg eine gute Gelegenheit.
Darüber hinaus aber finden sich Landsleute aus allen Regionen Schlesiens
zusammen. Die Vielfalt schlesischen Lebens ist so für jeden erfahrbar. Der
große Heimatabend, die Kulturveranstaltung der Stiftung Schlesien,
Ausstellungen, Stände und Vorträge vermitteln dabei viel schlesische
Atmosphäre, die bei jedem Besucher noch lange nachklingt. Wenn immer wieder zu
hören ist, das Deutschlandtreffen bringt neue Motivation für die Arbeit in der
Landsmannschaft, so trägt gerade diese kulturelle Komponente erheblich dazu
bei.
Es lohnt sich also, die Reise nach Nürnberg anzutreten, auch wenn damit Belastungen, auch finanzieller Art, verbunden sind. Wir sind stolz darauf, dass eine große Anzahl unserer Landsleute Mühen und Opfern über Jahrzehnte auf sich genommen haben, allein deshalb, um Schlesien die Treue zu halten. Ich bin ganz sicher, auch dieses Mal werden zehntausende Schlesier wieder für Schlesien demonstrieren. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien erwartet Sie alle vom 1. – 3. Juli in Nürnberg und dankt allen schon jetzt, die durch ihre Mithilfe und durch ihre Teilnahme zum Erfolg des Deutschlandtreffens beitragen.
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.