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Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 24/2005 20. 06. 2005
I.
Mit gespaltener Zunge
wurden und werden von der gegenwärtigen Bundesregierung Thema und Begriff
„Schlussstrich unter der jüngsten Vergangenheit“ behandelt und politisch
vertreten. Zum einen gibt es keinen Schlussstrich: Zweiter Weltkrieg 1939 bis
1945, Unmenschlichkeiten, Grausamkeiten in dieser Zeit. Niemand mit Verstand
wird leugnen wollen und können, was damals und schon zuvor geschehen ist. Zum
anderen aber hieß es: Das ist doch inzwischen längst Geschichte, und diese
Geschichte ist endgültig abgeschlossen, weshalb es nicht zu verstehen sein an
all das zu erinnern, was 1945 und danach geschehen ist. Das bedeutete stets,
und darin steckt eine vordergründige Absicht, geradezu Unverständnis für das
Erinnern an das Verbrechen der Vertreibung, an Zwangsarbeit der Deutschen, an
die offene Frage des geraubten Eigentums, an Bombenkrieg. Um es verkürzt zu
formulieren: Für das Unrecht mit uns Deutschen als Tätern darf es keinen
Schlussstrich gleich abgeschlossene Geschichte geben, für das Unrecht mit uns
Deutschen als Opfern hat ein Schlussstrich Geltung, darf es keine noch
weiterwirkende Geschichte geben.
II.
Die höchste Autorität der Bundesrepublik
Deutschland, Bundespräsident Dr. Horst Köhler, hat in seiner Rede zum 8. Mai 2005
vor Bundestag und Bundesrat gegen die bis jüngst geübte doppelte Moral
gegenüber dem Zweiten Weltkrieg einerseits und den Folgen des Zweiten
Weltkrieges andererseits eindeutig Stellung genommen, mit seinem Satz: „Es gibt
keinen Schlussstrich“.
III.
Leider ist gleich
anzumerken: wer hat diese Rede überhaupt gehört und über das Fernsehen gesehen,
welche Printmedien haben über die Rede ausführlich berichtet (und vielleicht
auch gar nicht berichten wollen), wer kennt also überhaupt die entscheidenden
Passagen des Textes? Man sagt stets gern, dass wir eine bestens informierte
Gesellschaft seien, aber leider sind wir schon angesichts der täglichen Fülle
von wichtigen und unwichtigen Nachrichten überfüttert, aber wir müssen auch
wissen, dass dirigierende Hände die Informationen filtern, meist entsprechend
ideologischen und regierungsfrommen Tendenzen.
Das war das Neue, gerade
Sensationelle, dass der Bundespräsident die ganze deutsche Geschichte in seine
Rede einbezog, nicht nur aus Anlass des Gedenkens an den 8. Mai 1945 und das
Ende des Zweiten Weltkrieges, die 12 Jahre der Hitlerdiktatur und all die
Unmenschlichkeiten dieser Zeit, in Erinnerung gerufen hat, sondern
vordergründig auch von der Vertreibung dies etwa fünfmal, und von der
kommunistischen Diktatur auf deutschem Boden gesprochen hat. Es blieb in dieser
Rede des Bundespräsidenten nicht nur bei dem Satz: „Wir Deutsche blicken mit
Schrecken und Scham zurück auf den von Deutschland entfesselten Zweiten
Weltkrieg und auf den von Deutschen begangenen Zivilisationsbruch Holocaust“,
sondern es gehörte in diesen Rückblick in die jüngste Vergangenheit auch all
das, was uns Deutschen an Unmenschlichkeiten widerfahren ist.
„In der Sowjetischen
Besatzungszone wurden ohne rechtmäßiges Verfahren Hunderttausende in Lager
gesperrt. Es wurden bei weitem nicht nur ehemalige Nationalsozialisten
verfolgt. Jede Opposition und alle politisch Missliebigen sollten unterdrückt
werden“. Zum Gedenken gehört aber auch, was uns Deutschen unter dem Stichwort
“berechtigte Rache“, an Leid zugefügt worden ist: „Wir gedenken des Leids der
deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen, der vergewaltigten Frauen und Opfer des
Bombenkrieges gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Wir haben die Erinnerung an
all dieses Leid und seine Ursachen wachzuhalten, und wir müssen dafür sorgen,
dass es nie wieder dazu kommt. Es gibt keinen Schlussstrich“. Man könnte gerade
diese Sätze als ein unmissverständliches Ja zum Projekt der Errichtung eines
“Zentrums gegen Vertreibungen“ in Berlin verstehen. Sowieso muss man sich
ständig fragen, warum ein derartiges Zentrum nicht von uns Deutschen in eigener
Sache und Verantwortung geplant werden darf und nur europäisch zustande kommen
soll, wie es die Bundesregierung betreibt.
IV.
Wir kennen die seit
Jahrzehnten professionell erhobene Anklage von uns Deutschen durch Deutsche,
die meinen, es für richtig zu halten, uns Deutschen wegen Kollektivschuld auf
die Anklageband zu zwingen. Wir Deutsche sollen ein ewig schuldiges Volk sein
und bleiben. Jetzt hat der Bundespräsident heftig widersprochen, ohne diese
Alles- und Besserwisser beim Namen zu nennen, indem er sich auf die ganze
deutsche Geschichte bezog und deutsche Geschichte nicht nur als das Jahrzwölft
der nationalsozialistischen Diktatur verstanden wissen will. Er sagte: „Wir
sehen unser Land in seiner ganzen Geschichte, und darum erkennen wir auch, an
wie viel Gutes wir Deutsche anknüpfen können, um über den moralischen Ruin der
Jahre 1933 bis 1945 hinauszukommen. Unsere ganze Geschichte bestimmt die
Identität unserer Nation. Wer einen Teil verdrängen will, der versündigt sich
an Deutschland“.
V.
Zu dieser “Identität
unserer Nation“ gehört als unauslöschlicher Teil der Geschichte dieser Nation
Deutschland auch immer Schlesien. Auch die Warnung des Bundespräsidenten „Wer
einen Teil davon – von der deutschen Geschichte – verdrängen will, versündigt
sich an Deutschland“, sollten wir nicht nur ernst nehmen, sondern argumentativ
ins Volk tragen. Vor allem im Gespräch mit unserer Jugend haben wir
Gelegenheit, uns auf ganz Deutschland mit seiner Geschichte unter Einschluss
Schlesiens zu berufen und dies durch die Weitergabe unseres Wissens zu
vermitteln.
Zum Beweis dessen sei
besonders erwähnt, dass in der Rede des Bundespräsidenten auch Breslau die
Hauptstadt Schlesiens, genauso beim Namen genannt worden ist wie die andere
große und berühmte Stadt in Ostdeutschland, in dem heute historischen
Ostdeutschland, Danzig. Wo hat sich das bis jetzt in der Rede eines
Bundespräsidenten befunden? „Endlich sind auch die Grenzen nach Osten hin offen
und die Menschen kommen auf den großen Handelsstraßen wieder zueinander. Dabei
gibt es gerade für uns Deutsche in Mittel- und Osteuropa eine ganze Welt neu zu
entdecken. In Prag und Lemberg, in Danzig und Wilna, in Tallinn und Breslau lässt
sich erleben und erahnen, wie reich das Europa der Vorkriegszeit an kultureller
und ethnischer Vielfalt war und welche Kreativität und Reife das mit sich
brachte“. Fast ist man geneigt, da Tallinn, Reval, die Hauptstadt Estlands
zusammen mit Breslau genannt wird, an die beiderseitige Zugehörigkeit des
Baltikums und Breslaus zur Hanse zu erinnern.
VI.
Gegen Schluss der Rede
der Satz des Bundespräsidenten: „Wir haben guten Grund, stolz auf unser Land zu
sein“. Dass gerade diese Behauptung Kritik und Widerwillen bei sogenannten
Linksintellektuellen und parteipolitischen Ideologen hierzulande ausgelöst hat,
versteht sich. Nicht anders erging es soeben der Bundeskanzlerkandidatin von
CDU/CSU, Dr. Angela Merkel, als sie ihre Vorstellung mit den Worten geschlossen
hat: „Ich will Deutschland dienen“.
Dr. Herbert Hupka
Ehrenvorsitzender der
Landsmannschaft Schlesien