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der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 30/2005 15. Juli 2005
Deutschland dienen
Sprache schafft Bewusstsein. Dies gilt vor allem in unserer von den Medien bestimmten Gesellschaft. Was ich immer wieder höre, und dies zusammen mit einer Bilderflut, prägt sich allmählich fest ein. So ergeht es seit Jahren, ja seit Jahrzehnten mit dem Namen und Begriff Deutschland. Wir sprechen gar nicht mehr von Deutschland, sondern nur noch von der Bundesrepublik, obwohl ihr richtiger Name Bundesrepublik Deutschland lautet. Es mag schön sein, dass die Kurzfassung Bundesrepublik ob des Schnellsprechens und einer Ersparnis an Wörtern geschieht, aber in Wirklichkeit offenbart sich eine Absicht, nicht mehr von Deutschland sprechen zu wollen und zu müssen. Denn Deutschland, das sind doch die 12 grausamen Jahre, das ist deutsche Schuld, das fordert erst immer eine Entschuldigung heraus. Ein leicht zu widerlegendes Argument, denn Deutschland und seine Geschichte besteht nicht aus dem ausschließlich beschworenen Dutzend der Jahre des 20. Jahrhunderts.
Aber auch das geographische und historische Deutschland muss sich, so meint man, begrifflich neu verstehen. Da soll es nur noch Westdeutschland und Ostdeutschland geben, Mitteldeutschland existiert nicht mehr. Es ist nur gut, dass sprachlich Mitteldeutschland zum Beispiel im Namen Mitteldeutsche Zeitung, Mitteldeutscher Verlag, Mitteldeutscher Rundfunk, um drei Beispiele herauszugreifen, überlebt hat. Das geographische und historische Ostdeutschland findet sich nunmehr in ostmitteleuropäisch, osteuropäisch oder einfach europäischer Osten wieder. Luther, Bach, Nietzsche sind jetzt plötzlich Ostdeutsche geworden, Eichendorff, Kant, Hauptmann Ostmitteleuropäer! Warum haben denn so viele Angst davor, Thüringen und Sachsen nicht mehr Mitteldeutschland, Ostpreußen und Schlesien nicht mehr Ostdeutschland nennen zu dürfen?
Höchst willkommen und nur dankbar zu begrüßen, dass eine deutsche Politikerin höchsten Ranges ohne jede Umschreibung und Weglassen von Deutschland spricht. Gewiss, sie hat für die politische Aufgabe, die sie sich gestellt hat, die Bundesrepublik Deutschland in ihren heutigen Grenzen, besser gesagt in ihren sich von den Nachbarn trennenden Linien gemeint. Aber mit der Nennung ist zugleich auch die Verantwortung gegenüber Deutschland und seiner Geschichte gemeint, also auch für den ehrlichen und offenen Umgang mit der ganzen Geschichte Deutschlands, und zu dieser Geschichte Deutschlands gehört unauslöschlich auch Ostdeutschland, eben nicht nur das sich als Ostdeutschland deklarierende Mitteldeutschland und Westdeutschland.
"Ich will Deutschland dienen", das waren und sind die Worte von
Dr. Angela Merkel, der Kanzlerkandidatin von CDU / CSU für die bevorstehende
Wahl zum 16. Deutschen Bundestag.
Klingt das nicht nach vorgestern, wenn plötzlich wieder vom Dienen die
Rede ist? Heute ist es doch gängig, von der Selbstverwirklichung zu sprechen,
vom absoluten Wert des eigenen Ichs. Die um jeden Preis zu umzusetzende Selbstverwirklichung
ist sicherlich zu respektieren, aber diese Selbstverwirklichung ist zugleich
auch Ausdruck eines keine Grenzen kennenden Egoismus.
Der Satz: "Ich will Deutschland dienen", wirkt befreiend. Für Deutschland in der Pflicht zu sein, eröffnet zukunftsträchtige Perspektiven.
Herbert Hupka