Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 31/2005 15. Juli 2005
Ungelöste
Fragen der Vertreibung sind aktuell
-Deutschlandtreffen
bestätigt Landsmannschaft-
Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Es gibt heute leider viele, die das Wirken der Vertriebenen beschränkt
sehen wollen auf die Kulturpflege oder die Pflege kollektiver Erinnerung,
wie sie sich z.B. in einem Zentrum gegen Vertreibungen manifestieren soll.
Auch die Aufbauarbeit, durch konkrete Hilfen in den Heimatgebieten wird uns
noch zuerkannt.
Ein Deutschlandtreffen ist deshalb immer wieder auch ein Test dafür, wie die Basis zu den von der Landsmannschaft vertretenen Anliegen steht. Hierfür gab die Veranstaltung in Nürnberg entscheidende Erkenntnisse. Immer dann waren die Beifallskundgebungen bei den Reden besonders stark, wenn die Lösung offenstehender Fragen angemahnt wurde. Auch in persönlichen Begegnungen gab es hierfür ausschließlich Zustimmung. Eine Vielzahl von zustimmenden Briefen bestärken die Einschätzung, dass essentielle Anliegen der Verbandsspitze von den Mitgliedern mitgetragen werden. Fragen der Entschädigung, der vorenthaltenen Kulturgüter, der Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter oder der Rechte der deutschen Volksgruppe in Schlesien waren Themen, die auch von den Medien aufgegriffen und als Problem nicht in Zweifel gezogen wurden. Sicher hat es viele Beobachter überrascht, dass es auf diesen Feldern zum größten Teil überhaupt noch keine Fortschritte gegeben hat, obwohl inzwischen mehr als 15 Jahre seit der Wende im Osten und mehr als ein Jahr nach dem EU-Beitritt Polens vergangen sind. Kritische Anmerkungen in den Medien zu den in Nürnberg gemachten Aussagen gab es, soweit bisher zu übersehen, nicht. Und dies obwohl die großen überregionalen Tageszeitungen, der Rundfunk und das öffentlich rechtliche Fernsehen (ARD und ZDF) in den Nachrichtensendungen über das Treffen sowie über wichtige politische Aussagen berichtet hatten. Dass auch der bayerische Innenminister Dr. Günther Beckstein und die bayerische Sozialministerin Christa Stewens die Anliegen der Schlesier unterstützten, wurde wiederholt in der Berichterstattung hervorgehoben. Dabei muss der Aussage Becksteins auch für die Heilung des Unrechts einzutreten, also auch für eine Entschädigungsregelung, besonderes Gewicht zuerkannt werden.
Die Landsmannschaft kann sich also rundum bestätigt fühlen, letztlich
auch durch den Vortrag des amerikanischen Völkerrechtlers Alfred de Zayas,
eines international anerkannten Juristen mit 22 Jahren Erfahrung als Sekretär
des UN-Menschenrechtsausschusses, der die Teilnehmer der Hauptkundgebung ins
Herz getroffen hatte und der für viele Kompass für ihr weiteres
Handeln sein wird. Gerade angesichts des von Schröder bestellten Gefälligkeitsgutachtens
von Frowein / Barcz, das den Vertriebenen jegliche Rechte aus dem an ihren
begangenen Unrecht abspricht, bedeuten seine Worte eine moralische Aufrüstung
höchster Kategorie für alle bewussten Schlesier.
Angesprochen fühlten sich in besonderem Maße auch die aus der Heimat
angereisten Landsleute, denen diese klaren Worte sichtlich gut taten. So war
es auch nicht überraschend, dass wichtige Funktionsträger der deutschen
Verbände in Schlesien, uns in unserer Politik bestärkten, übrigens
mit dem Bemerken, dass die Landsleute ihre ganze Hoffnung auf uns setzen.
Äußerungen, die im übrigen auch immer wieder in Briefen zu
finden sind. Es soll nicht bestritten werden, dass es in der Vergangenheit
einige wenige Vertreter der deutschen Verbände gab, die sich gegenüber
polnischen Medien, offenbar in die Enge getrieben, distanzierter äußern,
was sie in persönlichen Gesprächen allerdings nicht tun. Die überwiegende
Stimmungslage bei den Deutschen in der Heimat ist jedoch anders.
Verschwiegen werden soll auch nicht, dass polnische Medien sehr aufgeschreckt
reagierten. Aus dem polnischen Selbstverständnis heraus, das über
Jahrzehnte gespeist wurde von deutscher Demutshaltung, kein Wunder. Wer die
an die Adresse Polens gerichteten Forderungen als störend ansieht, sollte
aber sehen, dass die offenen Fragen aus der Vertreibung auf die Tagesordnung
gehören, und zwar der Menschen wegen, die heute noch darunter zu leiden
haben. Wir haben 15 Jahre zugewartet, haben in dieser Zeit viele Kontakte
geknüpft und an der Verständigung gearbeitet. Leider gab es im Hinblick
auf die ungelösten Probleme keine Bewegung. Wenn wir uns dazu jetzt nicht
äußern, wann denn sonst? Kritisieren kann dies nur, wer einem Schlussstrich
das Wort redet. Wer aber will, dass Streitpunkte weggeräumt werden und
einer friedlichen Zukunft nicht mehr im Wege stehen sollen, wird jetzt über
alles reden.
Die Nürnberger Zeitung kommentierte unter der Überschrift "Was
bleibt vom Schlesiertreffen?" : "Was wäre, wenn? Ja was wäre
wenn - beim nächsten Schlesiertreffen in Nürnberg endlich einmal
der polnische Außenminister zu Wort käme und zusammen mit einer
deutlichen Entschuldigung für die Vertreibungen infolge des Zweiten Weltkrieges
den Wunsch äußerte, dass Schlesier wieder in der Heimat der Väter
willkommen seien und investieren sollten, dass sein Land nicht mehr das sozialistische
Polen sei, in dem jede Diskussion über Vertreibungsverbrechen unterbunden
wurde.
Im Gegenzug müsste auch der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien
zu einer Ansprache in den Sejm eingeladen werden, um die Position seiner Organisation
vertreten zu dürfen. Man würde sich nichts schenken, aber immerhin
würde offen eine Debatte geführt, die uns alle weiterbrächte".
Sicher sind dies schon revolutionäre Gedanken, sie zeigen aber, nicht
nur wir sind es, die meinen, es müsste mehr geschehen als bisher.
Im übrigen hat Nürnberg eins gezeigt: Es gab in den vielen Interviews
der Journalisten keine Frage, die uns ins Schwitzen bringen konnte. Die positive
öffentliche Berichterstattung liegt wohl vor allem auch darin begründet,
dass der Eindruck vermittelt wurde, hier wird ehrlich differenziert und zukunftsgerichtet
argumentiert, so wie dies in europäischem Geist sein muss.