ps Pressedienst Schlesien
Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 47/2005 15. Dezember 2005
- Grußwort zum Neuen Jahr -
- Rudi Pawelka - Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien -
Auch im Jahr 2005 konnten wir wieder ein erfolgreiches Deutschlandtreffen organisieren, das zehntausende Schlesier zu einem großen Heimatfest zusammengeführt hat. Allein diese Tatsache ist ein Beweis für die große Verbundenheit unserer Landsleute zu ihrer Heimat und der Landsmannschaft Schlesien, der 60 Jahre nach Beginn der Vertreibung keineswegs selbstverständlich ist. Wie kaum ein anderes Vertriebenentreffen stand unsere Veranstaltung auch im Blickpunkt der Medien und hat das Vertreibungsschicksal sowie unsere Anliegen wieder bewusst gemacht.
Alle Teilnehmer konnten nach einem Gemeinschaftserlebnis inmitten der Landsleute mit neuer Motivation nach Hause fahren, um auch mit neuer Kraft die Arbeit für Schlesien fortsetzen.
Unsere Sorge gilt nach wie vor den Deutschen in der Heimat. Zwar hat das polnische Parlament jetzt ein Minderheitengesetz verabschiedet, jedoch muss dies als sehr unzulänglich bezeichnet werden. Unsere Volksgruppe bedarf weiterhin unserer Unterstützung, um ihr Überleben zu sichern. Leider finden unsere Landsleute in der deutschen Gesellschaft kaum Beachtung, sie sind einfach kein Thema. Ein Grund mehr für uns, Partei zu ergreifen. Die Landsmannschaft Schlesien möchte zu einer engeren Verzahnung aller schlesischen Organisationen kommen und hat deshalb einen Vorstoß unternommen, der das Ziel hat, eine gemeinsame Arbeit für Schlesien zu leisten.
Auch nach Jahrzehnten intensiver Bemühungen, die offenen Fragen aus der Vertreibung einer Lösung zuzuführen, sind viele Probleme noch immer vorhanden.
Vielen Mitbürgern ist die Vertreibung weder in ihrer Dimension noch in ihrer ganzen Grausamkeit für den einzelnen Menschen bekannt. Dies jedenfalls belegen Umfragen. Auch wenn inzwischen in den Medien immer wieder über das Thema berichtet wurde, hat dies keinen durchgreifenden Erfolg erzielt, weil große Versäumnisse in der schulischen Bildung vorhanden und die Darstellungen in der Öffentlichkeit stets relativierend sind, sowie in Form einer Aufrechnung mit deutscher Schuld verbunden werden. Für die Vertriebenen kommt es darauf an, dass der Opfer der Vertreibung genauso in Würde gedacht wird, wie dies bei anderen Opfern der Fall ist. Ob ein noch zu gründendes Zentrum gegen Vertreibungen hier einen Durchbruch bringen wird, ist noch nicht sicher, denn laut Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung soll diese Institution in Verbindung mit dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität über die bisher
beteiligten Länder Polen, Ungarn und Slowakei hinaus entstehen. In Polen
geht man inzwischen davon aus, insbesondere nach dem Besuch von Bundeskanzlerin
Merkel, dass Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Zentrums genommen
werden kann.
Es muss immer wieder daran erinnert werden: Wir sind als Opfer der Vertreibung
in der Pflicht, darauf hinzuarbeiten, dass Vertreibungen sich nicht wiederholen.
Dies
kann durch Aufklärung geschehen, aber viel eher noch durch eine Heilung
des Unrechts unter den heute bestehenden Möglichkeiten.
Wir wollen deshalb eine Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter, eine Lösung der Eigentumsfrage, (wie bei anderen Gruppen schon erreicht), die Gewährung des Rechtes auf die Heimat, einen Minderheitenschutz nach europäischen Standard, die Rückgabe deutscher Kulturgüter und eine Bestrafung von Straftätern, wenigstens in besonders gravierenden Fällen.
Die Förderung des kulturellen Erbes der Vertriebenen genießt für uns ebenso hohe Priorität. Gerade hier haben wir die begründete Hoffnung einer Wende durch die neue Bundesregierung, nachdem es in den letzten sieben Jahren zu gravierenden Einschnitten kam. Der Koalitionsvertrag macht hierzu eindeutige Aussagen.
Das zurückliegende Jahr hat neue Aufmerksamkeit für unsere Ziele gebracht. Manche von der Landsmannschaft Schlesien in der Öffentlichkeit verfolgten Anliegen wurden auch politisch angegriffen, weil man sie nach Möglichkeit vergessen möchte, denn sie sind unbequem. Wir sehen jedoch in anderen Ländern, dass die Politik sich hier anders verhält. Mich erreichten in der letzten Zeit viele aufmunternde Stimmen, insbesondere aus der Landsmannschaft, die mir eine große Hilfe waren. Hierfür danke ich allen recht herzlich.
Auch im kommenden Jahr werden wir unsere satzungsgemäßen Aufgaben mit Energie verfolgen und nicht zulassen, dass hiervon Abstriche gemacht werden. Nach dem EU-Beitritt einiger Vertreiberstaaten ist es höchste Zeit, offene Fragen im europäischen Geist anzugehen. Nationalistische Betrachtungen, wie sie z.B. in Polen nach dem Erfolg rechter Kräfte bei den Wahlen offenkundig werden, können nicht der Grund sein, davon abzulassen. Von unseren Politikern erwarten wir, alte Zusagen einzulösen.
Allen unseren Mitgliedern und Freunden danke ich für ihre Treue und ihre aufopferungsvolle Arbeit für Schlesien. Ich bin sicher, auch 2006 werden die Schlesier in ihrem Engagement nicht nachlassen.
Ich wünsche Ihnen allen Gesundheit und Wohlergehen im Neuen Jahr.
Schlesien Glückauf !
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.