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Nr. 12/2006 21. April 2006
Ausstellung
Flucht, Vertreibung und Integration weiter in der Kritik
- Massenvergewaltigungen kein Thema -
In der Ausgabe Nr. 3 der Zeitung "Schlesische Nachrichten" (SN)
wurde an der Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn deutliche Kritik
geübt. Diese bezog sich insbesondere auf falsche oder verfälschende
Darstellungen, auf Beschönigungen hinsichtlich der für die Vertreibung
Verantwortlichen und auf die Aussparung geschichtlicher Zusammenhänge.
Nun gibt es einen öffentlichen Streit über das Thema Vergewaltigungen.
Wie der "Kölner Stadtanzeiger" berichtet, wird der Vorwurf
erhoben, die Ausstellung ignoriere die Tatsache, dass Frauen während
Flucht und Vertreibung zu Hunderttausenden vergewaltigt wurden. Dabei hatten
viele Tausend Frauen die Folgen der Gewalt nicht überlebt oder waren
später schwer traumatisiert. Viele Kinder hatten das fassungslose Geschehen
mit ansehen müssen, so heißt es weiter. An der Spitze der Kritiker
steht die Kölner Frauenhilfsorganisation "medica mondiale",
aber auch Prominente wie die Psychoanalytiker Margarete Mitscherlich und
Horst Eberhard Richter sowie die Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth
meldeten sich neben Historikerinnen zu Wort. "Wir wollen eine angemessene
Würdigung des Themas", so die Forderung von "medica mondiale".
Der Kurator der Ausstellung, Hans Joachim Westholt, der sich bisher als
beratungsresistent gezeigt hatte, will nun angesichts der massiven Einwände
einlenken, vor allem nachdem die genannte Zeitung, die größte
in einem Einzugsgebiet von ca. drei Millionen Einwohnern, sich der Sache
angenommen hat. Westholt signalisierte gegenüber dem "Kölner
Stadtanzeiger", dass er einen Ausweg aus der verfahrenen Situation
begrüßen würde. Zuvor hatte er nach Angaben des Blattes
lange mit Ausflüchten versucht, das Kapitel "Vergewaltigungen"
aus der Ausstellung herauszuhalten. Bei der Frauenorganisation aus Köln
hat man deshalb den Eindruck, dass das Ansinnen insgesamt nicht passte und
deshalb ausgesessen wurde. "Herr Westholt wollte das Thema nicht, weil
es ein Tabu berührt", sagte Frau Meyer, die Vorsitzende von "medica
mondiale" gegenüber dem Kölner Blatt. Eine Feststellung,
die genau der Kritik entspricht, die in dem o. a. Artikel der "Schlesischen
Nachrichten", bezogen auf viele andere fragwürdige Darstellungen,
getroffen worden war.
Rudi Pawelka
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