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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 33/2006                                                                                                                                                             16. August 2006


Verständigung beruht auf Gegenseitigkeit

- Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien -


Über eine Reihe von Unzulänglichkeiten, Verzerrungen und Falschdarstellungen in der Dauerausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz wurde in unserer Zeitung (Ausgabe Nr. 13) bereits berichtet. Je größer der Abstand zur Eröffnung am 13.05.2006 ist, desto mehr wird klar, welche Zielsetzung das Projekt verfolgt. Es kam nicht von Ungefähr, dass ausgerechnet ein polnischer Wissenschaftler, Professor Dr. Andrezj Tomaszewski, ausge-sucht worden war, den Festvortrag zu halten. Das Referat gedieh letztlich zu einer pro-polnischen Interpretation der Geschichte Schlesiens, ganz im Sinne des Leitgedankens, geäußert in Presseverlautbarungen des Museumsdirektors, polnische Aspekte stärker zu betonen. In welch subtiler Weise Tomaszewski das Bild eines multikulturellen Schlesiens zeichnete, hat der Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, Dr. Herbert Hupka, in der Ausgabe Nr. 15 der Schlesischen Nachrichten entlarvt. Die Einladung des Polen, der es auch nicht scheute, durch eine Falschbehauptung offene Kritik am BdV zu üben, erweist sich im Nachhinein immer mehr als Affront gegen die Schlesier.

Sicher ist es vom Grundsatz her richtig, die Zusammenarbeit zu suchen, schon um den bestmöglichen Weg zu einer Präsentation Schlesiens zu finden. Zum einen ist es richtig, wenn die deutschen Wurzeln des Landes auch von Polen entdeckt und ins Bewusstsein gerückt werden. Zum anderen befinden sich die weitaus meisten Exponate bzw. kulturellen Zeugnisse deutschen Schaffens nach der polnischen Annexion nun einmal im Vertreibungsgebiet. Es besteht auch kaum Hoffnung, den Kulturfrevel, die Okkupation der Kulturgüter eines anderen Volkes, zu beenden. Also wäre eine Zusammenarbeit geboten. Voraussetzung für eine Einbindung von Polen in unsere kulturelle Arbeit ist jedoch die Gegenseitigkeit. Bisher erweist sich das deutsche Bemühen jedoch als Einbahnstraße. Deutsche Vertreter in polnischen Museen oder eine Zweisprachigkeit bei Ausstellungen sucht man in Polen vergeblich. Die verfälschende polnische Sichtweise dominiert den gesamten Kulturbetrieb. Wer z.B. das Oberschlesische Museum in Beuthen besucht, sucht deutsche Bezüge vergeblich, dem Besucher wird vermittelt, Oberschlesien sei immer nur polnisch gewesen.

Das Schlesische Museum zu Görlitz zeichnet sich dagegen durch eine kaum zu über-bietende Polenfreundlichkeit aus, die neue Maßstäbe setzen soll. Zweisprachigkeit im Museum, in dieser Form wohl einmalig in Europa, Zweisprachigkeit in den durch den Kulturreferenten herausgegebenen "newsletter" bis hin zu Seiten nur in polnischer Sprache, die Aufnahme von Polen in Gremien des Museums sind Eckpunkte polophilen Denkens. Die schlesische Institution steht damit auch allein in der Landschaft der Museen der Vertreibungsgebiete. Ostpreußen, Pommern oder Westpreußen kennen derartige Tendenzen nicht. Wer allerdings geglaubt hätte, besondere Zuwendungen würden von polnischer Seite honoriert, der irrt gewaltig. Neue Forderungen sind längst angemeldet. Es ist nicht nur die polnische Presse, die hier nachsetzt, es sind auch polnische Wissen-schaftler, die zur Mitarbeit für das Museum eingeladen werden. Bedingungen werden gestellt, die wohl in keinem anderen Land gestellt werden würden. Ein polnischer Pro-fessor verweigerte die Mitarbeit im Wissenschaftlichen Beirat, weil der Bundesvor-sitzende der Landsmannschaft Schlesien Mitglied im Stiftungsrat ist. Erst im zweiten Anlauf gelang es, einen anderen Polen zu gewinnen.

In Verlautbarungen gegenüber der Presse legte der Direktor des Museums, Dr. Markus Bauer, offen, auf ein deutsch-polnisches Museum hinzuarbeiten, wegen der augen-blicklichen Situation aber nur in kleinen Schritten. Er kündigte in diesem Zusammenhang an, dass der Stiftungsrat um eine Persönlichkeit aus Polen erweitert werde und ein weiterer Pole Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates werden solle. Wie zu vernehmen war, steht den Zusagen auch hier noch die Mitgliedschaft des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien im Wege, den man ausgetauscht sehen möchte, was im übrigen auch der erkennbaren Intention aus dem Museum entspricht. Um polnischen Wünschen dienlich zu sein, ist offenbar kein Bückling tief genug. Polnischer Einfluss vor eigener Selbstbehauptung?
Einem Bericht über die Eröffnung des Museums durch die Polnische Presseagentur (PAP) war die Äußerung Dr. Bauers zu entnehmen, dass das Schlesische Museum zu Görlitz keine Einrichtung für die nach 1945 zwangsweise aus Schlesien ausgesiedelten Deutschen sei. Dieser Zielsetzung passt sich die inhaltliche Ausgestaltung dann auch auf Kosten der Wahrheit an. Jetzt folgt offenbar die personelle Komponente zur Abrundung des Unternehmens.

Das Museum, das wir Schlesier mit so großen Hoffnungen begleitet hatten, ist nicht die Heimstätte für uns geworden, mit der wir uns identifizieren können. Eine Einrichtung, die mehr und mehr zum Experimentierfeld einer falsch verstandenen Verständigung degra-diert wird, verfehlt alle Erwartungen und auch Ansprüche, die man legitimer Weise haben muss. Nicht der Konsens mit den betroffenen Vertriebenen scheint die Richtschnur des Handelns im Museum zu sein, sondern die Einigung mit Polen über die Köpfe der Vertriebenen hinweg. Wenn weiterhin der polnische Nationalismus bedient wird, kann die Landsmannschaft Schlesien auch in Zukunft nicht schweigen.
Keineswegs stellen wir uns einer Zusammenarbeit mit Polen in den Weg. Grundlage hierfür ist aber ein Mindestmaß des gegenseitigen Gebens und Nehmens, wobei hi-storische Fakten nicht verfälscht und einer politischen Zielsetzung untergeordnet werden dürfen. Trotz aller Bemühungen von deutscher Seite, hat die Bereitschaft zu einer Ver-ständigung in Polen abgenommen, hat der polnische Nationalismus eindeutig zuge-nommen und findet vor allem auch in der polnischen Regierung seinen Ausdruck.
Wie sehr dieser polnische Nationalismus das alltägliche Miteinander vergiftet, mögen einige Beispiele deutlich machen: Die weithin als mustergültig bezeichnete Partnerschaft zwischen der Stadt Siegburg und dem Rhein-Sieg-Kreis mit Stadt und Landkreis Bunzlau/Niederschlesien vermochte es bisher nicht, die polnische Seite dazu zu bewegen, eine Gedenktafel für den deutschen Pfarrer Paul Sauer mit einer wahrheits-getreuen Inschrift in Bunzlau anzubringen. Pfarrer Sauer war dort nach dem Krieg von polnischen Kommunisten grundlos inhaftiert und grausam gequält worden. Zwei Tage nach seiner Entlassung starb er an den ihm zugefügten Misshandlungen. Die Ver-weigerung der Gedenktafel erfolgte nicht nur gegenüber der Heimatgruppe Bunzlau. Wie mir der Bürgermeister der Stadt Siegburg am 05.08.2006 bei der Eröffnung einer Au-stellung über die Zeitung "Bunzlauer Stadtblatt" 1881 - 1945 im Kreishaus bestätigte, konnten auch die offiziellen Bemühungen der Kommune die unnachgiebige Haltung der Polen nicht


auflösen. Zwar hatten der polnische Bürgermeister und auch der Landrat freundliche Reden bei der Eröffnung der Ausstellung gehalten und auch aus den Bunzlauer Archiven Ausstellungsstücke bereitgestellt, in der Grundsatzfrage, dem Eingestehen polnischer Schuld, gibt es für Polen aber bisher kein Einlenken.

Ein ähnlicher Fall betrifft Oppeln. Der ehemalige deutsche Landrat des Kreises, Graf Matuschka, der viele Deutsche und Polen vor dem KZ bewahren konnte und selbst als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime im September 1944 hingerichtet wurde, auf diesen tapferen Deutschen kann trotz aller Bemühungen der Deutschen vor Ort nicht durch eine Gedenktafel am alten Landratsgebäude hingewiesen werden, weil es hierzu keine polnische Zustimmung gibt. Offenbar passt eine solche Erinnerung nicht in das polnische Geschichtsbild. Kreisau bildet wohl wegen der übergeordneten Bedeutung eine Ausnahme. Auch die für ihre Initiativen für eine gute Kooperation mit Polen bekannte Stadt Görlitz erlebt immer wieder Ablehnung und Rückschläge, ob bei den Bemühungen um die Rückgabe von Beutekunst oder bei der täglichen Zusammenarbeit. So gab es bei dem Bau, der mit deutscher Finanzierung inzwischen fertiggestellten Altstadtbrücke er-hebliche Schikanen bei den Grenzkontrollen deutscher Baufahrzeuge, die materiellen Schaden nach sich zogen. Polen weigert sich auch, Gemälde, Kunstwerke des Gold-schmiedehandwerks sowie unzählige Bücher und Schriften des Kunsthistorischen Museums Görlitz, die vor 1945 in das Schlesien jenseits der Neiße ausgelagert wurden, zurückzugeben.
Nicht nur weil es der Feststellung des tschechischen Politikwissenschaftlers Dolézal entspricht, sondern weil es die praktische Erfahrung ist: Einseitige Entschuldigungen, Geldleistungen und einseitiges Entgegenkommen schaden, führen zu neuen Forderungen und zu einer Verschlechterung der Beziehungen. Der eingeschlagene Weg des Schle-sischen Museums zu Görlitz kann deshalb nur falsch sein und schadet letztlich der Verständigung.


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