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der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 22/2007 16.April 2007
- Europäische Vertriebene wollen Zusammenschluss -
Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Es ist der Dachorganisation der vertriebenen Italiener zu danken, dass sich Vertriebene aus ganz Europa in Triest zusammenfanden. Die „Unione Degli Istriani“ als Organisation für die 350 000 Vertriebenen einst vor allem auf der Halbinsel Istrien beheimatet, hatte als Initiator die Verbände aus den anderen europäischen Ländern eingeladen. Gekommen waren fast alle. So konnte der Präsident der italienischen Vertriebenen, Dr. Massimiliano Lacota, selbst mit 32 Jahren zu der Enkelgeneration zählend, Delegationen aus Finnland, Estland, Deutschland, Österreich, Italien, Zypern und Griechenland neben einigen kleineren Opferverbänden begrüßen. Für die Armenier nahm der Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland teil. Mit der Landsmannschaft Ostpreußen, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Landsmannschaft Schlesien waren die drei größten Landsmannschaften vertreten, deren Heimatgebiete mit ca. 11 Millionen Menschen den weitaus größten Anteil unter den Vertriebenen stellen.
Es ging in der italienischen Hafenstadt Triest um ein erstes Kennenlernen, aber auch um das Abstecken gemeinsamer Ziele und Positionen. Da jede Delegation eingangs sich selbst präsentieren durfte, eröffnete sich den Teilnehmern ein gesamteuropäischer Blick über das Vertreibungsgeschehen, das bereits vor 100 Jahren begann und sich bis in die jüngste Zeit wiederholte (1974 auf Zypern, in den 90er Jahren auf dem Balkan).
Wer je an internationalen Kongressen teilgenommen hat, weiß, wie schwer eine gemeinsame Sprache für die Beschreibung von Geschehensabläufen und deren richtige juristische Einordnung zu finden ist. Andere als die eigenen bekannten Sichtweisen sind zwar hilfreich für die Erkenntnisgewinnung, zumal wenn sie von kompetenten Fachleuten vorgetragen werden, ein bis vor kurzem am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte tätiger jüngerer Jurist gehörte dazu, jedoch galt es, einen gemeinsamen Nenner zu finden.
In einer von großer Sachlichkeit und von freundschaftlichem Miteinander geprägten Atmosphäre ließen sich aber auch diese Schwierigkeiten überwinden und über die Erklärung von Triest Einvernehmen erzielen. Der Aufruf richtet sich an alle, insbesondere an die für Flucht, Vertreibung und Deportation verantwortlichen Staaten und kann als „Europäische Charta“ verglichen werden mit der „Charta der Deutschen Heimatvertriebenen“. Die von der Landsmannschaft Schlesien verfolgten Leitgedanken stimmen mit dem Dokument vollinhaltlich überein. Unterschrieben wurde die Proklamation von Vertretern aller teilnehmenden Gruppierungen, während für den Satzungsentwurf nur die 11 Verbände den ersten Teil der schon beratenen Bestimmungen zeichneten, die als spätere Mitglieder in Frage kommen. Dies sind: Die Landsmannschaft Ostpreußen, die
Landsmannschaft Schlesien, die Sudetendeutsche Landsmannschaft - Deutschland, die Sudetendeutsche Landsmannschaft – Österreich, der VLÖ – Österreich, die Gottscheer Landsmannschaft – Österreich, der Zentralrat der Armenier – Deutschland, die Unione Degli Istriani, die Lobby for Cyprus – United Kingdom, die Kyrenia Refugees Movement – Cyprus, die Vereinigung der Karelier.
Die Satzung soll die Leitgedanken der Charta in praktische Zielsetzungen aufnehmen und zugleich der zu gründenden Vereinigung einen organisatorischen Rahmen geben. Über das erste Drittel wurde bei den Teilnehmern Einigkeit erzielt. Der gesamte Satzungsentwurf soll in den nächsten Monaten in den nationalen Verbänden beraten und die Ergebnisse dann in einer neuen Tagung zur Abstimmung gestellt werden. Der Zeitplan sieht vor, nach Verabschiedung der Satzung bis zum Jahresende die Arbeit für die „Europäische Union der Vertriebenen und Flüchtlinge“ aufzunehmen.
Für die Vertriebenenverbände in Deutschland bedeutet ein Zusammenschluss mit den europäischen Vertriebenen die Einbindung in eine europäische Dimension. Andere Vertriebene in Europa sehen die Vertreibung der Deutschen keineswegs als Kriegsfolge oder sehen deren Wurzeln im Jahr 1933 oder 1939, wie dies insbesondere von deutschen Politikern immer wieder verkündet wird. In dem Kongress herrschte Einvernehmen darüber, dass die Ursache für alle Vertreibungen im Nationalismus und Rassismus liegen. Für uns Deutsche ist dies eine wertvolle Geste der Verbundenheit und der Anerkennung des eigenen Schicksals.
Mit der Zusammenkunft vom 29. – 31.03.2007 in Triest wurde der Vertriebenenbewegung ein neuer Impuls gegeben, der gerade für uns wichtig ist. Nach jahrzehntelangen Versprechungen von Politikern stellen wir fest, dass die Anliegen der deutschen Vertriebenen mehr und mehr auf das Abstellgleis geschoben werden. Es soll wohl nur die – bereinigte – Erinnerung geduldet werden. Deshalb war zu erwarten, dass gegen die europäische Initiative Front gemacht wird, auch von Parteipolitikern in den eigenen Verbänden. Erste Störmanöver sind bereits erfolgt. Lassen wir uns die europäische Solidarität und unsere Hoffnung aber nicht zerstören.
Die Initiatoren der neuen Vereinigung verdienen Respekt und Anerkennung. Die „Unione Degli Istriani“ ist von der italienischen Regierung hoch geachtet und wird mit einem namhaften Betrag gefördert. Nur durch eine staatliche Sonderförderung war es für sie möglich, den kostenträchtigen Kongress durchzuführen.
Für die Gastgeber war es deshalb nach ihren großen Bemühungen im Vorfeld erfreulich, so viele höchste Repräsentanten der europäischen Vertriebenenverbände begrüßen zu können. Zu nennen sind u.a. die Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Ostpreußen und der Landsmannschaft Schlesien, der Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Österreich, die Vorsitzenden Landsmannschaften der Karelier, der Esten, der Zyprer und des Zentralrats der Armenier Deutschland.
Welche Hoffnungen europäische Vertriebene mit der Gründung der „Europäischen Union der Vertriebenen und Flüchtlinge“ verbinden, kleidete ein estnischer Delegierter, der Geistliche Vello Salo, während des Kongresses in folgende Worte: „Wir haben seit über sechzig Jahren Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Gott segne unser Unterfangen!“
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.