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Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 24/2007 03.Mai 2007
- Anliegen der Schlesier bleiben aktuell -
Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Welche Aufgaben stellt sich die Landsmannschaft Schlesien für die Zukunft und wie sieht das Arbeitsprogramm in den nächsten Monaten aus? Hierüber diskutierten Bundesvorstand und Bundesdelegiertenversammlung auf ihren Sitzungen am 13./14.04.2007 in Hannover. Dass alle Positionen der Satzung unstrittig sind, zeigten die Teilnehmer durch ihre Zustimmung. Dies gilt auch für die Rechtsverwahrung vom 14.11.1990, die als Reaktion auf die Verträge mit Polen von der Bundesdelegiertentagung verabschiedet wurde. Die Schlesier begrüßten die vor allem durch Fernsehfilme neu entfachte Diskussion über die Vertreibung, beklagen aber erneut, dass dieses Thema nach wie vor nicht mit der Offenheit behandelt wird, die anderen Opfergruppen zuteil wird. Wenn die Vertriebenen ihren Zielen bisher noch nicht näher gekommen sind, so liegt dies insbesondere an der Untätigkeit der Politiker, die ihren Versprechungen keine Taten folgen ließen. Lippenbekenntnisse zu Anliegen der Vertriebenen, die auch heute noch immer wieder zu hören sind, bleiben ohne Bedeutung, wenn sie in der praktischen Politik keinen Niederschlag finden.
Die Delegierten wurden u.a. unterrichtet über die Einlegung einer Beschwerde durch die Preußische Treuhand beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die nach wie vor ungeklärte Frage der Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter, die Lage der Deutschen in der Heimat, die Situation in Polen und das Verhältnis zu Deutschland sowie die Probleme bei der Bewahrung und Fortentwicklung des Kulturgutes der Vertreibungsgebiete.
In diesem Zusammenhang kam auch die Zukunft der in vielen Städten eingerichteten Heimatstuben zur Sprache. Konsens herrschte darüber, diese Einrichtungen nach Möglichkeit an ihren bisherigen Standorten zu belassen, damit durch breite Streuung über das ganze Bundesgebiet ein besserer Zugang erfolgen kann. Mit den Patenstädten soll nach Möglichkeit Einvernehmen darüber erzielt werden, die zukünftige Betreuung zu gewährleisten, wenn Vertriebene für diese Aufgabe ausfallen. In den Fällen, in denen dies nicht gelingt, soll dafür geworben werden, die Ausstellungsstücke der von Dr. Kaske, ehemaliger Bundesschatzmeister der Landsmannschaft Schlesien, gegründeten Stiftung zuzuführen, die sich zum Ziel gesetzt hat, dieses Kulturgut zu erhalten und auch künftigen Generationen zugänglich zu machen. Aus Niedersachsen war außerdem zu hören, dass Bemühungen unternommen werden, im Lager Friedland eine Lager- und Ausstellungsfläche einzurichten. Skepsis gegenüber einer Abgabe an das Schlesische Museum zu Görlitz war allgemein deutlich, da diese Einrichtung die Erwartungen der Schlesier nicht erfüllt hat und die Gefahr einer Abgabe an polnische Stellen nicht ausgeschlossen werden kann.
Das Zusammentreffen europäischer Vertriebener im italienischen Triest zur Vorbereitung eines europäischen Dachverbandes war Gegenstand einer ausführlichen Aussprache, an der sich viele Delegierte beteiligten. Der Verband soll auf der Vertriebenenebene das nachvollziehen, was in anderen Bereichen bereits in Europa besteht. Auch wenn die Vertreibung von unterschiedlichen Vertreiberstaaten und zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt wurde, herrschte Einigkeit darüber, dass immer die selben Gründe der Anlass waren, nämlich der Nationalismus und der Rassismus. Im Fall der Sowjetunion kam insbesondere noch der Aspekt des Imperialismus` hinzu. Die Delegiertenversammlung beauftragte den geschäftsführenden Bundesvorstand, aktiv an der Satzung des neu zu gründenden Verbandes mitzuarbeiten. Über das Ergebnis soll im Herbst dieses Jahres auf einer Bundesdelegiertentagung abgestimmt werden.
Das bevorstehende Deutschlandtreffen bewegt uns alle in besonderem Maße. Seitens des Vorstandes und der Geschäftsführung konnten zu den organisatorischen und finanziellen Planungen umfangreiche Erläuterungen gegeben werden, die generell auf breite Zustimmung der Teilnehmer stießen. Wenn wir auch nach 60 Jahren wiederum ein so großes Treffen veranstalten können, so ist dies ein Verdienst aller heimattreuen Schlesier und aller aktiv in der Landsmannschaft tätigen Funktionsträger. Jetzt kommt es darauf an, im Endspurt die Schlesier zu mobilisieren, damit in der Öffentlichkeit für Schlesien geworben und auf die ungelösten Probleme der Vertreibung aufmerksam gemacht werden kann. Hierzu sind auch alle Zeitungen aus dem schlesischen Bereich aufgerufen.
Nichts hat in den letzten Monaten die Schlesier so bewegt wie die Kommunalreform in Sachsen, denn durch den Zusammenschluss dreier kommunaler Einheiten soll auch der Name Niederschlesien aufgegeben werden, der bisher in dem Landkreis um Görlitz enthalten war. Die große Flut von Protestschreiben an die sächsische Landesregierung, die betroffenen Kommunen und den Landtag hat gezeigt: Die Schlesier sind noch immer kampagnefähig. Die Delegiertenversammlung stimmte hierzu einstimmig einer Entschließung zu (an anderer Stelle abgedruckt). Für uns alle wird eine befriedigende Lösung dieser Frage auch Auswirkungen für unsere Beziehungen zu der Region haben.
Die Versammlung stimmte abschließend über Anträge ab, die den Mindestbeitrag für Landesgruppen, die Aufnahme der Bundeskulturreferenten/in den geschäftsführenden Bundesvorstand, ein mögliches Kontaktbüro in Warschau oder Breslau, die Erstellung eines Verzeichnisses über bestehende Partnerschaften bzw. die Veranstaltung von kommunalpolitischen Kongressen von kommunalen Verbänden in der Bundesrepublik Deutschland und Schlesien betrafen. Mit dem Aufruf, jetzt alle Kräfte für das Deutschlandtreffen zu mobilisieren, Geschlossenheit zu wahren und hart für die Umsetzung unserer Ziele zu arbeiten, ging die Bundesdelegiertentagung zu Ende. Aufgrund der außerordentlichen disziplinierten Aussprache, die auch programmatische Aussagen zum Inhalt hatte, kann festgehalten werden, dass in der Landsmannschaft Schlesien genügend Substanz vorhanden ist, um die zukünftige Zeit zu gestalten.
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.