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der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 28/2007 30.Mai 2007
- Wofür wir jetzt streiten -
Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Wer im Vorfeld des Deutschlandtreffens mit Landsleuten spricht, wer die auf der Geschäftstelle eingehenden Briefe liest, ist hoch erfreut über das Engagement der Schlesier für diese Veranstaltung. Man spürt, dass viele mit großen Erwartungen und mit Spannung dem Ereignis entgegensehen. Es liegt sicher an der prägenden Wirkung des noch immer tief sitzenden grauenhaften Geschehens der Vertreibung und an der großen Heimatverbundenheit der Schlesier, dass wir über sechzig Jahre nach der Vertreibung sagen können: Schlesien bewegt die Schlesier wie ehedem.
Auf die hervorragenden Leistungen unserer Vorfahren, die über Jahrhunderte diese blühende deutsche Provinz aufgebaut haben, können wir stolz sein. Sie sind ein weiterer Quell dafür, dass wir uns sehr gern mit dem Land identifizieren. Wer wollte auch nicht begeistert sein von den Beiträgen großer Schlesier für die Wissenschaft oder die kulturelle Entwicklung Deutschlands?
Wie stark dieses Bewusstsein auch heute noch für das große Kulturland Schlesien vorhanden ist, konnte ich am 19. Mai anlässlich des 190. Stiftungsfestes der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn auf dem Festkommers erfahren, bei dem ich die Festrede hielt. Beeindruckend dabei war, wie intensiv von dem Verband alte Breslauer und schlesische Traditionen gepflegt werden, insbesondere von der nachwachsenden Generation, denn weit mehr als die Hälfte der ca. 160 anwesenden Burschenschafter waren mittleren oder jungen Alters. Ein eigens zu dem 190. Stiftungsfest herausgegebenes Liederbuch alter Breslauer Burschenlieder, darunter auch einige von unserem Heimatdichter Karl von Holtei in schlesischer Mundart verfasst, zeigen von dieser schlesischen Traditionspflege.
In einem Grußwort wies Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers auf das Gründungsjahr des Verbandes 1817 hin, nur zwei Jahre nach der Gründung der Jenaer Urburschenschaft. Der traditionsreiche Bund der Raczeks, so der Ministerpräsident, hat die Geschichte der burschenschaftlichen Bewegung von Beginn entscheidend mitgeprägt und getreu dem Wahlspruch „Gott – Ehre – Freiheit - Vaterland!“ die Ideale hochgehalten und mutig verteidigt. Rüttgers ermutigte die Burschenschaft ausdrücklich, das Andenken an die schlesische Heimat auch in Zukunft weiter aufrechtzuerhalten. Geschichte ist nach seinen Worten nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen. Der Ministerpräsident beklagte die Vernachlässigung bzw. die Tabuisierung der Erinnerung an Flucht und Vertreibung und stellte fest, dass jetzt die Geschichte mit Macht zurückkehrt. Zunehmend wollten gerade junge Menschen mehr über diese Geschichte wissen. Diese Geschichte ist nach seinen Worten eine Katastrophe, die weit in das Mittelalter zurückreichende deutsche Lebenswelt und Kultur im Osten Europas vernichtet hat und die Geschichte einer nationalen Tragödie aller Deutschen.
Im Übrigen sei erwähnt, dass Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl neben seinen guten Wünschen für die Zukunft in seinem Grußwort im Unverbindlichen blieb. Er hob die Erfolge des europäischen Einigungsprozesses hervor für den die Raczeks eingetreten wären und ermutigte dazu, die Verständigung zu Polen zu pflegen. Kohl, wie wir ihn kennen.
Es ist für uns gut zu wissen, wenn gerade in studentischen Verbänden unsere Anliegen vertreten werden. Erfreulich war für mich zu erfahren, mit welch großer Sympathie die von mir angesprochenen Fragen aufgenommen wurden. Geradezu als Bestätigung dieser Einschätzung sagte mir der Vorsitzende der Alten Breslauer Burschenschaften öffentlich zu, eine Abordnung der Raczeks zum Deutschlandtreffen nach Hannover zu entsenden.
Die Einheit der heimatlichen Schlesier herstellen ist ein wichtiges Ziel, das wir mit unserem Treffen verbinden. Unsere Anliegen vermitteln, Lösungen anmahnen und die heute noch aktuellen Probleme aufzeigen, damit wollen wir an die Öffentlichkeit treten. Wir brauchen unsere Argumente nicht zu verstecken. Ganz im Gegenteil! Wir stehen mit unseren Forderungen auf einem gesicherten moralischen Fundament, weil wir uns auf Regeln berufen, die international unbestritten sind, die vor allem aber für deutsche Betroffene nicht angewandt werden. Leider sind es gerade deutsche Politiker, die mit Scheinargumenten stets versucht haben, den deutschen Opfern ihr Recht zu bestreiten. Dieses Recht aber einzufordern, ist die historische Pflicht der Vertriebenen, damit Menschen in Zukunft von der Geisel der Vertreibung verschont bleiben. Nicht vergessen werden dürfen aber die heutigen Bedrückungen vieler Menschen in Auswirkung des fortgeltenden Unrechts. Wer dies übersieht, kann nicht den Anspruch erheben, humane Politik als Richtschnur seines Handelns zu erheben sowie sich für ungeteilte Menschenrechte einzusetzen. Da die Maßstäbe in der Politik verloren gegangen sind, bedarf eines deutlichen Aufbegehrens und bedarf es der Aufklärung. Hierzu wollen wir in Hannover einen Beitrag leisten.
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.