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der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 33/2007 04.Juli 2007
Nach 18 Jahren ist das Deutschlandtreffen der Schlesier aus Nürnberg nach Hannover zurückgekehrt. Am Sonnabend, 30. Juni und Sonntag, 1. Juli 2007 trafen sich rund 50.000 Schlesierinnen und Schlesier wieder in ihrem Patenland Niedersachsen, das ihnen unter der rot-grünen Regierung die Patenschaft aufgekündigt hatte.
Erste Veranstaltung des Wochenendes war am Freitag ein Ökumenischer Gottesdienst in der Marktkirche, bei dem der Präsident des Schlesischen evangelischen Kirchentages Landespastor i. R. Dr. Hans-Ulrich Minke die Predigt hielt. Die traditionell am Vorabend jedes Deutschlandtreffens stattfindende Kulturveranstaltung der Stiftung Schlesien gestaltete Prof. Dipl.-Ing. Friedhelm Grundmann mit einem hochklassigen Referat über Carl Gotthard Langhans, den „schlesischen Baumeister zwischen Breslau und Berlin“, der u. a. das Brandenburger Tor entworfen hat. Die ca. 150 linksextremen Demonstranten, die sich vor dem Veranstaltungsort versammelt hatten und u. a. von berittener Polizei beobachtet wurden, vermochten nichts als verständnisloses Kopfschütteln hervorzurufen.
Bei der festlichen Eröffnung am Sonnabendvormittag betonte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann die immense Aufbauleistung, die die Vertriebenen für Niedersachsen geleistet haben. Noch heute zeugten u. a. die zahlreichen ostdeutschen Straßennamen davon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug der Vertriebenen und Flüchtlinge die Bevölkerungszahl in Niedersachsen von 4,5 auf 6,8 Millionen Menschen angestiegen ist. Der Hannoveraner Bürgermeister Bernd Strauch berichtete aus der Perspektive der kindlichen Erinnerung eines Niedersachsen über die Ankunft und Eingliederung der Vertriebenen.
Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, wies in seinen Reden am Sonnabend und am Sonntag darauf hin, wie wichtig es für eine in der Zerstreuung lebende Volksgruppe ist, die kulturelle Identität zu wahren. Nach wie vor stehen angesichts der menschenrechtlichen Dimension der Vertreibung von insgesamt 18 Millionen Deutschen drängende Probleme auf der politischen Tagesordnung, die nicht nur die in der Bundesrepublik lebenden Vertriebenen und ihre Nachfahren betreffen, sondern auch die deutsche Volksgruppe in Schlesien. Noch immer sei Vertreibung als politisches Mittel international nicht geächtet. Auch häufige aktuelle Geschichtsverfälschungen und das mangelnde Interesse des polnischen Nachbarn an der Aufarbeitung der eigenen dunklen Seiten der Geschichte bereiteten Sorgen.
Der anschließende Bundesmitarbeiterkongress gab Gelegenheit, die Auswirkungen dieser Probleme auf die landsmannschaftliche Arbeit im Podiumsgespräch mit Rudolf Götz MdL, Dr. Gerhard Kaske, Sigismund Freiherr von Zedlitz und Dr. Michael Parak vertiefend zu diskutieren. Bei der von Peter Großpietsch, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft, moderierten Veranstaltung war eines der dringendsten Themen der zukünftige Umgang mit dem in Schlesischen Heimatstuben gesammelten Kulturgut. Nach der Transferierung zahlreicher Kirchenbücher nach Schlesien vor wenigen Jahren besteht bei vielen Landsleuten die Sorge, dass mit den Beständen der Heimatstuben genauso umgegangen werden könnte.
Entspannung versprach danach die letzte Veranstaltung des Sonnabends, der Heimatabend, der unter dem Motto „Grüß Dich Deutschland aus Herzensgrund – 150. Todestag von Joseph Freiherr von Eichendorff“ stand und von Martin Eichholz geleitet wurde. Mundartbeiträge von Edith Eckert und Hartmut Pischel und teils selbstgeschriebene Lieder von Martin und Brigitte Eichholz begeisterten das Publikum genauso wie der Gesang des Schaumburger Märchensänger-Chors, des Verdener Chors, Herbert und Jakob Sattelmaiers und die Tänze der Volkstanzgruppe Rössing und Innerstetal mit ihrer Kindertanzgruppe.
Der Sonntag, der mit dem evangelischen Gottesdienst mit Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott und dem katholischen Pontifikalamt mit Weihbischof Gerhard Pieschl begann, zog noch einmal viele tausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das Hannoveraner Messegelände.
Vielen gilt die politische Hauptkundgebung als Höhepunkt jedes Deutschlandtreffens der Schlesier, was nicht zuletzt auf die stetige Präsenz von hochkarätigen Bundespolitikern zurückzuführen ist. In diesem Jahr sprach der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff. Er begrüßte, dass die Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung der Deutschen in den letzten Monaten, z. B. durch den Fernsehfilm „Die Flucht“ (Kai Wessel, 2007), verstärkt versucht worden sei und betonte seinen Respekt vor der Leistung der Vertriebenen, die dem Bundesland Niedersachsen zugute gekommen sei. Die positive Haltung seiner Landesregierung zu den Schlesiern dokumentiere u. a. die jährliche Verleihung des Kulturpreises Schlesien. Er kündigte darüber hinaus für das Jahr 2010 ein großes Fest anlässlich des 60. Jahrestages der Patenschaftsübernahme an.
Das Publikum honorierte sein Bekenntnis zum „Zentrum gegen Vertreibungen“, das bereits seit Jahren in der Diskussion ist. Wulff sprach sich im weiteren gegen eine „materielle Aufrechnung“ und in diesem Zusammenhang gegen Entschädigungsansprüche sowie die Initiative der „Preußischen Treuhand“ aus. Die Teilnehmer der Kundgebung reagierten hierauf zweimal mit lautem Unmut durch Pfiffe und Buhrufe. Offenbar sahen sie in den Aussagen einen Angriff gegen das Wirken für Menschenrechte, ein zentrales Anliegen der Vertriebenenverbände.
Außerdem wurde auf der von Prof. Dr. Michael Pietsch, dem Präsidenten der schlesischen Bundesdelegiertenversammlung und Landesvertretung, geleiteten Veranstaltung der Schlesierschild an Weihbischof Pieschl verliehen. Die Schlesische Jugend vertrat Marco Kanne. Er freute sich vermelden zu können, dass die Nachwuchsorganisation der Landsmannschaft wieder einen Anstieg der Mitgliederzahlen verbuchen kann.
Das in allen Programmpunkten zahlreich, vor allem auch von jungen Teilnehmern besuchte Schlesiertreffen setzte ein überzeugendes Zeichen. Die Manifestation „schlesischer Gegenwart“ vom privaten Gespräch über die Brauchtumspflege bis hin zur hohen Politik begründet die Hoffnung auf eine „schlesische Zukunft“.
In der Berichterstattung wurde die Frage der Entschädigungen besonders hervorgehoben, leider ohne differenzierte Betrachtung. Deutsche in der Heimat oder von Polen vertriebene NS-Opfer, in gleicher Weise betroffen, blieben unberücksichtigt.
Ein unnötiges Thema wurde hochgespielt: die Abgrenzung von Rechtsextremisten. Allerdings hatten Verlautbarungen aus der Landesregierung schon im Vorfeld diese Problematik auf die Tagesordnung gebracht. Für die Landsmannschaft Schlesien ist klar, dass es keine Zusammenarbeit mit entsprechenden Vereinigungen oder Personen aus dieser Szene geben darf. Wir haben hierfür immer eine große Sensibilität entwickelt, anders als andere Organisationen, Stiftungen oder sogar staatliche Organe gegenüber im Verfassungsschutzbericht aufgeführten Linksextremisten. Als Beispiel seien die „Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes“ (VVN) oder der „Bund der Antifaschisten“ (Antifa) genannt, die z. B. in Beiräten von Stiftungen sitzen oder von Städten als Redner bei Gedenkfeiern eingeladen werden.
SN
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