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Nr. 04/2008 30. Januar 2008
Wir stehen immer noch am Anfang
Anmerkungen zu einem Interview des ehemaligen polnischen Außenministers Bronislaw Geremek
- Peter Großpietsch -
Er ist bekannt, angesehen, hüben wie drüben, und zur Zeit Abgeordneter des Europäischen Parlaments. Am 21. Dezember 2007 gab er dem Deutschlandfunk frühmorgens ein Interview. Da ich glaubte, mich wiederholt verhört zu haben, besorgte ich mir via Internet den gesamten Text und traute meinen Augen nicht.
Da heißt es wörtlich: „Auf deutscher Seite ist da der Versuch, den Blick auf den Krieg zu ändern … durch die Behauptung, Polen … hätten die Deutschen aus ihrer Heimat vertrieben, während dies auf Beschlüsse der Alliierten zurückzuführen ist.“
Nun haben also die Alliierten uns vertrieben! Polen „mußte“ daraufhin ein Viertel des Deutschen Reiches, entsprechend des Gebietsstandes der Weimarer Republik, übernehmen!
Was lernen wir aus soviel geballter Ignoranz, aus solchen armseligen, wahrheitswidrigen Behauptungen nach nahezu 20 Jahren Demokratie im Nachbarland? Ist es immer noch das schlechte Gewissen? Dürfen Polen nur Opfer, nie Täter (gewesen) sein?
Und was sagt die deutsche Politik dazu?
Jahrzehntelang wurden wir auf Europa vertröstet. Als der Eiserne Vorhang fiel, wurden wir auf den EU-Beitritt Polens und der Tschechischen Republik vertröstet. Uns wurde suggeriert: Dann werden alle Probleme gelöst: Rückkehrrecht, Eigentum!
Nun ist Polen EU-Mitglied, aber was hat sich geändert? Jetzt wird den deutschen Heimatvertriebenen gesagt: „Ohne Hitler keine Vertreibung!“ Jeder Spielfilm, jede angebliche Dokumentation, jedes Interview usw. verläuft nach diesem Muster. Man hatte auf Zeit und die damit einhergehende biologische Lösung gesetzt.
Deutsche Politiker geben permanent der polnischen Seite Steilvorlagen, sonst wären solche Interviewbeiträge von Herrn Geremek nicht möglich. Natürlich weiß er nur zu gut, dass die Vertreibung der Deutschen lange vor den Gesprächen der Alliierten (Potsdam) begann.
Kann es sogar sein, daß es für die völlige Negierung des auf europäischer Ebene geplatzten Zentrums gegen Vertreibungen auf polnischer Seite noch andere triftige Gründe gibt? Vermutlich sind es diese: Mit jeder in der europäischen Szene, egal wo und wie, dokumentierten Vertreibung der Deutschen aus einem jahrhundertealten Teil des
Deutschen Reiches durch Polen wird immer und für alle Zeiten an die Geschichte der Oder-Neiße-Grenze erinnert werden. Dies ist zwar rechtlich nicht mehr relevant, jedoch die moralische Komponente bleibt und wird das Gewissen Warschaus immer belasten.
Und noch etwas: In dem geplanten Zentrum gegen Vertreibungen wird auch die Vertreibung der Armenier durch das Osmanische Reich thematisiert werden.
Selbstverständlich muss dann auch dokumentiert werden, daß Polen in den Jahren 1921 - 1924 ca. 700.000 Deutsche aus den zufolge des Versailler Diktats zugesprochenen Gebieten (Westpreußen, Schlesien) vertrieben hat.
Dieses dunkle Kapitel polnischer Politik soll - so die Pläne von Ministerpräsident Tusk - durch ein sogenanntes „Weltkriegsmuseum“ in Danzig im Verborgenen bleiben. Ein „Weltkriegsmuseum“ begänne ja 1933.
Und wie reagieren darauf deutsche Politiker bis hin zum Bundespräsidenten…?
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