ps    Pressedienst Schlesien

Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

Bundesgeschäftsführung: Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter, Tel.: (02244) 9259-0, Fax: (02244) 9259-290

Nr. 06/2008                                                                                                                                                  08. Februar 2008

Europäische Vertriebene erfahren Anerkennung

- Zyperns Regierung verspricht Unterstützung -

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

Der durch den Zusammenschluss europäischer Vertriebenenverbände ausgelöste neue Impuls trägt erste Früchte: Die zyprische Regierung sicherte einer Delegation der Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen (EUFV) unter der Führung ihres italienischen Generalsekretärs, Dr. Massimiliano Lacota, ihre Unterstützung auf nationaler und internationaler Ebene zu. Während des Besuches am 31.01. und 01.02.2008 , der auf Einladung der Regierung erfolgte, kam es zu einem Gedankenaustausch mit mehreren Ministerien und höchsten kirchlichen Würdenträgern.

In Vertretung des zu Staatsbesuchen in Finnland und Estland weilenden Außenministers empfing der Minister für Landwirtschaft und Entwicklung, Photis Photiou, die Repräsentanten der EUFV. Photiou übt in Abwesenheit des Außenministers dessen Funktionen aus. Gesprächsthemen waren vor allem die Anliegen und Ziele der Vereinigung. Der Minister des Innern, Christos Patsalides, informierte bei dem nachfolgenden Zusammentreffen über die durch die türkische Besetzung Nordzyperns bestehenden Probleme. Der Gewaltakt der Türkei 1974 hatte die Flucht von ca. 200.000 griechischen Zyprioten zur Folge. Zu beklagen waren dabei die Ermordung von 6.000 Personen sowie die Verschleppung von 1.600 Personen, deren Schicksal bis heute unbekannt ist. Dem Innenminister wurden Erläuterungen über die Schicksale anderer europäischer Vertriebenengruppen sowie über die Aktivitäten der EUFV gegeben.

Für ein weiteres Gespräch stand im Außenministerium Botschafter Leonides zur Verfügung, der durch seine Auslandstätigkeit in verschiedenen osteuropäischen Ländern über große internationale Erfahrung verfügt. Auch Leonides ließ großes Interesse an allen Fragen erkennen, die mit der Vertreibung zusammenhängen.

Welche Anerkennung die Zielsetzungen der Vertriebenen auch bei der Kirche Zyperns erfahren, zeigte sich bei Besuchen der höchsten Würdenträger. Im erzbischöflichen Palast in Nikosia empfing Chrysosthomos II., Oberhaupt der Kirche ganz Zyperns, die Delegation der EUFV. Er erklärte seine uneingeschränkte Unterstützung für die europäische Initiative und betonte, dass nach seiner Überzeugung ein wahrer Frieden nur auf der Grundlage von Wahrheit und Recht möglich ist. Für die Vertreter der europäischen Vertriebenen war es eine Ehrenpflicht, auch dem im Exil in Nikosia weilenden Bischof von Kyrenia (Nordzypern) ihre Aufwartung zu machen und ihn über die neue Entwicklung in der Vertriebenenbewegung zu informieren.

Vielleicht werden Gegner der EUFV, die es leider auch innerhalb des BdV gibt, die Unterstützung durch ein kleines Land als unbedeutend abtun. Richtig ist aber, dass Zypern als Mitglied der Europäischen Union erhebliche Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungen der europäischen Politik hat. Wir haben die große Erwartung, hervorgerufen durch klare Bekenntnisse zyprischer Regierungsvertreter, dass unsere Kernanliegen wieder ins Gespräch gebracht werden. Die besondere Schwierigkeit wird sein, insbesondere aus Deutschland kommende Widerstände zu überwinden. Es ist zwar merkwürdig, aber Tatsache : Das Land, das die weitaus meisten Vertriebenen zu beklagen hat, will aus der Vergangenheit herrührende Probleme nur dann aufgreifen, wenn es um Personen geht, die durch Handeln Deutscher geschädigt wurden. Auch die Erinnerung an die Vertreibung soll nur noch dargestellt werden, wenn die Schuld der Vertreiberstaaten verwischt wird. So sind jedenfalls auch die Äußerungen von Kulturstaatsminister Neumann zu der Ausgestaltung des „sichtbaren Zeichens“ zu verstehen. Ganz im Stil des Zerrbildes, das im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen war, wird auch die Konzeption der unter staatlicher Regie entstehenden Einrichtung aussehen. Nicht das Völkerrechtsverbrechen an den Vertriebenen wird im  Mittelpunkt stehen, sondern die sogenannte Ursache, von den Nationalsozialisten gesetzt, und die daraus hervorgegangene Wirkung. So, als ob eine Vertreibung durch irgendetwas entschuldigt werden könnte oder gar durch das Recht gedeckt wäre. Damit diese falsche Sicht nicht offenkundig wird, verfolgt die Politik in Deutschland den europäischen Zusammenschluss der Vertriebenen mit großem Missbehagen, bringt sogar Parteien verpflichtete führende Vertriebenenvertreter in Stellung, um möglichst viele Verbände von einem Beitritt abzuhalten.

Die europäische Karawane rollt jedoch weiter und wird sich nicht aufhalten lassen. Wer außen vor bleibt, zeigt nur, dass er nicht richtig informiert ist oder die wichtigsten Satzungsanliegen nicht auf eine europäische Ebene bringen will, weil er sie im Kern nicht mehr vertritt. Wie groß das Interesse an einem Beitritt zu der EUFV ist, mögen fünf Anträge von Verbänden sein, u. a. aus Polen, Serbien und der Ukraine, die eine Mitgliedschaft anstreben. Wenigstens die Landsmannschaften Ostpreußen und Schlesien werden als Mitglieder mitbestimmen können, wer aufgenommen wird.

Im Rahmen ihrer Aktivitäten hat die EUFV das Nahziel, dass bei der Europäischen Union in Brüssel eine ständige Sonderkommission für unseren Verband eingerichtet wird. Hierauf haben europäische Verbände mit unseren Zielsetzungen einen Anspruch. Es ist gut zu wissen, dass Zypern hierfür seine Unterstützung zugesagt hat.

 

Seite zurück

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.