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Nr. 17/2008 13. Mai 2008
Offene Fragen der Raubkunst gegenüber Polen
- Starrsinn auch durch die Regierung Tusk -
- Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien -
Noch im März erklärte der bekannte polnische Journalist der "Polityka", Adam Krzeminski, in einem Interview mit der Schlesischen Wochenzeitung, dass in den nächsten Monaten ein "sichtbares Zeichen" zum Vorschein kommt, das auf eine Lösung der Frage deutscher Kulturgüter abzielt. Er verwies dabei auf den Besuch von Außenminister Walter Steinmeier in Polen und auf die bevorstehende Verleihung der Ehrendirektorwürde an Kanzlerin Angela Merkel durch die Technische Universität Breslau, die als bedeutsame Impulse zeigten, dass die deutsch-polnischen Beziehungen besser werden.
Die Erwartungen an einen Durchbruch in der Frage der Beutekunst sind allerdings bis heute keineswegs im Ansatz erfüllt. Dabei geht es noch nicht einmal um die Exponate, die in den deutschen Vertreibungsgebieten zurückgeblieben sind, sondern lediglich um die Bestände, die während des Krieges wegen der Bombenangriffe ausgelagert, zunächst in das Kloster Grüssau in Niederschlesien verbracht wurden und jetzt als "Berlinka" in Krakau lagern. Die Sammlung deutscher Autographe aus Berlin, die auf Bestände der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zurückgeht, enthält Nachlässe von Herder, Jean Paul oder Hegel. Auch von Beethovens Achter Symphonie liegen zwei handschriftliche Sätze in Krakau, während zwei in Berlin verblieben sind. Gerade hieran ist erkennbar, dass unersetzbares Kulturgut getrennt ist, was eigentlich zusammengehört.
Ein kleiner Lichtblick hat sich trotz aller Sturheit der Warschauer Politik jetzt durch die Zusammenarbeit der Staatsbibliothek Berlin und der Krakauer Jagiellonen-Bibliothek gezeigt. Es konnten zwei erste Kataloge erstellt werden, eine Sammlung Autographa von 220 000 handschriftlichen Dokumenten, darunter Briefe von Luther, Goethe, Schiller und Rilke. Ein kleiner Katalog erschließt eine Sammlung französischer und okzitanischer Handschriften. Damit könnte ein erster Schritt getan sein, um aus der unwürdigen Situation herauszukommen, zumindest insoweit, dass wertvolle Exponate in Kisten und Mappen verkommen und in keiner Weise nutzbar sind.
Noch verschanzt sich die polnische Regierung hinter ihrem Rechtsstandpunkt. Danach wird die abwegige Meinung vertreten, durch das Potsdamer Protokoll sei das gesamte deutsche Eigentum in den Ostprovinzen des Deutschen Reiches, einschließlich der Kulturgüter, an Polen gefallen. Dass in Potsdam kein Vertrag geschlossen wurde, sondern durch die "Großen Drei" lediglich eine Absprache über die vorläufige Behandlung Deutschlands zustande kam, wird dabei genauso übersehen, wie das geltende Völkerrecht, das Verträge dieser Art von vornherein nichtig gemacht hätte. Im Übrigen hat Polen mit der zusätzlichen Einverleibung Stettins und des westlichen Hinterlandes über Potsdam hinausgegriffen und macht auch in diesem Gebiet die gleichen Ansprüche geltend.
Was die Kulturgüter betrifft, hat Polen sich im Nachbarschaftsvertrag zu Verhandlungen verpflichtet, um die offene Frage Zug um Zug einer Lösung zuzuführen. Seit dem Jahr 2005 sind diese Gespräche jedoch unterbrochen, was den deutschen Sonderbotschafter für die Verhandlungen mit Polen und der Ukraine über die Rückführung deutscher Kulturgüter, Tono Eitel, in Rage brachte. Er bezeichnete die deutschen Kunstwerke als die letzten Gefangenen des Weltkriegs und die entsprechenden Länder als Beutenehmer. Unterstützung fand er vom ehemaligen Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, der hervorhob, dass die Beutekunst materielles und geistiges Eigentum der Deutschen sei, mit der unsere kulturelle Identität verbunden ist. Er mahnte: "Wer sich als Kulturnation versteht, sollte sich danach verhalten".
Der ehemalige amerikanische Kunstschutzoffizier in Deutschland, Walter Farmer, nannte die Wegnahme des kulturellen Erbes eine historische Kränkung von besonderer Langlebigkeit, die viel Erbitterung hervorruft. In einem Wiesbadener Manifest brachte er 1945 seine Kollegen dazu, das deutsche Kulturgut zu achten. Es sei in gleicher Weise schändlich, wenn Amerikaner kulturelle Schätze entwendeten, wie im Fall der Deutschen, die aus den besetzten Gebieten Kulturgüter verschleppt hätten und jetzt dafür angeklagt würden. Für sein Wirken erhielt Farmer vom damaligen Außenminister Kinkel 1996 das Große Bundesverdienstkreuz. Zivilisierte demokratische Staaten können ihre Ideale und Werte nur bewahren, wenn mutige Bürger sie in der Praxis verteidigen, so Kinkel in seiner Laudatio.
Es ist erschütternd zu erkennen, wie ein auf die europäischen Werte verpflichtetes EU-Mitglied Polen die Grundlagen unserer Wertegemeinschaft mit Füßen tritt. Auch anhand dieses Problems wird deutlich, dass das Land keine Europareife hat. Moralische Kategorien scheinen keine Rolle zu spielen. Denkt man an das in Vorbereitung stehende Reprivatisierungsgesetz, das sogar polnische Staatsbürger wegen ihrer deutschen Abstammung unberücksichtigt lassen soll, dokumentiert Polen auch seine auf Rassismus beruhende Staatsdoktrien und mehr als nur moralische oder Rechtsstaatsdefizite.
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