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Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

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Nr. 34/2008                                                                                                                                                  15. Dezember 2008

Menschenrechte auch für Schlesier verwirklichen

- Aufruf für das Jahr 2009 -

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

Sie sollte ein Segen für die Menschheit werden: Die Deklaration der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, die fortan am jeweiligen Jahrestag als Tag der Menschenrechte begangen wird. Unter dem Eindruck des 2. Weltkriegs verkündet, sollte nach dem Willen der auf Initiative der Siegermächte gegründeten Vereinten Nationen die Deklaration als friedensstiftendes Element der Völkergemeinschaft neue Humanität, vor allem aber den Schutz des Menschen vor Verletzung seiner grundlegenden Rechte bringen. Eine Zielsetzung, die Amnesty International beim diesjährigen Jubiläum ein uneingelöstes Versprechen nannte. In der Tat führten die Gründerstaaten der Vereinten Nationen und Verkünder der Deklaration der Menschenrechte bereits bei der Veröffentlichung des Dokuments vor Augen, dass sie diese zur gleichen Zeit mit Füßen traten. Erinnert sei an die unmenschliche Behandlung der Deutschen und die damit verbundenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. An die zu diesem Zeitpunkt noch andauernde Massenvertreibung, an die völkerrechtswidrige Zwangsarbeit von Millionen Kriegsgefangenen und Zivilpersonen oder an die Inhaftierung hunderttausender unschuldiger Deutscher in KZs sei beispielhaft hingewiesen. In dieser Situation klang es zumindest für Deutsche als Hohn, die Einhaltung der Menschenrechte durch die für die Verbrechen Verantwortlichen zu fordern. Ein eklatanter Fall schizophrenen Denkens schon bei der Geburt. Und heute? Jeder weiß, in vielen Teilen der Welt werden diese Rechte bis heute gröblich verletzt. Es war wohl auch nichts anderes zu erwarten, denn Menschenverachtung ist nicht auszumerzen, und das nicht nur bei totalitären Staaten. Das Verhalten der USA auf Guantanamo oder im Irak zeigt dies auf. Hat die Weltgemeinschaft versagt, hat sie etwa einen Schritt zurück gemacht? Es bleibt als positives Zeichen auf der Habenseite zumindest ein Regelwerk, auf das man sich berufen kann, auch wenn dies meist erfolglos bleibt. Soweit die Mächtigen der Welt es wollen, und wenn es ihrer Interessenlage entspricht, gibt es in Einzelfällen auch Anklagen in Den Haag. Die Deutschen warten allerdings immer darauf, dass grundlegende Menschenrechte für sie anerkannt werden.

Weil das so ist, müssen wir Mahner für die Rechte der Vertriebenen bleiben, dies ist unsere Pflicht und ist uns durch unser Schicksal aufgegeben.

Soeben hat der Deutsche Bundestag nach langen, quälenden Diskussionen die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" beschlossen. Eine Hoffnung für die Vertriebenen, deren Schicksal in Deutschland weitgehend tabuisiert wurde. Schwerste Menschenrechtsverletzungen an Deutschen passten nicht in das Bild des "bösen Deutschen". Die Erinnerung hieran bedeutete für die Gralshüter des deutschen

Schuldkomplexes eine Relativierung des NS-Unrechts und musste deshalb aus ihrer Sicht bekämpft werden. Diffamierungen und Verleumdungen der Vertriebenen standen dabei obenan. Eine Methode, die vor allem auch eines bewirkte: Die ehemaligen Kriegsgegner konnten ihre Untaten hinter den deutschen Untaten verstecken, brauchten sich nicht damit auseinanderzusetzen. Wird dies nun anders? Nach wie vor gilt in der Politik und bei vielen Medien als oberstes Gebot, die Vertreibung als Folge des Krieges oder als durch den NS-Staat verursacht zu sehen. Wenn dies das tragende Element der Präsentation in der neuen Stiftung sein sollte, wäre dies kein Durchbruch für eine neue Sichtweise. Opfer würden zwar bedauert, aber das Handeln der für die Vertreibung Verantwortlichen als irgendwie verständlich empfunden. Noch sind die Wunden der Opfer nicht verheilt. Deshalb müssen wir die Lösung nach wie vor offener Fragen einfordern, um den Boden für eine auch in der Zukunft tragfähige Verständigung zu bereiten. Eine Entschädigungsregelung für deutsche zivile Zwangsarbeiter, für geraubtes deutsches Eigentum und die Gleichbehandlung von Menschen deutscher Volkszugehörigkeit in Polen mit anderen polnischen Staatsbürgern, gehören dazu. Nicht zu vergessen sind aber auch die vorenthaltenen Minderheitenrechte für die deutsche Volksgruppe in Polen und die Pflege deutscher Kultur aus den Vertreibungsgebieten, die wir zu vertreten haben.

Das Jahr 2009 steht für uns im Zeichen des Deutschlandtreffens am 27. und 28. Juni in Hannover. Wir sind sicher, dass wir wiederum viele tausende Schlesier bei diesem Heimatfest begrüßen können und auch große öffentliche Beachtung für unsere Anliegen finden werden. Es ist sicher ein bedeutendes Zeichen der Anerkennung, dass der Apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, die hl. Messe in der Messehalle 2 mit den katholischen Schlesiern feiern wird. Der Besuch des päpstlichen Gesandten, dem Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland, zeigt, dass der Vatikan erstmalig gegenüber den Schlesiern ein deutliches Zeichen der Zuwendung gibt.

Unternehmen wir jetzt alles, um den Erfolg von 2007 zu wiederholen, denn bei diesem Treffen konnten wir deutlich mehr Teilnehmer zählen als bei den letzten Veranstaltungen. Die Schlesier haben in der Vergangenheit auch in stürmischen Zeiten immer für ihre Ziele zusammengefunden. Lassen wir uns auch dieses Mal nicht auseinander dividieren. Die Landsmannschaft Schlesien hält klaren Kurs, das sei noch einmal versichert. 

Zeigen wir durch unser Deutschlandtreffen in Hannover, dass mit uns zu rechnen ist. Alle können dazu beitragen. Deshalb rufe ich dazu auf: Werben Sie für das Treffen, organisieren Sie wiederum Fahrten, stellen Sie unser Heimatfest in den Mittelpunkt Ihrer Arbeit des ersten halben Jahres. 

Ich wünsche Ihnen allen Gesundheit und Wohlergehen im Jahr 2009. 

Schlesien Glückauf!

 

 

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