ps Pressedienst Schlesien
Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
Bundesgeschäftsführung:
Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter, Tel.: (02244) 9259-0, Fax: (02244)
9259-290
Nr. 17/2009 04. Juni 2009
Ostdeutsche Heimat soll aus den Köpfen
- Deutschlandtreffen: Ein Protest gegen Verfälschung der Vertreibung -
Das deutsche Schlesien und das gesamte ehemalige Ostdeutschland sollen in Vergessenheit geraten, vor allem auch die Tatsache, dass die deutschen Vertriebenen meist aus Deutschland vertrieben wurden. In sehr vielen Publikationen taucht deshalb allein der Begriff “deutsche Siedlungsgebiete” auf, wenn man die Vertreibungsgebiete meint. Dabei ist dies keineswegs eine unbewusste sprachliche Unschärfe, die sich selbst in Verlautbarungen von Kulturinstitutionen oder Parteien, bis hin zur CDU, wiederfindet. Diese Praxis ist vielmehr Stilmittel, um den Gedanken an die Vertreibung innerhalb Deutschlands gar nicht mehr aufkommen zu lassen. Besonders krasse Verfälschungen der Geschichte leistete sich vor vier Jahren das Deutschlandradio, das in einer Kindersendung behauptete, die später Vertriebenen seien erst im Gefolge des Krieges durch Hitler in Gebiete verbracht worden, aus denen sie nach dem Krieg wieder weg mussten, weil die anderen Völker nicht mehr mit ihnen zusammenleben wollten.
Um es klarzustellen: Deutsche Siedlungsgebiete sind Regionen in anderen Ländern, in denen Deutsche als Minderheit gelebt haben, z.B. in Siebenbürgen, an der Wolga oder im Donaugebiet Serbiens. Ostpreußen, Danzig, Pommern oder Schlesien waren dagegen Deutschland und nicht nur Siedlungsgebiet.
Es gab Versuche, deutsche Ortsnamen durch polnische, tschechische oder russische zu ersetzen. Dies konnte weitgehend abgewehrt werden, eine besondere Ausnahme bildet noch die Sudetendeutsche Stadt Reichenberg, die in Sportberichterstattungen immer Liberec heißt. Der Gebrauch ausländischer Bezeichnungen sollte ebenso dazu dienen, die deutsche Vergangenheit vergessen zu machen.
Seit ca. einem Jahr bewegt die Vertriebenen, dass von verschiedenen Ämtern Steueridentifikationskarten versandt wurden, die als Geburtsstaat Polen oder Sowjetunion auswiesen, obgleich der Geburtsort zur Zeit der Geburt in Deutschland lag. Auch dieser Versuch, Deutschlands Vergangenheit zu verschleiern, konnte weitgehend zurückgeschlagen werden. Ein Erlass des Bundesinnenministeriums an die Länder vom 19.März 2009 macht den Erfolg aber teilweise wieder rückgängig. Als Geburtsstaat soll Deutschland nur noch dann eingetragen werden, wenn die Geburt vor Verkündung des Potsdamer Protokolls durch die drei Hauptsiegermächte, also vor dem 2.8.1945 erfolgte. Entgegen jahrzehntelanger Beteuerungen und Festhalten an dem völkerrechtlich legitimierten Standpunkt, die Oder-Neiße-Gebiete seien nach wie vor Deutschland zugehörig und Polen laut Potsdam bis zu einem Friedensvertrag zur Verwaltung unterstellt, übernimmt die Bundesregierung jetzt die Rechtsauffassung des ehemaligen kommunistischen Ostblocks. Sie bezieht dabei sogar das Stettiner Gebiet ein, das gemäß Potsdam Polen nicht zur Verwaltung unterstellt wurde, weil die Oder als Grenze galt. Polen okkupierte dieses Land in Absprache mit der Sowjet-Union, aber unter ausdrücklichem Protest der Westmächte, noch im Sommer 1945.
Inzwischen zurückgekehrte Einwohner und Dagebliebene, die sich in der sowjetischen Besatzungszone zunächst sicher wähnten, vertrieb Polen Zug um Zug.
Was ist also mit den im Stettiner Gebiet nach dem 2.8.1945 geborenen Deutschen ?
Schlampig verfährt der Innenminister auch mit anderen Regionen, z.B. mit Oberschlesien. Er weist zwar darauf hin, dass nicht alle Fälle in Gebieten gelöst seien, die auf der Grundlage von Versailles mit oder ohne Volksabstimmung abgetreten werden mussten, suggeriert aber damit, dass man sich an das Ergebnis von Volksabstimmungen gehalten habe. Dies trifft im Fall Oberschlesien gar nicht zu.
Anpassung also auf der ganzen Linie zum Gefallen der Vertreiberstaaten. Auf den Gefühlen der Vertriebenen trampelt man wieder einmal herum.
Es gibt viele andere Beispiele für eine Verleugnung der deutschen Zugehörigkeit unserer Heimatgebiete. Mehr und mehr werden große Deutsche einfach unterschlagen, wenn sie aus den deutschen Ostgebieten stammen. Haben sie auch auf dem Gebiet des heutigen verkleinerten Deutschland gewirkt, so wird nur dies erwähnt. So verstieg sich der WDR anlässlich des 90. Todestages des schlesischen Nobelpreisträgers Paul Ehrlich dazu, den Lebensweg des Wissenschaftlers auf die Tätigkeit im heutigen Bundesgebiet zu verkürzen, seine Geburt , seine Schulbildung, sein Studium und seine Arbeit in Schlesien blieben unerwähnt. Noch schlechter ergeht es dem großen deutschen Philosophen Immanuel Kant, der nie aus seiner Heimatstadt Königsberg in Ostpreußen herausgekommen war. In dem großen Literaturführer des angesehenen Inselverlages erscheint Kant überhaupt nicht, genauso wie er schon vor etwa zehn Jahren in einem Kalender der Bundeszentrale für politische Bildung, gewidmet großen Deutschen, fehlte.
In der Tat, die Vertreibung soll aus den Köpfen heraus. Polen will sogar keine Vertreibung begangen und nur alliierte Anordnungen durchgeführt haben. Es wird dabei sogar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte unterstützt. Die Bundesregierung zeigt sich darüber erleichtert und begrüßt diese Auffassung ausdrücklich. Sie nennt zwar die Vertreibung Unrecht, betreibt aber gleichzeitig Aufrechnung mit dem von Deutschland ausgegangenen Unrecht. In Polen läuft man sogar Gefahr, wegen Beleidigung der polnischen Nation verurteilt zu werden, wenn man auf die polnischen Verbrechen hinweist.
Es wird immer deutlicher, die zweite Vertreibung der Vertriebenen hat begonnen. Für uns als Betroffene eine Missachtung unseres Schicksals und unserer Würde. Zeigen wir auf dem Deutschlandtreffen, dass wir dies nicht hinnehmen, dass wir uns wehren. Wahrheit ist Menschenrecht, weil die Unwahrheit über das erlittene Leid von Menschen Menschenrechte verletzt. Nicht ohne Grund ist deshalb die Leugnung des Holocaust unter Strafe gestellt. Auch wenn die Leugnung von Vertreibungsverbrechen straffrei ist, in höchstem Maße unmoralisch bleibt sie in jedem Fall.
Wir sind es hunderttausenden ermordeten Opfern schuldig, für sie das Wort zu erheben. Kommen Sie zum Deutschlandtreffen nach Hannover. Sehen Sie Ihre Teilnahme als Ehrenpflicht, um den Toten eine Stimme zu verleihen. Zeigen Sie auch, dass Sie zu Ihrer Heimat und zu Schlesien in einer Schicksalsgemeinschaft stehen.
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.