ps    Pressedienst Schlesien

Presseinformationen der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.

Bundesgeschäftsführung: Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter, Tel.: (02244) 9259-0, Fax: (02244) 9259-290

Nr. 33/2009                                                                                                                                                  03. November 2009

Kulturpreisverleihung mit polnischer Dominanz

- Symmetrie missachtet, Schlesier verdrängt -

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

 

Es war ohne Zweifel eine gehaltvolle Kulturpreisverleihung, veranstaltet von der niedersächsischen Landesregierung aus Anlass der Verleihung des Kulturpreises Schlesien am 24. Oktober 2009 im Staatstheater Braunschweig. Einst von der Landsmannschaft Schlesien als Preis vorwiegend für vertriebene Schlesier im Exil angestoßen und von Ministerpräsident Ernst Albrecht eingerichtet, erfuhr diese Auszeichnung durch die rot-grüne Nachfolgeregierung unter Schröder und Trittin eine entscheidende Wandlung. Deutsch-polnisch war nunmehr die Ausrichtung, sowohl bei den Preisträgern, bei der Jury als auch bei den Veranstaltungsorten. Der Preis wurde Instrument deutsch-polnischer Aussöhnungspolitik, so, wie sie von den Regierungen verstanden wird.

Die in diesem Jahr Ausgezeichneten, die aus Görlitz stammende Schriftstellerin Rotraud Schöne, der in Frankenstein als Sohn polnischer Einwanderer 1953 geborene Architekturwissenschaftler Jerzy Ilkosz sowie die gemeinsam mit dem Sonderpreis bedachte Jugendbegegnungsstätte und Freya von Moltke-Stiftung Kreisau, haben die Ehrung sicher verdient. Frau Schöne lag es in ihren Romanen daran, den schlesischen Menschen in seiner durch die Landschaft geformten Eigenarten darzustellen. Indem sie sie auch nach Kriegsende sprechen lässt, in ihrer Wehmut und Trauer um die verlorene Heimat, wird eine politische Dimension deutlich. Verdienstvoll bei Jerzy Ilkosz ist insbesondere die Beschäftigung mit den deutschen Zeugnissen in Schlesien, so zum Thema Jahrhunderthalle und zum Leben bedeutender Architekten wie Hans Poelzig, Max Berg und Erich Mendelsohn.

Ilkosz ist es gelungen, den wichtigen Bestand des Breslauer Bauarchivs zu retten, seine Restauration und Neuordnung durchzusetzen. Die „Internationale Begegnungsstätte Kreisau“ ist heute ein Konferenz- und Begegnungszentrum, das auch den deutsch-polnischen Jugendbegegnungen dient. Die Juroren fanden diese Arbeit eines Kulturpreises würdig, genauso, wie die Arbeit der Gedenkstätte der „Freya von Moltke-Stiftung“. Beide Einrichtungen haben sicher ihre Verdienste, sind aber nach meiner Meinung nur schwer in den Kreis der Kulturschaffenden einzuordnen, die bisher ausgezeichnet wurden. War den anerkennenden Worten für die Preisträger durchaus zuzustimmen, so schlichen sich doch immer wieder Aussagen ein, die nur als Verbeugung vor Polen gewertet werden können. Wenn z. B. die kulturellen Einflüsse der Polen in Schlesien gerühmt werden, so fragt man sich, wo denn diese bis 1945 zu sehen waren. Man hat vor Augen die Hinterlassenschaften römischer Baukultur in Trier oder in Köln. In Schlesien suchte man solche Zeugen polnischen Wirkens vergeblich. Wer also auf kulturelle Einflüsse verweist, sollte dafür Beispiele nennen.

Dass der Geist deutscher Demut sich immer wieder Bahn bricht, ist eine Praxis, die stets gepflegt wird. So auch hier. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen setzte Hitler eine Kette von Krieg und Gewalt in Gang, und besonders in Polen hatten viele unschuldige Menschen entsetzlich zu leiden, so Innenminister Schünemann. Eine Aussage, die sicher nicht zu beanstanden ist. Aber warum dann nicht dieselben Worte für die deutschen Vertriebenen? Hier heißt es lediglich, dass die gewaltsame Vertreibung von Millionen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 nicht vergessen werden dürfe. Haben die deutschen Vertriebenen nicht entsetzlich leiden müssen? Waren sie in der übergroßen Mehrheit nicht auch unschuldige Menschen? Die Vertriebenen sind es gewohnt, dass die ihnen angetanen Gewaltakte regelmäßig nur als Unrecht, die Gewaltakte von Deutschen dagegen immer als Verbrechen bezeichnet werden. Wenn ihnen gegenüber nun auch weitere sprachliche Unterscheidungen erfolgen, kann dies nicht ohne Widerspruch bleiben. Selbst der Dirigent des deutsch-polnischen Jugendjazzorchesters konnte es bei seiner abschließenden Aussage nicht unterlassen, noch einmal deutsche Schuld zu betonen. Gehört dies wirklich zu einer Feier für die Verleihung von Kulturpreisen? Wo bleibt die Symmetrie, wenn schon Politik Einzug halten muss? Wie unbedarft man polnischen Gesprächspartnern gegenübertritt, dafür gab der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig ein Beispiel. Er rühmte die 10-jährige Partnerschaft zwischen den Justizbehörden in Braunschweig und Breslau, die er als Musterbeispiel für gelebte Völkerverständigung im Bereich der Justiz pries. Dass Polen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte häufig verurteilt wurde, weil die Justiz rechtsstaatliche Prinzipien missachtet, dürfte doch bekannt sein. In einer Statistik des Gerichts vor eineinhalb Jahren lag Polen hinsichtlich der Verurteilung gleich hinter Russland und der Türkei, gemessen an der Einwohnerzahl eher vor beiden Staaten. Untersuchungshaft ohne Anklage bis zu sieben Jahren wurden u. a. festgestellt. Im Jahr 2003 schrieb mir der deutsche Generalkonsul in Breslau auf eine Beschwerde wegen der Übergriffe an jungen Deutschen bei einer Inhaftierung nach begangener Ordnungswidrigkeit, dass in Polen solche Freiheitsentziehungen anders ablaufen als in Deutschland und ihm weit schlimmere Fälle bekannt sind. Übersieht die Justiz der Stadt Braunschweig auch, dass die Beleidigung der Nation, wie sonst nur noch in der Türkei, laut Strafgesetzbuch strafbar ist? Wenn Kontakte mit einer fragwürdigen Justiz gepflegt werden, so kann dies für die Entwicklung zu einer rechtsstaatlichen Institution nützlich sein. Hier ist es aber wohl so, dass Missstände nicht angesprochen werden und der polnischen Justiz durch das Lob für die Zusammenarbeit geradezu Rechtsstaatlichkeit attestiert wird.

Noch ein Misston sei angemerkt: Die Begrüßung von Ehrengästen war äußerst umfangreich. Der Initiator des Kulturpreises, die Landsmannschaft Schlesien fand sich nicht darunter. Der anwesende Bundesvorsitzende und auch das Mitglied des BdV-Präsidiums, Oliver Dix, wurden ebenso vergessen.

So zeigt sich, der Preis wurde nicht nur zu einer deutsch-polnischen Einrichtung verändert, Polens Einfluss ist inzwischen so stark, dass er das Handeln deutscher Politiker bestimmt. Dies erwies sich bei der Besetzung des Stiftungsrats der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ und bestätigte sich in Braunschweig. Vertriebenenvertreter sind in Polen nun einmal nicht gern gesehen, in Deutschland nimmt man hierauf Rücksicht.

Ein Höhepunkt am Ende der Kulturpreisverleihung war sicherlich die Übergabe des „Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, des höchsten Ordens in unserem Land, an den Direktor der Breslauer Museen, Dr. Maciej Lagiewski. Geehrt wurden damit die Verdienste um die Bewahrung des historischen Erbes der Stadt und Schlesiens. Die Restaurierung des Staatsarsenals, der Erwerb einer Sammlung schlesischer Goldschmiedearbeiten und die Schaffung einer historischen Dauerausstellung im neu erbauten königlich-preußischen Stadtschloss in Breslau gehören dazu. Sein Wirken muss auch von Vertriebenen anerkannt werden. Allerdings bedarf seine Vereinnahmung als Brückenbauer der deutsch-polnischen Verständigung einer Anmerkung. Was nicht gesagt wurde ist die Tatsache, dass Lagiewski mit seiner Arbeit an der Dauerausstellung am Stadtschloss in Polen erheblichen Anfeindungen ausgesetzt war. Er wolle Breslau wieder regermanisieren, so der Vorwurf in der polnischen Presse. Einzelne Leuchttürme machen noch keine Verständigung, geschweige denn eine Aussöhnung. Dies sollte man in Deutschland zur Kenntnis nehmen und nicht in Sonntagsreden zuschütten.

 

Seite zurück

Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.