ps Pressedienst Schlesien
Presseinformationen
der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V.
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Nr. 36/2009 21. Dezember 2009
Das Jahr 2010
- Bilanz und Aufruf -
Schlesien ist aktuell, die Anliegen der Vertriebenen sind aktuell!
Das Jahr 2009 hat dies öffentlichkeitswirksam unter Beweis gestellt. Schon seit vielen Jahren warten unsere Gegner darauf, dass es mit den Vertriebenen zu Ende geht, dass man die Probleme, die in Zusammenhang mit der Vertreibung noch immer auf eine Lösung warten, durch Zeitablauf los wird. Es grenzt nahezu an ein Wunder, wenn 64 Jahre nach Beginn der Vertreibung die Schlesier sich erneut in großer Zahl zu einem Deutschlandtreffen in Hannover versammelt haben, um sich vor aller Öffentlichkeit zu Wort zu melden. Es war ein Treffen, bei dem viele wieder schlesische Atmosphäre atmen, sich bekennen und sich mit Landsleuten aus vielen Regionen austauschen konnten. Die Nachrichtensendungen des 1. und 2. Deutschen Fernsehens sowie die großen überregionalen Zeitungen berichteten über das Ereignis und trugen damit die Botschaft in das In- und Ausland, dass die Schlesier zu Schlesien und ihren Anliegen stehen. Durch die Anwesenheit des päpstlichen -Botschafters, des Erzbischofs Jean-Claude Périsset, konnten sich die Schlesier geehrt fühlen. Diese erstmalige Visite bei einem Vertriebenentreffen signalisierte auch das Interesse des Papstes an den Anliegen der Schlesier.
Die Veranstaltung in Hannover gab uns neue Kraft für den Alltag und die Auseinandersetzungen mit unseren Gegnern, die auf eine Schlussstrichpolitik hinarbeiten. Inzwischen wurde auch deutlich: Noch nie hat eine deutsche Bundesregierung die Vertriebenenproblematik international zur Sprache gebracht. Wie konnte sie dies auch, wenn sie stets nur deutsche Verbrechen ansprach, deutsche Untaten aufarbeiten und dokumentieren ließ, ständig in großer Demut Entschuldigungen in die Welt sandte, aber andererseits so tat, dass die ehemaligen Kriegsgegner nur menschenfreundliche Befreier gewesen waren. Das gewaltige Verbrechen der Vertreibung, das auch die Westmächte zu verantworten haben, Kriegsverbrechen an den Deutschen von unvorstellbarer Grausamkeit, gab man dem Vergessen anheim. Während man bei uns bis heute 90-jährige vor Gericht stellt, die sich für Geiselerschießungen nach einem Partisanenüberfall verantworten müssen, deckt man Verbrechen der anderen Seite mit dem Mantel der Liebe zu. Noch nie hat sich ein Amerikaner wegen einer Gefangenenerschießung verantworten müssen, obwohl diese nicht gerade selten waren und nicht nur bei der Roten Armee. In Anbetracht der Diskussion um die Bombardierung im afghanischen Kundus mit über 140 Toten fragt man sich, wieso das gezielte Massaker durch 600 amerikanische Bomber am 12. März 1945 in Swinemünde an 23.000 deutschen Flüchtlingen, die gerade die Fluchtschiffe verlassen hatten, niemals als Kriegsverbrechen bezeichnet wurde und warum noch nicht einmal an den jährlichen Gedenktagen ein Vertreter der Bundesregierung teilnimmt. Gerade wird darüber berichtet, dass auf der Breslauer Dominsel ein Massengrab gefunden wurde, das nach der ersten Inaugenscheinnahme deutliche Indizien auf umgebrachte Zivilpersonen, auch Frauen und Kinder, liefert. Leider ist dieser Fund kein Thema in unseren Medien. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn bei uns ein solches Massengrab plötzlich entdeckt würde.
Ganz eingestellt auf Demut gegenüber dem Vertreiberstaat Polen präsentiert sich unser neuer Außenminister. Westerwelle gibt vor, für die Versöhnung mit Polen zu arbeiten, wenn er die BdV-Präsidentin aus dem Stiftungsrat „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ fernhalten will. In Wahrheit schadet er der Verständigung, wenn er Probleme unter den Teppich kehrt und über die Köpfe der Vertriebenen hinweggeht. Auch bei ihm gelten deutsche Opfer weniger als NS-Opfer, insoweit entpuppt er sich eher als Botschafter Polens, nicht aber als Verfechter der Anliegen deutscher Opfer. Der Drang nach Wiedergutmachung durch die deutsche Politik richtet großen Schaden an. Auswirkungen sehen wir bei allen noch zu lösenden Fragen. Der deutschen Volksgruppe in Schlesien werden nach über 18 Jahren Nachbarschaftsvertrag wesentliche Rechte nach europäischem Standard von Polen noch immer vorenthalten. Polnischer Nationalismus verhindert auch, dass an den polnischen Todeslagern für Deutsche Gedenkstätten errichtet werden. Lamsdorf ist hier die Ausnahme. Deutsche Zwangsarbeiter sind für die meisten Politiker kein Thema mehr, weil man die Gefahr sieht, dass deutsches Unrecht damit relativiert würde. Die Regelung der Herausgabe der Beutekunst, 1991 im Nachbarschaftsvertrag zugesagt, wird von Polen verweigert, ebenso eine Lösung der Eigentumsfrage, die insbesondere für die in Polen wohnenden Staatsbürger deutscher Abstammung eine Diskriminierung darstellt. Vorauseilender Gehorsam - ganz im Zeichen der demütigen Rücksichtnahme - zeigte sich auch in dem Erlass des letzten Bundesinnenministers Schäuble, der den Ländern empfahl, für die nach dem 2. August 1945 in den Oder-Neiße-Gebieten geborenen Deutschen entgegen dem Völkerrecht als Geburtsort Polen oder Russland in den Einwohnermelderegistern eintragen zu lassen.
Dass Politiker mit der Wahrheit auf Kriegsfuß stehen, ist allgemein bekannt, aber dennoch immer wieder enttäuschend. In Sonntagsreden konnten sich die Vertriebenen stets Versprechungen anhören, die alsbald vergessen wurden. Jetzt schlägt die Politik sogar Kapriolen, gibt Erklärungen für ihr Verhalten, die gleichermaßen unsinnig wie auch lächerlich anmuten. Als besonders üble Methode hat sich in den letzten Jahren bei Politikern eingebürgert, die Vertriebenen zu brandmarken, die an alte Versprechungen anknüpfen. Insbesondere derjenige, der wie andere Opfergruppen Eigentumsfragen anspricht, fällt in Ungnade, wird ausgegrenzt. Ein unglaublicher Vorgang!
Insoweit könnte man mutlos werden. Wem allerdings die Heimat und die vertriebenen Menschen am Herzen liegen, der wird neu motiviert, denn er wird in seinem Wirken bestätigt. Bestätigt darin, dass es bei unseren Gegnern keine überzeugenden Argumente gibt, das Denken in moralischen Kategorien uns auszeichnet, Menschenverachtung dagegen in der Politik vorzufinden ist.
Beginnen wir das Jahr 2010 deshalb mit neuer Energie. Stehen wir weiter zusammen, lassen wir uns nicht auseinanderdividieren. Die Geschichte hat gezeigt, dass berechtigte Anliegen, das Eintreten für Recht und Gerechtigkeit für die Menschen, in den meisten Fällen über Unrecht und Menschenverachtung gesiegt haben.
Die Landsmannschaft Schlesien hat in der Vergangenheit den Landsleuten Geborgenheit sowie ein Stück Heimat gegeben. Im Innern wurde auch einiges erreicht, vor allem auf sozialem Gebiet und in der Pflege der Kultur. Ich bin sicher, die Erfolgsbilanz wird fortgeschrieben, auch wenn dies erst nach zähem Ringen erreicht werden kann.
Ich wünsche ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010.
Schlesien Glückauf
Rudi Pawelka
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Abdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplar erbeten. Erscheint nach Bedarf.