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Nr. 03/2012                                                                                                                                                  06. Februar 2012

Friedrich II. - ein großer Deutscher

- Schlesien hat ihm viel zu verdanken -

Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien

Man bezeichnet ihn als den letzten deutschen Staatsführer, dem man noch das Attribut „der Große“ zuerkennt. Gleichwohl steht Friedrich II. unter starker Kritik. Sicher ist jedoch, dass der 300. Geburtstag des großen Königs am 24. Januar für intensive Diskussionen sorgte sowie für eine in Deutschland seltene Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, wenn man von der NS-Zeit einmal absieht. Bei der Beurteilung seines Lebenswerks fielen seine Gegner dadurch auf, dass sie heutige Maßstäbe bei ihrer Kritik anlegten. Diese Form der Auseinandersetzung macht es dann leicht, die Leistungen des Preußenkönigs wegzureden.

Die geistige Welt Friedrich II.

Von Natur aus künstlerischen und geistigen Dingen zugewandt, von französischen Erziehern mit der Kultur Frankreichs früh bekanntgemacht, kam er bald in Konflikt mit dem nüchternen, praktisch veranlagten Vater Friedrich Wilhelm I., der in der Arbeit für Heer und Staat aufging. Trotz Verbot des Vaters widmete sich Friedrich mit Unterstützung seiner Mutter dem Erlernen fremder Sprachen, der Literatur und Musik. Er verschaffte sich Bücher und modische Bekleidung. Gegensätze in der religiösen Anschauung, bei der Wahl einer Gattin und ein hochmütiges Gefühl der Überlegenheit machten das Verhältnis zu seinem Vater schließlich so unerträglich, dass er sich zur Flucht entschloss, um den immer heftigeren Zusammenstößen zu entgehen. Der König wertete dies als Fahnenflucht und wollte seinen Sohn hinrichten lassen, begnügte sich dann aber mit der Hinrichtung des Freundes, dem Leutnant Katte, der in die Pläne eingeweiht war. Während seiner Gefangenschaft in der Festung Küstrin wurde Friedrich von guten Lehrern in die Grundzüge des Rechts, der Verwaltung und der Wirtschaft eingeführt.

Der aufgeklärte Absolutismus Friedrich des Großen.

Schon 1939 schrieb Friedrich den Antimachiavell, in dem er sich gegen die amoralische Politik wandte. Nach seiner Ansicht ist auch der Fürst an die Gebote der Moral gebunden („erster Diener des Staates“). Der „vernünftige Staat“ muss der Maßstab seiner Handlungen sein. „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“, dieser bekannte Ausspruch entsprang nicht der Achtung, sondern der Gleichgültigkeit gegenüber der Religion und war sicher auch Ausfluss des Zeitgeistes der Aufklärung im 18. Jahrhundert. In den Werken Voltaires, dem überragenden Philosophen seiner Zeit und Freund Friedrich II., wird sogar ein Kampf gegen die Kirche deutlich. Gleichwohl sorgte der König für einen „vernünftigen“ Religionsunterricht in den von ihm geförderten Volksschulen, um eine solide Moral im Volk zu verankern. Seine Liberalität äußerte sich in einer bedingten Pressefreiheit, soweit diese nicht an der gewünschten Staatsordnung rüttelte. Er glaubte nicht an die Fähigkeit des Menschen, ohne starke Organisation leben zu können, denn er unterstellte den Menschen Selbstsucht, die nur den eigenen Vorteil im Auge hätte. Nur bei dem aufgeklärten Monarchen, so seine Meinung, fällt der eigene Vorteil mit dem des Gemeinwesens zusammen. Der aufgeklärte Friedrich legte die Grundlagen für das „Allgemeine Landrecht“, schuf die Folter ab und unterwarf sich als erster Herrscher in Europa in dem sogenannten „Mühlenfall“ einem gegen ihn gerichteten Urteil eines Gerichts. Wenn Friedrich der Große einer gewissen Liberalität in Preußen Geltung verschaffte, so war er hierzu nicht durch das Volk gezwungen worden. Auch wenn die damit verbundenen Freiheiten für den Bürger, gemessen an der Gegenwart, gering waren, sollten die aus eigener Überzeugung eingeleiteten Reformen gewürdigt werden.

Der Kriegsherr Friedrich II.

Als der Monarch im Jahr 1740 als 28-jähriger auf den Thron kam, erhob er sofort Ansprüche auf Schlesien, die allerdings von der österreichischen Kaiserin Maria Theresia abgelehnt wurden. Das preußische Heer, das daraufhin in das beanspruchte Land einmarschierte, konnte bei Mollwitz die Österreicher schlagen. Im Frieden zu Breslau (1742) verzichtete Maria Theresia auf Schlesien, auch um sich gegen andere Gegner behaupten zu können. Schon bald änderten sich die politischen Verhältnisse in Europa entscheidend, Österreichs Gegenspieler gerieten in Bedrängnis und Friedrich fürchtete einen endgültigen Sieg Wiens. Unter dem Vorwand, dem im Asyl in Frankfurt residierenden Kaiser zu Hilfe zu kommen, brach er den Frieden und konnte das österreichische Heer in drei Schlachten schlagen ( u. a.  bei Hohenfriedberg ). Im Frieden von Dresden 1745 bestätigte Maria Theresia den Verzicht auf Schlesien. Im Jahr 1756 erfuhr Friedrich, dass Wien Verbündete gegen Preußen sammelte und diese auch in Russland, Sachsen, Frankreich und Spanien fand. Später schlossen sich noch Schweden und das Reich an. Preußen fand seinerseits in England einen Waffenbruder, der auf den Erhalt von Hannover bedacht war. Friedrich sah in seinem Einfall von 1756 in Sachsen deshalb einen Präventivkrieg. Nach langen sieben Jahren, in denen Preußen der große Verlierer zu werden schien, änderte sich das Blatt erst, als die russische Zarin Elisabeth starb und mit Peter III., ein Bewunderer Friedrichs, die Nachfolge antrat. Der Zar beendete  den Krieg gegen Preußen. Zwar schleppten sich die Kämpfe der ermatteten Heere noch einige Zeit hin, der Friede von Hubertusburg (1763) ließ dann aber die Waffen schweigen. Preußen behielt Schlesien mit Ausnahme einiger Randbereiche im Süden. Leider wird der Staat nicht nur im Ausland als das kriegerische Land schlechthin angesehen, obwohl allein England weit mehr Kriege geführt hat als alle preußischen Herrscher zusammen. Gern bezeichnet man den Einmarsch preußischer Truppen in andere Länder auch als „Überfall“. Der Historiker Guido Knopp verglich dies in einer Fernsehsendung mit dem „Überfall“ auf Belgien 1940. Fälschlicherweise fügte er noch hinzu, dass dieser Akt England zum Kriegseintritt gebracht hätte, was sich einreiht in andere Falschaussagen des Fernsehaufklärers. 

Der Durchhaltewillen des großen Königs in auswegloser Lage ist legendär. Sein Missbrauch durch Hitler dient heute auch als Argument für die Verteufelung des preußischen Königs.

Beitrag Preußens zur Entwicklung Schlesiens.

Österreichs Anteil an der Entwicklung Schlesiens ist bedeutend. Er findet sich wider in großartigen Bauten, in der Kunst und in der geistigen Entwicklung. Durch Preußen wurde die Industrie zu einer überragenden Blüte gebracht. Die Umsetzung preußischer Verwaltungsgrundsätze, gepaart mit den viel gerühmten preußischen Tugenden, waren dabei wesentliche Wegbereiter. Preußen wurde durch die Einverleibung Schlesiens mit seiner großen industrieellen Kraft zu einer europäischen Großmacht. Für den evangelischen Teil der Schlesier bedeutete die Herrschaft der Preußen eine regelrechte Befreiung von katholischer Dominanz durch Österreich.

Auch wenn Friedrich II. Widersprüchlichkeiten vorgehalten werden können, bleibt er eine überragende Gestalt der deutschen Geschichte. Er war Reformer aus eigenem Antrieb. Er war Machtpolitiker in einer Zeit, in der Krieg für alle noch ein Mittel der Politik war. Unter seiner Regentschaft wuchs das preußische Staatsgebiet von 120 000 auf 200 000 qkm, die Bevölkerung gar von 2,5 Mio. auf 5,5 Mio. Für Franzosen gilt Napoleon noch immer als bedeutende Person ihrer Geschichte, auf die man stolz ist, obwohl er weite Teile Europas verwüstete. Auch den Deutschen stünde es gut an, sich nicht von einem Großen der Geschichte zu distanzieren.

 

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